Weitere Kritik an Fine

Causa KHM: Direktorin von Schloss Ambras vom Dienst freigestellt

Veronika Sandbichler leitet die KHM-Außenstelle auf Schloss Ambras seit 2010.
© Thomas Böhm

Nach den öffentlich geäußerten Vorwürfen einer „toxischen Führungskultur“ wurde Veronika Sandbichler, langjährige Direktorin von Schloss Ambras, suspendiert. KHM-Generaldirektor Jonathan Fine, der die Vorwürfe zurückweist, übernimmt – wie berichtet – interimistisch die Leitung.

Innsbruck, Wien– Veronika Sandbichler, die Direktorin von Schloss Ambras, ist seit Sonntag vom Dienst freigestellt. Zuletzt war sie im Krankenstand. Wie die Tiroler Tageszeitung bereits berichtete, leitet der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museumsverbandes (KHM), Jonathan Fine, das Haus vorerst interimistisch selbst.

Sandbichler war vor einer Woche mit dem Vorwurf einer „toxischen Führungskultur“ gegen die KHM-Spitze an die Öffentlichkeit gegangen. Fine weist diese Vorwürfe zurück. Veronika Sandbichler arbeitet seit 34 Jahren auf Schloss Ambras, einer Außenstelle des Kunsthistorischen Museums, und ist seit 2010 als Direktorin für die Sammlungen verantwortlich.

Der gebürtige US-Amerikaner Jonathan Fine ist seit 2025 Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums. Davor war er wissenschaftlicher Direktor des Wiener Weltmuseums.
© TOBIAS STEINMAURER

Auch früherer Art Director äußert Kritik

Gegenüber dem ORF-Kulturmontag äußerte sich nun – neben zwei anonymen ehemaligen Mitarbeiterinnen – auch Stefan Zeisler, zuletzt Art Director des KHM. Zeisler wurde im Jänner 2025 gekündigt. Die Kommunikationskultur unter dem 2025 neu angetretenen Generaldirektor Fine habe sich massiv verschlechtert. „Es war einfach nicht möglich, einen Termin zu bekommen und nicht einmal Antworten auf die Mails zu bekommen. Und die Mails, die uns erreicht haben, waren in einem Ton, der uns vollkommen vor den Kopf gestoßen hat.“

Dass über ein Dutzend Menschen nach Fines Amtsübernahme gegangen seien, spreche eine eigene Sprache: „Dass so viele Leute freiwillig so eine Institution verlassen, nicht weil sie alle einen besseren Job haben, sondern weil sie es nicht mehr aushalten, das ist ungewöhnlich.“

Fine: „Umgangston im Haus ist sachlich“

Jonathan Fine sieht angesichts der Größe des KHM-Museumsverbandes mit rund 850 Mitarbeitenden darin keine Besonderheit, wie er gegenüber dem ORF schriftlich klarstellt: „Bei dieser Größenordnung wird es in jedem Betrieb auch einige Personen geben, die unzufrieden sind und Kritik äußern.“ Der Umgangston im Haus sei sachlich.

Der KHM-Betriebsrat forderte „eine transparente und lückenlose Aufklärung aller schwerwiegenden Vorwürfe durch unabhängige Instanzen“. In einer offiziellen Stellungnahme wird die Situation für die Mitarbeitenden als „derzeit sehr schwierig“ beschrieben. „Durch den seit dem vorigen Jahr laufenden Change-Prozess und die damit verbundenen Umstrukturierungen ist der Bedarf an Beratungsgesprächen mit dem Betriebsrat merklich gestiegen. Vielfach zeigt sich, dass dieser Change-Prozess seitens der Geschäftsführung unzureichend kommuniziert und begleitet wird“, erklärte die Betriebsratsvorsitzende Marianne Novotny-Kargl.

Ein für Montagnachmittag geplantes Pressegespräch mit Jonathan Fine auf Schloss Ambras wurde kurzfristig abgesagt. Grund sei eine Erkrankung von Generaldirektor Jonathan Fine, wie das KHM mitteilte. (TT, APA)

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