Wildtier in Stadt gefangen

Nach Biss in Einkaufspassage: Wie es mit dem Wolf in Hamburg weitergeht

Seit dem Wochenenden hatten immer wieder Menschen einen Wolf in Hamburg gemeldet. (Symbolfoto)
© Lino Mirgeler

Jener Wolf, der am Montag in einer Hamburger Einkaufspassage eine Frau gebissen haben soll, wurde vorläufig in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen untergebracht. Während Tierschützer für eine Freilassung plädieren, ist die Zukunft des Tieres derzeit ungewiss.

Hamburg – Der eingefangene Wolf, der laut Behörden in einer Hamburger Einkaufspassage eine Frau gebissen hat, hat in Niedersachsen ein neues vorläufiges Zuhause gefunden. „In Absprache mit Tierschutzexpertinnen und -experten wurde entschieden, dass der Wolf vorläufig in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen unterkommt“, sagte ein Sprecher der Umweltbehörde der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dort sei das Tier am Abend gut angekommen.

Um welche Station es sich handelt, sagte der Sprecher nicht. Es sei auch nicht klar, wie lange der Wolf dort bleiben könne. Eine dauerhafte Lösung für das Tier werde nach wie vor gesucht.

Wildparkchef für Freilassung des Wolfes

Am Dienstagnachmittag standen bei den Beratungen mit Experten nach Angaben von Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank auch eine Tötung des Tieres sowie seine Freilassung im Raum. Mit Blick auf eine mögliche erneute Verletzung eines Menschen durch den Wolf sagte sie: „Das ist eine Situation, die ich mir nicht verzeihen würde.“

Unterdessen sprach sich der Geschäftsführer des Wildparks Schwarze Berge, Arne Vaubel, für eine Freilassung aus. Der Wolf habe nicht mit Absicht angegriffen, sondern aus einer Panik heraus, sagte er der dpa. In dem Wildpark südlich von Hamburg lebt seit Jahren ein Wolfsrudel.

Vaubel geht davon aus, dass der Wolf die Frau nicht angreifen wollte. Das sei ein wilder Wolf, der nichts kenne - keine Stadt, keine Menschen. „Der Wolf war wahrscheinlich in Panik und wollte nur raus“, sagte er.

Eine Chance, das Tier in das Rudel seines Wildparks zu integrieren, sieht Vaubel nicht. „Das ist eigentlich nicht möglich.“ Wenn, dann bräuchte das Tier ein eigenes Gehege und auch das sei schwierig. Schließlich handele es sich bei dem Wolf nach wie vor um ein wildes Tier.

Senatorin: Erste durch Wolf verursachte Bissverletzung

Der Wolf war am vergangenen Wochenende zunächst am westlichen Hamburger Stadtrand gesehen worden. Nach Behördenangaben tauchte er dann am Montag in einer Einkaufspassage im dicht besiedelten Stadtteil Altona auf.

Dort kam es dann laut den Behörden zu dem Vorfall mit der Frau. Nach dpa-Information war dem Tier der Weg aus der Passage heraus durch gläserne Automatiktüren versperrt. Die Frau habe dem Tier helfen wollen.

Wie Umweltsenatorin Fegebank sagte, wurde die Frau durch das Tier verletzt. Das Bundesamt für Naturschutz sprach vom ersten Fall seit der «Etablierung» des Wolfes im Jahr 1998. „Seit der Rückkehr der Art nach Deutschland wurde kein Mensch durch einen Wolf verletzt“, so das Bundesamt. Zur Schwere der Verletzung machte die Senatorin keine Angaben. Die Frau habe das Krankenhaus aber nach kurzer ambulanter Behandlung wieder verlassen können.

Wolf soll Angstreaktion gezeigt haben

Der Wolf war nach dem Vorfall in Altona noch bis in die Innenstadt gelaufen und dort am Jungfernstieg von der Polizei eingefangen worden. Bis zu seinem Transport nach Niedersachsen war er im Wildgehege Klövensteen im Westen Hamburgs untergebracht und tiermedizinisch versorgt worden.

Nach Angaben von Umweltstaatsrätin Stefanie von Berg (Grüne) könne man davon ausgehen, dass der Wolf auf der Suche nach einem neuen Revier in die Stadt gekommen sei und dann die Orientierung verloren habe. „Das ist die Erklärung dafür, dass er immer weiter rein gegangen ist, anstatt umzudrehen“, sagte sie. (dpa)

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