Vier Menschen an Bord

Start der „Artemis 2“ geglückt: Historische Mission ist auf dem Weg zum Mond

Die Rakete hob am Mittwoch um 18:35 Uhr Ortszeit (00:35 Uhr MESZ) ab.
© JIM WATSON

Eine Trägerrakete mit drei Astronauten und einer Astronautin an Bord hob am Mittwoch von Cape Canaveral ab. Es ist die erste astronautische Mond-Mission seit mehr als einem halben Jahrhundert.

Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen auf dem Weg zum Mond. Drei Astronauten und eine Astronautin hoben dafür um 18:35 Uhr Ortszeit (00:35 Uhr MESZ) an Bord der „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Wenige Stunden nach dem Start trennte sich die Kapsel von der Kernraketenstufe.

Der Start der krisengeplagten Mission „Artemis 2“ war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden. Ein kleines Problem gab es auch beim Flug jetzt: Kurz nach dem Start brach die Kommunikation mit dem Kontrollzentrum auf der Erde vorübergehend ab. Die Mitarbeiter im Kontrollzentrum konnten die AstronautInnen nicht hören, berichtete NASA-Chef Jared Isaacman in einer Pressekonferenz. Das Problem habe aber nach kurzer Zeit gelöst werden können und die Kommunikation sei wieder hergestellt. „Wir klären das Problem aktiv auf.“

„Historischer Tag“

Es sei ein „historischer Tag“, sagte der deutsche Astronaut Alexander Gerst vor dem Start der Deutschen Presse-Agentur, sein Astronautenkollege Matthias Maurer sprach von einem „ganz neuen Kapitel für die Raumfahrt“. „Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen – wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus“, hatte US-Präsident Donald Trump schon vor dem Start auf seiner Online-Plattform Truth Social kommentiert. Nach dem Start gratulierte er der NASA und den „mutigen“ Astronauten zu Beginn einer Rede an die Nation. „Das war ganz schön beeindruckend.“

Jeremy Hansen, Victor Glover, Reid Wiseman und Christina Koch sind auf dem Weg zum Mond.
© APA/AFP/JIM WATSON

„Artemis 2“ baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission „Artemis 1“ 2022 auf. An Bord der „Orion“-Kapsel soll die Crew – bestehend aus der US-Astronautin Christina Koch, ihren US-Kollegen Victor Glover und Reid Wiseman und dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen – etwa zehn Tage lang um den Mond herumfliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde landen soll.

Mehr als 2,3 Millionen Kilometer Strecke

Der Flugverlauf gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier AstronautInnen sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370.000 Kilometer von der Erde entfernt, etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen – und könnten sich weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor.

Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch ist die erste Frau an Bord einer Mond-Mission der NASA, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste Kanadier.

Bisher zwölf Amerikaner auf dem Mond

Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bisher letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene NASA-Astronaut Eugene Cernan mit der „Apollo 17“-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bisher einziges Land mit den „Apollo“-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.

Die „Orion“-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken sollen die AstronautInnen aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören ebenfalls zu ihren Aufgaben.

📽️ Video | Die „Artemis 2“-Mission

Programm benannt nach Göttin des Mondes

Das milliardenschwere „Artemis“-Programm – benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie – wurde von der NASA 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung („Artemis 3“) bis 2024 vor. Seitdem kam es aber mehrfach zu Verschiebungen.

Der neue NASA-Chef Jared Isaacman hat die „Artemis“-Pläne kürzlich noch einmal komplett umgeschmissen. Die Mission „Artemis 3“, mit der ursprünglich frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen.

Auch europäische Raumfahrtbehörde beteiligt

Stattdessen solle die „Orion“-Kapsel sich bei dieser Mission im Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem solle es dann 2028 möglicherweise sogar gleich zwei Mondlandungsversuche geben – „Artemis 4“ und „Artemis 5“. Außerdem werde eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert. Viele private Raumfahrtunternehmen und internationale Partner sind bei dem Programm involviert, darunter auch die europäische Raumfahrtbehörde ESA.

Die NASA wird wieder Geschichte schreiben. Das ist sehr aufregend für uns alle.
Josef Aschbacher, ESA-Chef

Die ESA steuert unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die „Orion“-Kapsel bei. Auch die Teilnahme eines deutschen Astronauten ist für die Zukunft angedacht. „Wir stehen an der Schwelle einer historischen Rückkehr“, sagte ESA-Chef Josef Aschbacher bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral. „Die NASA wird wieder Geschichte schreiben. Das ist sehr aufregend für uns alle.“

Wettlauf der Raumfahrtnationen

Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum Mond strategisch die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen prägen zu können. US-Präsident Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, verbucht es auch als persönlichen Erfolg.

Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen zum Mond. Größter Konkurrent der USA ist China mit dem Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen. (APA/AFP)