Wärmepumpe, Pelletskessel oder Solarthermie?

Die richtige Heizung für mein Haus

Moderne Wärmepumpen heizen Altbauten auch im Winter zuverlässig auf.
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Wärmepumpe, Pelletskessel, Solarthermie: Viele Hausbesitzer stehen vor der Frage, welche Heizung die richtige Wahl für die Zukunft ist.

Von Guido Walch

Die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten ist kein abstraktes Risiko – sie ist gelebte Realität. Der Krieg im Nahen Osten setzt die globalen Energiemärkte erneut unter Druck, die Öl- und Gaspreise steigen, und Österreich ist als Land, das den Großteil seines Erdgas- und Ölbedarfs importiert, unmittelbar betroffen. Damit auch Hunderttausende Haushalte, die mit Öl oder Gas heizen. Die Abkehr von fossilen Brennstoffen liegt daher nahe – nicht nur wegen der Auswirkungen auf das Klima.

Der Erwerb einer neuen Heizung ist immer auch eine Investition in die Zukunft. Durch das mittlerweile breite Angebot stellt sich vor dem Kauf jedoch die Frage: Welche Heizung ist die beste für mich? Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Die Wahl der richtigen Heizungsanlage hängt stark von den persönlichen Zielen und Vorstellungen ab. Besonders entscheidend sind die Faktoren Investitionskosten, Umweltbilanz und die Zukunftsfähigkeit des Energieträgers. Der für viele Menschen wahrscheinlich wichtigste Faktor beim Kauf einer neuen Heizungsanlage sind die anfallenden Kosten. Aber Vorsicht: Ein kurzer Blick auf die Investitionskosten erzählt nicht die ganze Geschichte. Welche Heizung die beste für Sie ist, hängt ebenso von den laufenden Kosten pro Jahr ab. Denn bei einer Laufzeit von über 20 Jahren liegt gerade in diesem Bereich ein großes Einsparpotenzial. Die Spanne an Investitionskosten für eine neue Heizung reicht von 3.000  € für eine Solarthermieanlage oder Elektroheizung bis hin zu mehr als 35.000  € für eine Wärmepumpe.

Heizen im Altbau

Grundsätzlich muss auch zwischen Alt- und Neubau unterschieden werden. Während in gut isolierten Neubauten nahezu jedes Heizungssystem installiert werden kann, sieht das bei Bestandsbauten anders aus. Die baulichen Gegebenheiten von Altbauten sind oft nicht ideal für ein energieeffizientes, modernes Heizen. Fenster und Türen sind häufig undicht. Mit der Zugluft geht unvermeidlich viel Wärme verloren. Hinzu kommt, dass Fenster und Türen oft schlecht gedämmt sind. Das führt zu weiteren Wärmeverlusten. Mit der Fassade sieht es nicht besser aus. Sie ist selten in der Lage, die Heizenergie gut im Inneren zu halten, und strahlt ständig viel Wärme nach außen ab. Dies führt auch dazu, dass die Wände eines Altbaus im Vergleich zur Raumluft kühl bleiben. Dadurch besteht immer die Gefahr, dass hier der Taupunkt unterschritten wird, sich Feuchtigkeit abschlägt und Schimmel entsteht. Natürlich ist Altbau nicht gleich Altbau. Ein Reihenhaus verliert nur über zwei Außenwände Wärme und bietet daher einen sehr viel besseren Wärmeschutz als ein freistehendes Haus. All diese Grundbedingungen müssen Sie bei der Frage, welche Heizung sich für Ihren Altbau eignet, berücksichtigen. Mit einer guten Planung gelingt es aber, eine passende Heizungsanlage zu finden, die effizient arbeitet und dazu noch Heizkosten spart.

Wann das Erneuern der Heizung sinnvoll ist

Die nachfolgende Checkliste gibt Aufschluss über mögliche Anzeichen, dass eine Heizungssanierung vonnöten bzw. sinnvoll ist:

  • Heizkessel ist bereits seit 15 bis 20 Jahren in Betrieb
  • Ineffizientes Heizen und steigender, hoher Energieverbrauch durch veraltete Heiztechnik
  • Heizung ist defekt oder anfällig für Störungen
  • Häufige Reparaturen und hohe Reparaturkosten
  • Wärmeverlust durch schlechte Dämmung von Heizkessel und Rohren
  • Beheizte Wohnräume werden nicht richtig warm
  • Ersatzteile sind nur noch schwer verfügbar
  • Hohe Temperaturen im Heizungskeller von mehr als 20 Grad Celsius
  • Heizleistung nimmt insgesamt ab

Sollten mehrere dieser Symptome zutreffen, wäre es ratsam, sich zeitnah an einen Heizungsspezialisten zu wenden. Im ersten Schritt können Sie sich zu möglichen Alternativen und anfallenden Kosten im Falle eines Heizungsaustauschs beraten lassen. In der Regel empfiehlt sich eine jährliche Wartung der Heizung.

Schlüsselrolle für Wärmepumpe

In der Zukunft des Heizens in einer klimaneutralen Welt kommt der Wärmepumpe eine Schlüsselrolle zu. Hartnäckig hält sich dennoch das Gerücht, dass die Vorlauftemperatur von Wärmepumpen nicht für die Ansprüche von Altbauten genügt. Das stimmt in den meisten Fällen nicht. Moderne Wärmepumpen heizen Altbauten auch im Winter zuverlässig auf. Sollte das Haus nicht für eine Wärmepumpe geeignet sein, genügen häufig kleinere Sanierungsmaßnahmen, wie ein Fenster- oder Heizkörpertausch. Die gängigste und praktikabelste Wärmepumpe ist die Luft-/Wasserwärmepumpe. Ihre Aufstellung ist simpel, moderne Geräte sind dabei bestens für den Altbau geeignet. Hohe Effizienz, Klimafreundlichkeit und Zukunftssicherheit – auch unter gesetzlichen Gesichtspunkten – sind die Hauptvorteile. Am meisten Wärme aus dem eingesetzten Strom holt hingegen eine Erdwärmepumpe heraus. Ein oder zwei Erdsonden mit einer Tiefe von 100 bis 200 Meter sorgen für gleichmäßig warme Quelltemperaturen aus dem Untergrund. Dies erfordert aber eine deutlich höhere Grundinvestition. Wer noch nicht komplett auf erneuerbare Energien umsteigen will, kann eine Hybridlösung wählen – zum Beispiel aus Wärmepumpe und Brennwertkessel. Diese Kombination wird als kompakte Hybridheizung angeboten, wo alle Komponenten aufeinander abgestimmt sind.

Sonne, Holz, Pellets

Sonnenenergie für Wärme nutzen? Das geht: Wie Photovoltaikanlagen Sonnenlicht in Strom umwandeln, erzeugen Solarthermie-Anlagen damit Wärme. Diese kann man für die Warmwassererwärmung nutzen und auch zur Heizungsunterstützung, wenn diese groß genug ist. Biomasseheizungen sind zu bevorzugen, wenn es um hohe Heizungs-Vorlauftemperaturen und große Energieverbräuche geht. Pelletsheizungen sind vollautomatisiert und die logische Nachfolgetechnologie für Ölheizungen in Gebäuden mit Heizkörpern. Auch die Holzvergaser-Heizung und die Kachelofen-Ganzhausheizung mit Pufferspeicher setzen auf den Heizstoff Holz.

Ein zeitgemäßer Kachelofen kann heute problemlos als Ganzhausheizung fungieren, insbesondere in Niedrigenergie- oder Passivhäusern.
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Entscheidungshilfe

Eine Entscheidungshilfe in der Heizungsauswahl bildet die klimaaktiv Heizungsmatrix. Die Einordnung der Heizsysteme erfolgte anhand eines Kriterienkatalogs, wobei der Heizkomfort, die Investitionskosten und die CO2-Emissionen hoch gewichtet wurden. Von klimaaktiv empfohlene Heizsysteme haben beispielsweise einen sehr niedrigen CO2-Ausstoß, bei geringen Investitionskosten und einem hohen Heizkomfort. Vom Passivhaus bis zum unsanierten Bestandsgebäude zeigt die Heizungsmatrix die Stärken und Schwächen der verschiedenen Heizsysteme. Zu finden unter www.klimaaktiv.at/heizungs-matrix