Höchst attraktive innerstädtische Meile
Mit dem neu gestalteten Bozner Platz und dem RAIQA hat Innsbruck ein neues attraktives Eingangstor. Inszeniert als Ort der Ruhe bzw. Dynamik.
Von Edith Schlocker
Auch wenn die 31 im Herbst des vergangenen Jahres am Bozner Platz gepflanzten Gleditschien noch Zeit zum Wachsen und Grünen brauchen, ist dieser komplett neu gestaltete innerstädtische Ort schon jetzt von den InnsbruckerInnen genauso wie Innsbruck-BesucherInnen „adoptiert“. Um sich auf den großzügig dimensionierten Sitz- bzw. Liegegelegenheiten aus Holz zu sonnen, zu spielen oder zu quatschen, zu lesen, ganz einfach die Seele baumeln zu lassen. In einer absolut barrierefreien und konsumfreien Zone, wie sie so wichtig für das urbane Leben sind.
Ergänzt durch die Gastgärten rund um das 5000 Quadratmeter große Geviert, die teilweise schon jetzt eröffnet sind. Im Sommer gekühlt werden wird der Bozner Platz durch eine Art unterirdisch installierte „Klimaanlage“, die nach dem so genannten Schwammstadtprinzip auch die Bäume mit Wasser versorgen wird. Aber auch der im Zentrum des Platzes stehen gebliebene historische Rudolfsbrunnen trägt nachweisbar zur Kühlung dieses innerstädtischen Verweilorts bei.
Durchgangs- und Verweilort
Was besonders in den immer heißer werdenden Sommern wichtig für die rund 10.000 Menschen ist, die täglich den Bozner Platz queren. Der direkt mit dem architektonisch spektakulären RAIQA – über dessen Maßstäblichkeit lässt sich streiten – in der unmittelbaren Nachbarschaft verlinkt ist. In wenigen Wochen wird dieses komplett neu erfundene Scharnier zwischen Bahnhof und Innenstadt eröffnet. Inszeniert als in alle Richtungen durchlässiges pulsierendes Quartier, bei dessen Vermietung ganz bewusst auf einen raffinierten Mix aus Gastronomie, Bank, 161-Betten-Hotel, kleinen Geschäften, Dienstleistungen und sozialen bzw. kulturellen Angeboten gesetzt wird. Der zentrale Raiffeisenplatz soll aber auch zu einem für alle offenen Ort zum Verweilen werden. Ein Ort des Dialogs, des Austauschs, des Sich-Wohlfühlens.
Das Wiener Architekturbüro Pichler & Traupmann hat sich mit großem Enthusiasmus dem Projekt RAIQA angenähert. Seiner Philosophie treu bleibend, durch das Vereinen von Gegensätzlichem Neues entstehen zu lassen.
Bestand neu gedacht
Zentrale Idee war, das Bestandsgebäude abzutragen, seinen Kern in Form seiner weit gespannten Stahlbeton-Skelettstruktur aber zu erhalten und als frei bespielbare Raumstruktur in ein multifunktionales zentrales Atrium zu verwandeln. Das RAIQA ist auf mehrfache Weise ein Hybrid. In Sachen Funktionalität genauso wie beim Einsatz der Baustoffe. Um die vorhandene Struktur möglichst wenig zu belasten, kommt viel Holz zum Einsatz. Die Zimmer des Hotels sind etwa vorfabrizierte Holzboxen aus Brettschichtholz und auch die Stützen und Decken der Skybar mit ihrem atemberaubenden 360-Grad-Rundumblick sind aus Holz. Die Hülle des teilweise spektakulär auskragenden Gebäudekomplexes ist dagegen weiß, seine Plaza urban gepflastert.