Wohnen für die Seele

Schluss mit Vorurteilen in Sachen Holzbau

Ein modernes Holzhaus ist bei fachgerechter Planung und Ausführung für eine Lebensdauer von 100 Jahren und mehr ausgelegt.
© Saurer

Florian Saurer, Geschäftsführer von Holzbau Saurer, und Herbert Niederfriniger, Geschäftsführer der holzius GmbH, räumen mit alten Mythen in Sachen Holzbau auf.

Der Baustoff Holz erlebt eine Renaissance. Vorbei sind die Zeiten, in denen man bei Holzhäusern nur an rustikale Blockhütten dachte. Heute wachsen achtgeschoßige Hightech-Gebäude in den Himmel, und der Holzbau gilt als Speerspitze für nachhaltiges, schnelles und gesundes Wohnen.

Viele Mythen

Trotz des Aufschwungs halten sich hartnäckige Vorurteile. Die häufigsten Bedenken betreffen Brandschutz, Kosten und Dauerhaftigkeit. Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass all diese Eigenschaften wesentlich von der fachlichen Planung und Ausführung des geplanten Bauvorhabens abhängig sind.

Die Angst, ein Holzhaus könnte schneller abbrennen, ist unbegründet. Im Brandfall bildet sich an der Holzoberfläche eine Kohleschicht. Diese „Verkohlung“ wirkt wie ein Schutzschild, isoliert den Kern des Bauteils und erhält dessen statische Tragfähigkeit oft länger aufrecht als bei Stahl- oder Stahlbetonkonstruktionen. Zudem brennt Holz kontrollierter und berechenbarer ab als andere Rohstoffe. Für die Brandausbreitung, so Herbert Niederfriniger, Geschäftsführer der holzius GmbH, sei ohnehin meist die Inneneinrichtung entscheidend, nicht der Baustoff der Wände. „Mit Expertise, Erfahrung und der richtigen Herangehensweise werden bei uns also Bauten entwickelt, die nicht nur modern und ästhetisch sind, sondern auch allen Widersprüchen standhalten“, betont auch Florian Saurer, Geschäftsführer von Holzbau Saurer.

Heute wachsen auch mehrgeschoßige Hightech-Gebäude in Holzbauweise in den Himmel, wie die neue Zentrale der TIROLER von Holzbau Saurer.
© ASchindl

Auch bezüglich der Kosten gibt es viele Mythen. Während die reinen Materialkosten für Holz zwar höher liegen können als für einen Massivbau, verschiebt sich die Rechnung, wenn man das Gesamtprojekt betrachtet. Die hohe Vorfertigung im Werk verkürzt die Bauzeit auf der Baustelle drastisch. Ein Einfamilienhaus kann in zwei bis drei Wochen regendicht montiert werden. Das spart nicht nur Kosten für die Baustellenlogistik, sondern reduziert auch Finanzierungs- und mögliche Mietausfallkosten. Langfristig punkten Holzhäuser durch hervorragende Dämmeigenschaften, was die Betriebs- und Energiekosten senkt. Zudem ist ein modernes Holzhaus bei fachgerechter Planung und Ausführung für eine Lebensdauer von 100 Jahren und mehr ausgelegt. Entscheidend ist der konstruktive Holzschutz. Eine hinterlüftete Fassade, passende Dachüberstände und der Schutz vor Spritzwasser sind hierbei Schlüsselelemente. Die oft als Mangel empfundene natürliche Vergrauung einer Holzfassade ist laut beiden Experten ein rein optischer Prozess, der die technische Funktion nicht beeinträchtigt. Auch beim Thema Schallschutz gilt: Planung ist alles. Ein gut geplantes Holzhaus muss keine Kompromisse bei der Hellhörigkeit eingehen“, so Saurer.

Unschlagbare Vorteile

Der Sprung von der Blockhütte zum mehrgeschoßigen Wohnbau war nur durch massive technologische Fortschritte möglich. Die Digitalisierung spielt hier die Hauptrolle. Moderne Software erlaubt die präzise Simulation von Lasten, Wind oder Brandverhalten. Die digitale Planung mündet in eine hochautomatisierte CNC-Fertigung. Florian Saurer ist besonders von diesen Möglichkeiten begeistert und nennt als Herzstück seiner Produktion einen 5-Achs-Roboter, der Bauteile millimetergenau zuschneidet. Diese Präzision minimiert Fehler, optimiert den Materialeinsatz und ermöglicht den schnellen Baufortschritt.

Holz ist der einzige Baustoff, der CO2 nicht verursacht, sondern aktiv bindet. Während seines Wachstums entzieht ein Baum der Atmosphäre CO2₂ und speichert den Kohlenstoff. Wird dieses Holz verbaut, bleibt der Kohlenstoff im Gebäude gebunden. „Ein durchschnittliches Einfamilienhaus in holzius-Bauweise bindet somit ca. 50 t Kohlenstoff, ein vergleichbares Haus aus Beton verursacht hingegen beim Bau etwa 200 t CO2“, erklärt Niederfriniger. Holzbau Saurer beziffert die Einsparung pro Einfamilienhaus auf rund 40 Tonnen CO2. Bauen mit Holz ist somit gelebter Klimaschutz.

Das Einfamilienhaus wurde von holzius naturnah in leimfreier Vollholzbauweise und reinstofflich (also ohne weitere künstliche Baustoffe) errichtet.
© Bernhard Schmid

Mehr als nur ein Gefühl

Das einzigartige Wohnklima in Holzhäusern ist kein subjektives Empfinden, sondern messbar. Holz reguliert natürlich die Luftfeuchtigkeit, indem es diese bei Bedarf aufnimmt oder abgibt. Das stabilisiert das Raumklima, reduziert das Schimmelrisiko und entlastet die Atemwege. Zudem fühlen sich Holzoberflächen wärmer an und können Schadstoffe aus der Luft binden. „Studien zeigen zudem, dass Holz die Herzfrequenz und das Stresslevel senken kann“, erläutert Niederfriniger. „Holz ist nicht nur ein Baustoff, sondern ein Lebensgefühl. Es strahlt Wärme, Geborgenheit und Natürlichkeit aus – genau das, was ein Zuhause bieten sollte“, zeigt sich auch Saurer begeistert.

Der entscheidende Rat

Welchen Rat geben die Profis also einer Familie, die vor der Entscheidung für oder gegen Holz steht? Beide sind sich einig: Die frühe und richtige Planung ist der Schlüssel. Ein Holzhaus sollte von Anfang an als solches gedacht werden, um seine Stärken bei Spannweiten, Gebäudeform und Installationskonzepten voll auszuspielen. Bauherren sollten demnach auf nachweisliche Holzbau-Kompetenz, hohes technisches Know-how und einen offenen, partnerschaftlichen Dialog achten. Denn ein Zuhause aus Holz ist mehr als nur ein Gebäude – es ist eine Entscheidung für Nachhaltigkeit, Gesundheit und eine ganz besondere Lebensqualität, so die Experten abschließend.