Hunderte Raketen und Drohnen: Russland überzieht Ukraine am Karfreitag mit Luftangriffen
Russland hat die Ukraine am Freitag am helllichten Tage mit massiven Luftangriffen überzogen und dabei mindestens sechs Menschen getötet. "Hunderte Shahed-Kampfdrohnen und Dutzende Raketen gegen unsere Städte und Gemeinden", schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj in sozialen Netzwerken nach einem Telefonat mit Papst Leo XIV. Selenskyj erklärte, so sehe die russische Antwort auf sein Angebot zu einer Waffenruhe über Ostern aus.
Allerdings feiern die Kirchen in der Ukraine wie in Russland Ostern nach orthodoxem Kalender erst kommende Woche am 12. April. Die Ukraine wirft Russland vor, nicht ernsthaft an Frieden interessiert zu sein. Die von den USA vermittelten Gespräche zwischen den beiden Kriegsparteien sind ins Stocken geraten, da die USA mit dem Iran-Krieg beschäftigt sind.
Kiew und Umgebung massiv angegriffen
Die Hauptstadt Kiew und ihre Umgebung seien "erneut einem massiven Raketen- und Drohnenangriff des Feindes ausgesetzt", teilte auch der Gouverneur der Region, Mykola Kalaschnyk, am Freitag mit. Bei den Angriffen habe es ein Todesopfer gegeben, mindestens acht weitere seien verletzt worden. Bei einem Angriff auf eine Tierarztklinik seien zudem rund 20 Tiere getötet worden, fügte Kalaschnyk hinzu.
Bei Angriffen auf die nordukrainische Region Sumy wurden örtlichen Behörden zufolge zudem drei Menschen getötet. Jeweils ein weiterer Mensch sei in der nordwestlichen Region Schytomyr und im nordöstlichen Charkiw getötet worden.
Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge setzte das russische Militär über Nacht und tagsüber mehr als 500 Drohnen und 37 Raketen unterschiedlichen Typs ein. Demnach wurde der Großteil der Flugkörper rechtzeitig abgefangen. Dennoch habe es an 20 Orten Einschläge gegeben. Als Vorsichtsmaßnahme ließ die polnische Armee zudem einer Mitteilung zufolge eigene Abfangjäger aufsteigen. Verletzungen des polnischen Luftraums habe es jedoch nicht gegeben.
Charkiw unter Dauerbeschuss
Die ostukrainische Großstadt Charkiw nahe der Grenze zu Russland wird nach Behördenangaben seit mehr als einem Tag von ständigen russischen Luftangriffen überzogen. In der Nacht auf Freitag habe es vier Raketenangriffe gegeben, schrieb der Militärgouverneur des Gebietes Charkiw, Oleh Synjehubow, auf Telegram. Auch Drohnen wurden eingesetzt. Die Polizei berichtete morgens von fünf Verletzten und Schäden an Wohnhäusern und Bürogebäuden.
Karfreitag ist nach Zählung des ukrainischen Generalstabs der 1500. Tag der groß angelegten russischen Invasion. Kremlchef Wladimir Putin hatte seine Truppen am 24. Februar 2022 in das Nachbarland einmarschieren lassen. (APA/dpa/Reuters)
Verhandlungen abgesagt