Pressestimmen zur Waffenruhe: „Welt des Öls wird nie wieder dieselbe sein“
So kommentiert die internationale Presse die Waffenruhe-Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran.
„New York Times“ (USA): Gründe für den Iran-Krieg nicht beseitigt
„Zweifellos war es ein taktischer Sieg in letzter Minute, der zumindest vorübergehend den Öl-, Düngemittel- und Heliumtransport durch die Straße von Hormus wieder in Gang bringen und die Märkte beruhigen dürfte (...). Doch keine der grundlegenden Fragen, die zum Krieg geführt hatten, wurde dadurch gelöst. Nun steht Trump vor der Herausforderung, nicht nur eine dauerhafte Lösung zu erzielen, sondern auch den USA und der Welt zu beweisen, dass dieser Konflikt es überhaupt wert war, ausgetragen zu werden.“
„The Times“ (Großbritannien): Trumps Drohung hat weitreichende Folgen
„Der Rückzug von der Drohung mit der völligen Vernichtung eines Landes wird von vielen begrüßt werden – und zwar nicht nur von den Menschen im Iran. Doch diese Drohung überhaupt auszusprechen, war unverantwortlich und könnte weitreichende Folgen für das Ansehen Amerikas in der Welt haben.“ (...) „Trump hat sich seit Tagen darauf vorbereitet, den Konflikt zu beenden und die neue Führung im Iran anzuerkennen, was er als Regimewechsel bezeichnet, obwohl alles darauf hindeutet, dass es sich um eine radikalisierte, militantere Version des Regimes handelt, das vor dem Krieg bestand.“
„NZZ“ (Schweiz): Verhandlungen mit Iran dürften für Trump schwierig werden
„Teheran scheint sich das Recht vorbehalten zu wollen, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus als Hüter der Meerenge jederzeit nach eigenen Vorstellungen regeln zu können. Unter diesen Vorzeichen wäre der Waffenstillstand zumindest ein strategischer Etappensieg für Iran. (…) Mit seinem Rückzieher gesteht Trump im Grunde ein, dass eine Öffnung der Meerenge mit militärischen Mitteln kaum zu erreichen ist. Es dürfte schwierig werden, für Trump am Verhandlungstisch zu erreichen, was er nun im Krieg nicht erreichen konnte.“
„La Repubblica“ (Italien): Viel Lärm, wenig Gewinn
„Während wir abwarten, ob die nächsten zwei Wochen diese Lösung hervorbringen, steht fest, dass der US-Präsident derzeit einen Waffenstillstand akzeptiert hat, der ihm im Gegenzug wenig oder nichts von dem bietet, was er in der Nacht zu Beginn der Bombardierungen eigentlich gefordert hatte.“
„Sydney Morning Herald“ (Australien): Welt des Öls wird nie wieder dieselbe sein
„In jedem Fall wird die Welt des Öls nie wieder dieselbe sein, denn der Iran hat getan, womit er lange gedroht, aber was er nie zuvor umgesetzt hatte: Er hat seine Fähigkeit demonstriert, einen erheblichen Teil der weltweiten Ölversorgung lahmzulegen.“ (...) „Trump könnte dank eines von ihm begonnenen Krieges, für den er bislang keine schlüssige Begründung geliefert hat, strukturell nicht nur die globalen Ölpreise, sondern auch die Energiepreise in den USA erhöht haben – mit steigenden Inflationsraten und sinkenden Wachstumsraten sowohl weltweit als auch in den USA als Folge.“
„The Age“ (Australien): Trumps größter TACO-Moment
„Für diejenigen, die glauben, dass "Trump am Ende immer kneift", ist dies der bislang größte TACO-Moment (Trump Always Chickens Out, deutsch: Trump macht immer einen Rückzieher) des US-Präsidenten. Seine rhetorischen Drohungen gegenüber dem Iran erreichten ein geradezu groteskes Ausmaß – selbst für seine Verhältnisse.“
„La Vanguardia“: Warten auf die Apokalypse
„Warten auf die Apokalypse... Niemand weiß mit Sicherheit, was im Kopf von Trump vorgeht und welche endgültige Entscheidung er in zwei Wochen treffen wird. Ob er das Ende des Krieges verkündet - oder ob er die Apokalypse entfesselt. Wir werden sehen. Was man sich jedoch nie hätten vorstellen können, ist, dass wir auf die Uhr schauen und gespannt darauf warten würden, ob eine ganze Zivilisation ausgelöscht wird oder nicht. Die Welt entwickelt sich ganz offensichtlich nicht in die richtige Richtung.“
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