Neue Visionen für eine göttliche Welt
Mit Pietro Antonio Cestis „Il pomo d‘oro” erklingt im Sommer eine Oper, in der sich ein göttliches Spiel um Macht und Eitelkeit mit dem grauen Leben der Menschen vermischt.
Geschaffen für den Wiener Hof im Jahr 1668, schien „Il pomo d’oro“, die größte aller Barockopern, über Jahrhunderte hinweg unaufführbar. Zu groß war der Aufwand mit Balletten, Chor, 47 Rollen, zu groß der Mythos, der sich um die Oper rankte. Zum Jubiläum der Innsbrucker Festwochen hat Ottavio Dantone fehlende Teile der Musik rekonstruiert und ermöglicht so die erste Wiederaufführung in der Moderne.
An je zwei Abenden entfaltet sich bei diesem Spektakel aus Pracht und Prunk jener Mythos, der das Schicksal der antiken Welt besiegelte: Ein goldener Apfel mit der Aufschrift „Der Schönsten“ löst den göttlichen Wettstreit zwischen Juno, Venus und Pallas Athene aus – und führt über Intrigen, Verführungen und Machtspiele geradewegs in den Trojanischen Krieg.
Geist des Staunens
Barocke Überfülle trifft in der Oper auf menschliche Schwächen: Die Olympier zeigen sich eitel, eifersüchtig und hinreißend komisch, die Menschen finden sich in einer grauen Welt wieder. Nur durch die Einmischungen der Götter wird sie farbig und prunkvoll. Sichtbar wird dies bereits durch die Kostüme Giuseppe Palellas. Durch seine Kreationen, Fabio Ceresas Inszenierung und die Bühnenbilder des Grazers Nikolaus Webern wird „Il pomo d’oro“ zum Fest fürs Auge.
„Einerseits wollen wir der Mechanik und dem Einfallsreichtum der barocken Bühnentechnik Tribut zollen, andererseits wollen wir mit der Klarheit, der Prägnanz und der symbolischen Kraft des modernen Regietheaters sprechen. Das Ergebnis soll das Original nicht imitieren, sondern neu erfinden, um denselben Geist des Staunens zu evozieren“, so der Regisseur des Mammutprojekts, Fabio Ceresa.
Musikalisch vereinen sich Dutzende Musiker*innen und Sänger*innen unter der Leitung Ottavio Dantones: Aus dem Graben erklingt das Orchester in Residence, die Accademia Bizantina, auf der Bühne singen 20 Solist*innen und der Tiroler Chor NovoCanto.
So divers wie die hunderten Menschen, die das Projekt auf die Bühne bringen werden, ist laut Dantone das gesamte Werk: „Die Oper vereint eine Vielfalt an Figuren, Instrumenten, Farben, Charakteren und Emotionen.“
Termine
Fr., 7., & Sa., 8. August, 18.30 Uhr
Di., 11., & Mi., 12. August, 18.30 Uhr
Sa., 15., & So., 16. August, 16 Uhr
Klänge einer anderen Zeit
Die Ambraser Schlosskonzerte eröffnen den Jubiläumssommer der Innsbrucker Festwochen – vier Abende, viele Geschichten.
Es ist jedes Jahr ein eindrücklicher Augenblick bei den Innsbrucker Festwochen: Das Licht wird gedimmt, die Türen zum Spanischen Saal schließen sich, und der erste Ton erklingt. Schon vor Jahrhunderten wurde er auf ähnliche Weise gespielt. Diesen Sommer jedoch bekommt er einen besonderen Klang: Die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik feiern ihre 50. Ausgabe. Und die Ambraser Schlosskonzerte – die älteste Reihe für Alte Musik weltweit – bilden, wie immer, den feierlichen Auftakt in Juli und August.
Eröffnen wird das Ensemble La Cetra mit der gleichnamigen Sammlung des venezianischen Komponisten Giovanni Legrenzi. Vier Violinen und obligater Bass: Festlich, farbenreich, voller Leben.
Verführerisch, fast traumwandlerisch geht es in den zweiten Abend, wenn Dorothea Seel an der eleganten Traversflöte – Vorläuferin der heutigen Querflöte – und Dorothee Oberlinger an verschiedenen Blockflöten den Spanischen Saal mit einem Klang füllen, der zart und zugleich kraftvoll ist.
Rück- und Vorausschau
Sigiswald Kuijken kehrt zurück – ein Mann, der von den allerersten Jahren der Festwochen erzählen kann. Mit Le Petite Bande stellt er das Violoncello da spalla in den Mittelpunkt eines Abends mit Werken von Johann Sebastian Bach.
Den Abschluss macht mit „Dafne“ die wahrscheinlich älteste Oper der Musikgeschichte. Das Ensemble Il Gusto Barocco erweckt Fragmente zum Leben – gemeinsam mit drei Solist*innen, die direkt aus der Talentschmiede der Festwochen, dem Cesti-Wettbewerb, kommen. Ein schönes Bild für das, was die Festwochen seit einem halben Jahrhundert tun: Verborgenes ans Licht holen. Und Talenten eine Bühne geben.
Weitere Infos: altemusik.at