Im Schatten des Iran-Kriegs

Warum die Chancen der Ukrainer wieder gestiegen sind

Ungewohnte Mimik: Der ukrainische Präsident Selenskyj zeigte am Samstag in Istanbul ein Lächeln.
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Die Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland könnten wieder starten. Ein Grund dafür: Erfolge der Ukraine an der Frontlinie.

Wenige Stunden nach der Bekanntgabe einer Waffenruhe im Iran-Krieg hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sein Angebot einer Waffenruhe erneuert. „Wir sind bereit, spiegelbildlich zu antworten, wenn die Russen ihre Angriffe einstellen“, schrieb er im Internet. Eine Waffenruhe könne die Voraussetzungen für ein Abkommen schaffen, das den Krieg beendet, erklärte Selenskyj weiter – in Anlehnung an die zweiwöchige Frist für Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.

Auch der Kreml begrüßte die Waffenruhe im Persischen Golf und hofft nach eigenen Angaben jetzt darauf, dass auch die Ukraine-Verhandlungen wieder aufgenommen werden. Zum Vorschlag einer Waffenruhe, den US-Präsident Donald Trump ursprünglich im vergangenen Jahr gemacht hatte, äußerte sich Kreml-Sprecher Dmitri Peskow jedoch nicht.

US-Kritik an den Europäern

Im Schatten des Iran-Kriegs waren die von den USA vermittelten Ukraine-Verhandlungen zuletzt ausgesetzt worden. Nach den Worten von US-Vizepräsident JD Vance waren dafür aber nicht die USA verantwortlich. Er warf den Europäern vor, nicht daran interessiert zu sein, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Die Europäer wiederum sahen den Grund für die stockenden Gespräche vor allem darin, dass Kremlchef Wladimir Putin auf Zeit spielt und meint, den Abnützungskrieg dank größerer Ressourcen gewinnen zu können. Täglich hagelt es Bomben und Raketen auf die Ukraine – nach Angaben des Instituts für Kriegsstudien auch auf zivile Ziele im Hinterland. Allerdings könnte die jüngste Entwicklung in dem Krieg das Kalkül Putins verändern.

Früherer CIA-Chef beeindruckt

An der Frontlinie sollen die Ukrainer nämlich erstaunlich erfolgreich sein. Das berichtete der frühere US-General und CIA-Chef David Petraeus, der die Ukraine besucht hat, im US-Sender CBS. Petraeus zufolge haben die Ukrainer in den vergangenen zwei Monaten größere Fortschritte gemacht als die Russen. Er erklärt dies mit Innovationen in der Drohnenkriegsführung, die es der Ukraine erlauben, die militärische Überlegenheit Russlands auszugleichen. Dazu kommen anhaltende Angriffe auf russische Öl-Einrichtungen; Russland musste angeblich bereits die Produktion drosseln.

Ukrainische Drohnen sind nicht allein in der Luft erfolgreich, sondern auch am Boden. Nach eigenen Angaben hat die Ukraine allein im März mehr als 9000 Missionen mit unbemannten Fahrzeugen durchgeführt. (TT, APA, dpa)