Lieber in den Magen als in die Biotonne
Ein großer Teil der zugelassenen Medikamente basiert auf Inhaltsstoffen medizinischer Pflanzen. Dieser grüne Schatz ist noch unzureichend erkundet, doch bereits in Gefahr.
Wen Kopfschmerzen plagen, der kann zu Aspirin greifen. Oder in den Garten gehen. Nicht nur, weil frische Luft Abhilfe bietet. „Sprießt dort Echtes Mädesüß, lindert das die Schmerzen anhand desselben Inhaltsstoffs wie in dem bekannten Acetylsalicylsäure-Präparat“, schildert Philip Kunisch.
Salbei
Wer Salbei anbauen will, sollte aus den 800 Arten den ausdauernden Heilsalbei wählen. Er wirkt antientzündlich, antibakteriell und vermindert bei stetiger Anwendung übermäßige Schweißproduktion.
Das enthaltene Thujon stimuliert weibliche Unterleibsorgane und den Hormonhaushalt. Darum kann übermäßiger Genuss eine menstruationsfördernde Wirkung entfalten.
Aspirin wurde laut dem Autor des Buches „Essbare Heilkräuter und Wildpflanzen“ (Mankau Verlag GmbH) im Jahr 1899 nicht ohne Grund nach der weißen Pflanze benannt: „Das Rosengewächs war jahrhundertelang eine bekannte Heilpflanze, galt als harn- und schweißtreibend, als hustenstillend und als Rheumamittel.“ Damit nicht genug: Es sorge auch für weit weniger Nebenwirkungen als Aspirin.
Kapuzinerkresse
Die Große Kapuzinerkresse, die ihren Namen wegen der Ähnlichkeit zu Kapuzen der gleichnamigen Mönche erhielt, gilt in Form einer Tinktur als Hilfe bei Bronchitis.
Ihre zerriebenen Blätter wirken durchblutungssteigernd und darum wohltuend, wenn man sie auf schmerzende Muskeln legt. Beim Trocknen verliert sie aber ihren Effekt – darum wirkt sie als Tee nicht.
Forschung hat Aufholbedarf
Umso trauriger, dass die Wirkung der Kräuter und Blumen, die uns umgeben, in Vergessenheit geraten ist: „Zu vielen hilfreichen oder giftigen Stoffen gibt es umfangreiche Studien.“ Diese Forschung hinke den Produkten der Pharmaindustrie allerdings hinterher. Dabei drängt die Zeit, da der Klimawandel so manches Gewächs in Bedrängnis bringt.
Löwenzahn
Die meisten Gärtner dürften diese Pflanze erbost ausrupfen und versuchen sie aus dem Garten fernzuhalten. Dabei strotzt Löwenzahn vor Gerb- und Bitterstoffen.
Folglich gilt er als Tee, Salat oder gar Likör als harntreibend, verdauungsanregend und übt positive Wirkung auf die Lebertätigkeit aus. Bei Blähungen und Völlegefühl wirkt er entkrampfend.
Sogar Schwermetalle könne man mit dem grünen Gartenschatz ausleiten: „Während Mädesüß oder Brennesseln bei akuten Problemen nützlich sind, kann man Ackerschachtelhalm über Jahre hinweg konsumieren.
„Er entgiftet, strafft das Bindegewebe und hält die Muskeln fit“, erklärt der Lebensmitteltechnologe. Um die wertvolle enthaltene Kieselerde daraus zu gewinnen, muss man den Tee allerdings mindestens zehn Minuten köcheln lassen. Wohl bekomm’s!
Brennnessel
Während die kleine Brennnessel stärker brennt, kommt die mehrjährige, große deutlich häufiger vor. Deren Brennhaare enthalten Ameisensäure, die in der Homöopathie als Mittel gilt, das die Selbstheilungskräfte aktiviert.
Die Pflanze wirkt blutbildend, schleimlösend und erwärmend und wird bei Durchblutungsstörungen, Rheuma oder Gicht angewandt.