Und der Zeck bleibt weg
Ab etwa zehn Grad sind die Zecken aktiv. Es gibt aber zahlreiche Methoden, sich vor Stichen – und damit übertragenen Erregern – zu schützen.
Eines vorweg: In ganz Österreich ist die FSME-Impfung empfohlen. Sie verhindert zwar nicht den Zeckenstich (umgangssprachlich „Biss“), ist aber der wirksamste Schutz gegen die Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis. FSME-Viren können über den Speichel einer befallenen Zecke übertragen werden und eine Entzündung von Gehirn, Hirnhäuten und Rückenmark auslösen.
Noch besser ist es natürlich, wenn man erst gar keine Zecke aufgabelt. Daher gilt es, hohes Gras, Farn und Unterholz möglichst zu meiden. Lange Hosen sowie Ärmel und geschlossene Kleidung (Hosenbeine in die Socken stecken) verhindern, dass Zecken unter die Kleidung gelangen. Repellents, also abwehrende Lotionen bzw. Zecken-/Insektensprays für Haut oder Textilien halten diverses Getier (auch Mücken und Sandfliegen) fern. Ihr Wirkstoff verändert das Duftmuster der Haut, sodass die Plagegeister ihren Wirt nicht mehr erkennen.
Den Körper gut absuchen
Helle Kleidung erleichtert das Auffinden von Zecken. Nach dem Aufenthalt im Grünen sollte man aber auch den Körper gründlich absuchen. Besonders Achseln, Haaransatz, Leisten und Kniekehlen – die Tiere mögen warme, weiche, feuchte Hautstellen bzw. solche, wo sie sich im Schutz von Falten bzw. Haaren ungestört vollsaugen können. Je früher eine Zecke entdeckt und entfernt wird, desto geringer ist das Risiko, dass sie Krankheitserreger wie Borrelien überträgt.
Oft schleppen Haustiere Parasiten an. „Zecken können vom Tier auf den Menschen übergehen, sie können vom Fell abgestreift werden und sich schlicht in der Wohnung verteilen“, erklärt Silvia Stefan-Gromen, die Sprecherin der Österreichischen Tierärztekammer. Hund und Katz zu schützen, hilft dem Halter.
Wenn’s doch passiert ist
Zecken sollten möglichst früh und hautnah mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte entfernt werden, ohne sie zu quetschen. Man kann sie ins Labor von Infektiologe Gernot Walder in Außervillgraten einsenden, um die Zecke auf bei uns häufige Krankheitserreger wie FSME, Borrelien, Anaplasmen und Rickettsien untersuchen zu lassen, sodass bei Bedarf früh eine Therapie beginnen kann. Das Labor bietet dafür ein Zeckenkit (Zange, Transportbehälter, Formular, Antwortkuvert) an, das man auch vorsorglich bestellen kann. Friert man die Zecke in einem sterilen Plastikgefäß ein (-20 Grad), kann man auch zwei bis drei Wochen zuwarten, ob an der Stichstelle Symptome wie eine Rötung auftreten.
Walder empfiehlt die Untersuchung der Zecke(n) besonders Personen mit chronischen Gelenkproblemen wie Rheuma und leichter Immunsuppression sowie bei Kleinkindern. Wer viel in der Natur ist und öfter Zecken hat, sollte am Anfang der Saison Blutserum in einem Fachlabor testen lassen und wieder am Ende der Saison bzw. dann, wenn Symptome auftreten. Ein Borrelien-DNA-Nachweis (PCR) kann in frühen Stadien, bevor Antikörper gebildet werden, auch aus einer Hautstanze erfolgen.
Auch wer auffällige Zecken z. B. am Haustier findet, kann sie zur Bestimmung einschicken. Das hilft, durch Reisen oder Vögel eingeschleppte Arten zu finden. „2025 haben wir in Osttirol eine afrikanische Riesenzecke gefunden“ – potenziell ein Überträger für Hämorrhagisches Fieber. Teils kennt man laut Walder regionale „Naturherde“: Zecken, die Anaplasmose übertragen, sind z. B. um Kundl, bei der Arzler Alm, um Lavant und Thal häufiger. Mit Borrelien seien in Tirol ca. 20 Prozent der Zecken infiziert.
Halsband oder Tropfen
„Ein Zeckenhalsband gibt kontinuierlich Wirkstoff über Wochen/Monate ab. Der Wirkstoff verteilt sich über die Haut bzw. das Fell und nicht nur lokal am Hals, er wirkt je nach Produkt abwehrend und/oder abtötend.“ Ein Vorteil ist die lange Wirkdauer (teils sechs bis acht Monate). Nachteile sind das Risiko des Hängenbleibens – auch wenn Bänder mit Sicherheitsverschluss bei starkem Zug reißen – sowie mögliche Hautreizungen beim Tier. Zudem kommen Halter und insbesondere Kinder beim Streicheln mit dem Wirkstoff in Kontakt.
Alternativ gibt es Tropfen (Spot-ons), die man auf die Haut aufträgt – meist im Nacken, wo das Tier sie nicht ablecken kann. Der Wirkstoff verteilt sich über den Fettfilm der Haut und wirkt je nach Präparat abtötend und/oder abschreckend. Die Vorteile: kein Halsband, das manche Tiere nicht tolerieren, und kein Hängenbleiben. Die Tropfen muss man meist alle vier Wochen neu anwenden, auch Baden schränkt die Wirkung ein. Stefan-Gromen empfiehlt, die Tiere kurz nach dem Auftragen nicht zu streicheln.
Fallen für den Garten
Es gibt auch Zeckenrollen und -fallen, die bis zu 400 m² Garten sauber halten sollen. Die Zecken-Köderfalle soll man am Grundstücksrand platzieren. Ein Lockstoff zieht die Tiere an, die dann auf Klebeflächen picken bleiben. Zeckenrollen enthalten Baumwolle mit einem insektiziden Wirkstoff. Mäuse (ein Hauptüberträger für Zecken im Frühstadium) bauen mit der Watte ihre Nester. So werden Zecken im Nest und auf der Maus abgetötet und die Population reduziert. Peter Fiedler, der Berufsgruppenobmann der Schädlingsbekämpfer, würde bei beiden Methoden „mit nicht allzu hohen Erfolgen rechnen“, schon gar nicht großflächig. Nicht nur Mäuse, auch andere Tiere wie Igel, Vögel, Füchse etc. könnten Zecken herumtragen. Den direkten Zeckenschutz für Mensch und Tier ersetzen diese Präparate jedenfalls nicht.