Günstiges Getreide, teurer Sprit: EU-Kommissar will mehr Biokraftstoff
Öl ist teuer, während die Getreidepreise tief sind: EU-Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen will daher beim Biotreibstoff vom Feld die bestehenden Limits für Bauern lockern. Nach dem Sprit droht ein Preisschub bei Lebensmitteln.
Die brüchige Waffenruhe im Iran-Krieg hat auch am Donnerstag die Börsen in Atem gehalten. Die europäischen Aktienmärkte haben am Donnerstag wieder den Rückwärtsgang eingelegt.
Im Fokus stehen weiterhin die Ölpreise. Sie sind am Donnerstag nach dem starken Rückgang am Vortag wieder gestiegen. Die für den Transport von Öl und Gas wichtige Straße von Hormuz bleibt für die meisten Schiffe so gut wie unpassierbar. Ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni kostete zwischenzeitlich 97,24 US-Dollar und damit 2,6 Prozent mehr als am Vortag. Die Ölpreise bleiben der wichtigste Gradmesser für die Inflations- und Konjunktursorgen am Markt.
Sprit in Tirol etwas günstiger
In Tirol wurde Sprit, nachdem sich trotz des internationalen Preisrutsches am Mittewoch zunächst fast nichts getan hatte, gestern fast flächendeckend um einige Cent günstiger. Diesel kostete vielfach zwischen 2,05 und 2,20 Euro je Liter, Eurosuper 1,70 bis 1,75 Euro. Heizöl verbilligte sich im Schnitt um etwa 2 Cenr auf 1,84 Euro.
Der Iran-Krieg beeinflusst einer Analyse zufolge zunehmend spürbar das Konsumverhalten in Europa. Über steigende Kosten für Energie, Düngemittel und Logistik wirkt sich der Konflikt direkt auf heimische Haushalte aus, wie aus der Auswertung des Marktforschungsinstituts YouGov hervorgeht. Dies zwinge Konsument:innen zu strategischerem Einkaufen. Es wird erwartet, dass in Folge der Hormus-Sperre auch Düngemittel knapp werden, was sich auf die Lebensmittelproduktion und -preise auswirken wird.
Mehr Sprit vom Feld beimischen
EU-Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen spricht sich angesichts niedriger Getreide- und hoher Spritpreise für mehr Biokraftstoff aus. „Wir haben aktuell sehr, sehr niedrige Preise für Getreide“, sagte er der dpa in Brüssel. Nach der global sehr starken Ernte im Herbst hätten manche Landwirte nur noch 160 oder 170 Euro pro Tonne Getreide als Verkaufspreis erzielt. „Da legt jeder Landwirt Geld drauf, wenn er produziert, das muss man ganz klar sagen.“
Bei diesen Preisen sollten die Vorgaben für die Produktion von Biokraftstoffen gelockert werden, forderte Hansen. In der EU ist gedeckelt, welchen Anteil die „Biokraftstoffe aus Nahrungs- und Futtermittelpflanzen“ am Energieverbrauch des Verkehrssektors der EU-Mitgliedstaaten haben dürfen. Hintergrund ist u.a. die Kontroverse, ob Getreide für die Energiegewinnung angebaut werden sollte oder als Nahrungsmittel („Tank oder Teller“).
Mehr Biosprit beimischen
Zudem sollte aus Hansens Sicht mehr Biokraftstoff beigemischt werden dürfen. Der Super-Benzin E10, dem bis zu 10% Biosprit beigemischt sind, wird seit 2009 schrittweise in ganz Europa eingeführt und ist derzeit in 19 EU-Ländern und Großbritannien erhältlich.
Das Ziel von Hansens Maßnahmen: den Getreidepreis auf einem Niveau halten, das Landwirten das Überleben sichert – und eine Kontrolle der Spritpreise beziehungsweise Absicherung der Energie.
Am Persischen Golf sitzen seit Ausbruch des Kriegs Ende Februar mehr als 2000 Handelsschiffe fest. Von der Blockade sind auch rund 20.000 Seeleuten betroffen. Für sie ist die Waffenruhe ein wichtiges Signal, betonte der Reederverband. Die Reeder würden laufend prüfen, ob eine Durchfahrt möglich ist. (APA, dpa)