Literaturkritiker in der Kritik: ARD weist Vorwürfe gegen „Druckfrisch“ zurück
Nach Kritik an den Buchbesprechungen von Denis Scheck in „Druckfrisch“ verteidigt die ARD ihre Literatursendung. Die Autorinnen Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy hatten dem Kritiker nach Verrissen ihrer neuen Bücher Sexismus vorgeworfen.
Berlin – Nach zwei kontroversen Buchbesprechungen des Fernsehkritikers Denis Scheck wehrt sich die ARD gegen Kritik an der Literatursendung „Druckfrisch“. „In der Sendung ‚druckfrisch‘ gibt es keinen Raum für Frauenfeindlichkeit. Der Redaktion ist der große Verdienst von Frauen für die Literatur sehr bewusst“, teilte der öffentlich-rechtliche Sender der dpa auf Nachfrage mit. Zuvor hatten zwei negative Buchbesprechungen Schecks eine Debatte um Sexismus ausgelöst.
In der am 29. März ausgestrahlten Folge lässt der 61-Jährige, der die Sendung seit mehr als 20 Jahren moderiert, kein gutes Haar an den neu erschienenen Werken der Autorinnen Sophie Passmann und Ildikó von Kürthy. Passmanns Buch etwa beschreibt Scheck mit den Worten: „Wasserstandsmeldungen aus den Seichtgebieten eines trüben Bewusstseins.“ In dem Buch der Bestsellerautorin von Kürthy sieht der bekannte Fernsehkritiker vor allem „Nachrichten aus der Schnatterzone einer Damentoilette auf einer Hochzeit.“
Passmann wirft Scheck Arroganz vor
Sophie Passmann äußerte sich auf Instagram zu dem Verriss ihres Buches und warf Scheck Sexismus vor. „Dieser Verriss hat mich sehr beschäftigt, weil der sehr böse war, aber vor allem sehr sexistisch.“ Die 32-Jährige sagte weiter, dass Scheck Bücher von Frauen, „die von weiblichen Lebensthemen“ handelten, grundsätzlich mit Arroganz und Herablassung behandele.
Unterstützung erhält sie von der Bestsellerautorin Elke Heidenreich. In einem Beitrag für die Zeit stellt sie Schecks Besprechungsstil ebenfalls infrage und kritisiert dabei auch die ARD: „Um Mitternacht vom Teleprompter abgelesene Bosheiten bewirken gar nichts. Im Guten nicht, im Schlechten nicht, dass die ARD so was seit Jahren finanziert, ist so sinn- wie stillos. Kulturauftrag sieht anders aus.“
Von Kürthy: „Verachtung für lesende und schreibende Frauen“
Wenige Tage zuvor hatte sich bereits die Autorin Ildikó von Kürthy, ebenfalls in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung Die Zeit, zu Wort gemeldet. „Viele meiner Leserinnen haben mir geraten, diese bemüht bösartige Kritik zu ignorieren. Aber, ganz ehrlich? Das habe ich lange genug getan. Und jetzt bin ich endlich alt genug, um so eine Respektlosigkeit, so eine Verachtung der lesenden und schreibenden Frauen nicht mehr kommentarlos hinzunehmen“, schrieb die 58-Jährige.
Die von Scheck knapp vorgetragenen Besprechungen sind Teil der Rubrik „Top Ten“, in der er die zehn meistverkauften Bücher der Spiegel-Bestsellerliste bespricht. Negative Urteile enden damit, dass er das Buch auf eine Rollenrutschbahn in eine Müllkiste wirft – so auch bei den Werken von Passmann und von Kürthy.
ARD und Scheck reagieren auf Kritik
Auf dpa-Nachfrage sagte der 61-Jährige, er bemühe sich seit 23 Jahren um eine „ebenso pointierte wie nachvollziehbare Bewertung höchst unterschiedlicher Texte.“ Schecks Besprechungen gelten, so der Literaturkritiker, „den Werken, nicht ihren Urhebern oder Lesern. In der Liste der März-Sendung habe ich vier Bücher von Frauen teilweise enthusiastisch gelobt, drei negativ besprochen.“
Die ARD teilte weiter mit, dass das Geschlecht der Autorinnen und Autoren in der literarischen Beurteilung keine Rolle spiele. „Rückblickend stellt die Redaktion fest, dass der Moderator bei der Liste der behandelten Bücher mehr Autorinnen gelobt als kritisiert hat. Die ARD steht für Gleichberechtigung und eine vielfältige Darstellung von Perspektiven im Programm.“ (TT, APA, dpa)