Rote Führungsdebatte

Generationswechsel umgekehrt: Staatssekretärin will SPÖ Niederösterreich führen

2023, bei Sven Hergovichs Wahl zum Landesparteichef, hatte Ulrike Königsberger-Ludwig noch applaudiert. Jetzt will sie ihn beerben.
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Ulrike Königsberger-Ludwig kündigte Kampfabstimmung gegen Sven Hergovich an. Sie spricht von großem Unmut über den roten Landesvorsitzenden.

Nach einer Sitzung des niederösterreichischen SPÖ-Präsidiums heute in St. Pölten könnte mehr Klarheit herrschen: Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kündigt an, beim Parteitag am 30. Mai den bisherigen Landesvorsitzenden Sven Hergovich ablösen zu wollen. Es droht eine Kampfabstimmung.

Die Debatte kommt für die SPÖ zur Unzeit. Gerade erst hat sich Vizekanzler Andreas Babler beim Bundesparteitag im März an der Spitze der Bundespartei konsolidieren können.

SPÖ kommt nicht zur Ruhe

Und jetzt der nächste Konflikt. Dabei hat die SPÖ in Niederösterreich ohnehin einen schweren Stand. Bei der Landtagswahl 2023 fiel sie hinter die FPÖ auf Platz drei zurück. Und dank Proporzsystem sitzt Hergovich zwar in der Landesregierung. Böse Zungen sagen aber, dass er dort ein Budget verwaltet, das niedriger ist als sein Gehalt. Denn die Politik bestimmt die Koalition aus ÖVP und FPÖ. Die SPÖ ist oft nur Zuschauer, die Gesprächsbasis zu den anderen Parteien sei schlecht, monieren interne Kritiker. Leidtragende seien die SPÖ-geführten Gemeinden.

Königsberger-Ludwig beteuert, sie reagiere mit ihrer Kandidatur auf diesen Unmut. Sie ist offenbar überzeugt, eine Kampfabstimmung gewinnen zu können. Die 60-Jährige war Abgeordnete zum Nationalrat und zuletzt mehrere Jahre Landesrätin, bevor sie als Staatssekretärin in die Bundesregierung wechselte. Ihre Vertrauenswerte waren besser als die der türkisen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Hergovich unterstützte Christian Kern

Königsberger-Ludwig würde für einen Generationenwechsel in die umgekehrte Richtung stehen. Amtsinhaber Hergovich ist 37. Er stammt aus Wien, war im Kabinett von SPÖ-Sozialminister Alois Stöger tätig und leitete später das Arbeitsmarktservice Niederösterreich. 2023 übernahm er die durch eine Wahlschlappe geschwächte Landes-SPÖ.

Hergovich oder zumindest seine Umgebung haben vor dem Bundesparteitag zudem die gescheiterte Ablöse Bablers durch Ex-Kanzler Christian Kern betrieben. Die Kandidatur Königsberger-Ludwigs sei aber keinesfalls als Retourkutsche dafür zu verstehen, sagt Babler. Er schätze die Staatssekretärin, habe jetzt seine Finger aber nicht im Spiel gehabt.