Warum Giorgia Meloni immer deutlicher auf Distanz zu Donald Trump geht
Italiens Ministerpräsidentin kritisiert immer deutlicher die Auftritte und Politik des US-Präsidenten und kassiert dafür dessen Zorn.
Von US-Präsidenten beschimpft zu werden, beginnt ein Gütesiegel zu werden. Zunächst waren es in Europa die liberalen Staats- und Regierungschefs, die Trumps Grobheiten und Beleidigungen zur Kenntnis nehmen mussten. Doch inzwischen erkennen auch Bewunderer seiner Politik, dass allzu viel Nähe zum 79-Jährigen bei den eigenen Wählern nicht mehr gut ankommt. Am deutlichsten bekam dies Viktor Orbán bei der Parlamentswahl vergangenen Sonntag zu spüren. Die massive Wahlkampfhilfe seines Freundes im Weißen Haus, die bis zu Geldangeboten reichte, sollten die Ungarn Orbán wählen, nützte nichts.
Diese Erkenntnis, das Scheitern ihres Prestigeprojekts Justizumbau und Umfragen, wonach die Italiener Trumps Verhalten gegenüber Grönland, sein Vorgehen in Venezuela und den Iran-Krieg ablehnen, lassen nun auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zunehmend auf Distanz gehen. Die einst vom US-Präsidenten in den höchsten Tönen gelobte Postfaschistin geriet deshalb am Dienstag ins Visier des Polterers. „Ich bin schockiert über sie. Ich dachte, sie hätte Mut. Ich habe mich geirrt“, sagte Trump am Dienstag dem Corriere della Sera, weil sie sich auf die Seite von Papst Leo XIV. gestellt hatte.
Schlagabtausch nur Kalkül?
Meloni war zuletzt immer deutlicher in ihrer Kritik geworden. Eine Beteiligung Italiens an den US-israelischen Angriffen auf den Iran lehnte sie von Anfang an ab. Eine Woche nach dem verlorenen Referendum zum Justizumbau verweigerte sie dann US-Flugzeugen auf dem Weg in den Iran die Zwischenlandung auf einem sizilianischen Stützpunkt. Diese Woche schließlich verteidigte sie den Papst, der wegen seiner Friedensappelle von Trump harsch attackiert und als „schrecklich“ beschimpft worden war. Sie finde „die Worte des US-Präsidenten gegenüber dem Heiligen Vater inakzeptabel“, sagte Meloni.
Ihre kritische Haltung zum Iran-Krieg und dem israelischen Vorgehen im Nahostkonflikt unterstrich Meloni zudem damit, dass sie eine Verteidigungsvereinbarung mit Israel aussetzen will. Die Folge ist, dass Italien bei der Militärausbildung nicht mehr mit Israel zusammenarbeiten wird.
Trump setzte am Mittwoch in einem Interview auf Fox News seine Meloni-Kritik fort und erklärte, dass sich sein Verhältnis zu ihr verschlechtert habe: „Wir haben nicht mehr das gleiche Verhältnis.“
Die Opposition in Italien vermutet, dass genau dies wohl die Absicht der Regierungschefin gewesen sei, um sich innenpolitisch abzusichern.