Feuer gelegt und Regenbogenflagge zerstört: Gezielter Angriff auf HOSI Tirol
In der Nacht auf Mittwoch wurde eine Regenbogenflagge vor den Vereinsräumen in Innsbruck heruntergerissen und zerrissen. HOSI-Tirol Obperson Jayjay Kaiser ortet eine „gezielte Handlung“.
Innsbruck – In der Nacht auf den 22. April wurde vor den Räumlichkeiten der HOSI Tirol eine Regenbogenflagge gewaltsam abgerissen. Die Flagge wurde offenbar anschließend in den angrenzenden Gastgarten geworfen, wo sie am Mittwochabend aufgefunden wurde. Sie war stark beschädigt und zeigte Spuren eines mutmaßlichen Brandversuchs, sagt HOSI Tirol Obperson Jayjay Kaiser.
Die Flagge wurde am Mittwoch gegen 19 Uhr entdeckt. „Dass die Flagge abgerissen wird, sind wir fast gewöhnt, das Zerreißen der Flagge und die Brandstellen ist eine andere Dimension“, so Kaiser.
Gezielte Handlung vermutet
Für die HOSI Tirol sei der Ablauf eindeutig: „Es handelt sich um eine gezielte Handlung und nicht um einen Zufall oder bloßen Vandalismus“, so Kaiser: „Die Regenbogenflagge steht international für Vielfalt, Gleichberechtigung und die Rechte der LGBTQIA+-Community.“
Ihre Zerstörung sei daher nicht nur als Sachbeschädigung zu werten, sondern als bewusster Angriff auf Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. „Die Tatsache, dass die Flagge abgerissen, weggeworfen und beschädigt wurde, zeigt klar: Hier sollte ein Zeichen gegen Vielfalt gesetzt werden“, betont Kaiser: „Unsere Antwort darauf ist ebenso klar.“
Einschüchterungsversuch?
Der Vorfall wurde bei der Polizei dokumentiert, eine Anzeige wird bzw. wurde eingebracht, heißt es. Kaiser besteht auf eine „klare Botschaft“: „Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir bleiben sichtbar.“
SPÖ Innsbruck und Neos verurteilen den Angriff
„Wir müssen immer wieder als Gesellschaft klarmachen, dass solche Taten niemals zu rechtfertigen und erst recht nicht mehrheitsfähig sind“, erklärt Vizebürgermeisterin Elli Mayr, ressortzuständig für Frauen, Gleichbehandlung und Queer: „Diese kleine Gruppe mit hasserfülltem und feigem Verhalten müssen wir gemeinschaftlich in die Schranken weisen.“
Die Fälle solcher Angriffe stiegen in den letzten Jahren Österreich an und auch in Innsbruck ist es nicht das erste Mal, dass LGBTQ-Symbole beschädigt werden: „Aus dem jährlichen Lagebericht der SOHO Österreich zur Lage der queeren Community wissen wir, dass solche Täter in den allermeisten Fällen junge Männer sind“, sagt Mayr. „Dazu kommt, dass junge Männer auf sozialen Medien in der sogenannten Manosphere sehr leicht mit queerfeindlichen und misogynen Inhalten in Kontakt kommen.“
Mehr Informationen über falsche Versprechungen der Manosphere
Mayr übt Kritik an den falschen Versprechungen der „Andrew Tates und Jordan Petersons dieser Welt“. Diese nutzten gezielt die Unsicherheit und Identitätskonflikte junger Männer aus – aus vermeintlicher Sorge um sie. Dahinter stecke aber vielmehr ein egoistisches, vor allem finanzielles Interesse und ein radikaler Kulturkampf, der versucht, Errungenschaften der letzten 60 Jahre rückgängig zu machen. „Deshalb muss die Botschaft ganz klar sein“, sagt die Vizebürgermeisterin: „Keine Toleranz gegenüber der Intoleranz, Innsbruck ist und bleibt vielfältig und bunt!“
Auch Neos Landessprecherin Birgit Obermüller verurteilt den jüngsten Angriff auf die HOSI Tirol auf das Schärfste: „Das ist kein Vandalismus, das ist ein gezielter Angriff auf Menschen, die einfach nur sie selbst sein wollen. Dieser Hass hat in Tirol keinen Platz.“
Für Obermüller reiht sich der Vorfall in ein besorgniserregendes Muster ein. Bereits vor rund eineinhalb Jahren war das Vereinszentrum der HOSI Tirol in der Kapuzinergasse Ziel ähnlicher Angriffe. „Wir sehen eine klare Eskalation. Wer queere Sichtbarkeit mit solchen Mitteln bekämpft, zeigt, dass Aufklärung und politische Haltung dringend gebraucht werden- nicht irgendwo, sondern hier in Tirol“, betont Obermüller.
Neos fordert rasche Aufklärung durch die Behörden und eine konsequente Strafverfolgung. Strukturell braucht es mehr Präventionsarbeit und Aufklärung in Schulen sowie ein klares politisches Signal aller Parteien gegen Hasskriminalität. „Die HOSI Tirol leistet seit Jahrzehnten wichtige Arbeit für eine offene Gesellschaft. Es ist unsere gemeinsame Pflicht, ihr und allen queeren Menschen in Tirol Sicherheit und Sichtbarkeit zu garantieren“, so Obermüller abschließend.