Leseaktion startet

Was ist, wenn keine Touristen mehr kommen? Das ist das „Innsbruck liest“-Buch 2026

Thea Mengeler ist die „Innsbruck liest“-Autorin 2026. Das Veranstaltungsprogramm mit ihr findet von 11. bis 13. Mai statt.
© Caroline Drechsel

Eine neue Leere in vielen kleinen Bildern: In Thea Mengelers „Nach den Fähren“ kommt eine Urlaubsinsel zum Stillstand. Im Rahmen von „Innsbruck liest“ wird der Roman ab Montag, 27. April, in Innsbruck verteilt.

Innsbruck – Der Hafenwärter hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Vielleicht kommen die Fähren morgen wieder“, sagt er. Sie kommen nicht. Schon seit Jahren steuern sie die Insel nicht mehr an. Die Geschäfte an der Promenade sind geschlossen. Die Bars und Cafés bleiben zu. Sogar die Möwen sind weitergezogen, „zu anderen Ufern, vermüllteren Stränden“. Geblieben ist eine Handvoll Einheimischer, seltsame Typen allesamt, Übriggebliebene. Der Hausmeister des Sommerpalasts, einst das beste Haus am Platz, lüftet täglich die leeren Zimmer. Andere flüchten sich in diverse Routinen. Es nützt ja nichts. In den Häusern des Örtchens, durch das sich einst Urlauber ohne Zahl zwängten, lebt die Abwesenheit.

„Innsbruck liest“ 2026 – Die Termine

  • Montag, 11. Mai, 19 Uhr: Auftaktveranstaltung mit Thea Mengeler, der Jury-Vorsitzenden Ulla Baumgartner und Kulturstadtrat Georg Willi.
  • Dienstag, 12. Mai, 11 Uhr: Signierstunde in der AK Bibliothek, Maximilianstraße 7.
  • Dienstag, 12. Mai, 17.30 Uhr: Lesung im Tiroler Volkskunstmuseum.
  • Mittwoch, 13. Mai, 14 Uhr: Signierstunde im Einkaufszentrum Sillpark

Man muss sich die Insel, auf der Thea Mengelers Roman „Nach den Fähren“ spielt, als drückend heißen, sonnengegerbten und meersalzgesättigten Ort vorstellen. Trotzdem kommen einem bei der Lektüre unweigerlich auch alpine Urlaubsdestinationen in den Sinn, und die Frage, was wäre, wenn, drängt sich auf.

„Innsbruck liest“ 2026: Die Autorin

Thea Mengeler, geboren 1988 in Meerbusch, ist eine deutsche Autorin. Sie wuchs in Krefeld auf, studierte Kommunikationsdesign in Kiel und später Literarisches Schreiben in Hildesheim. Zunächst arbeitete sie mehrere Jahre als Texterin in Werbeagenturen, bevor sie sich stärker dem literarischen Schreiben zuwandte.

2022 erschien ihr Debütroman „Connect“ (Leykam), 2024 folgte mit „Nach den Fähren“ (Wallstein) ihr zweiter Roman. Für das Buch wurde sie mit dem Hotlist-Preis, für das beste in einem unabhängigen Verlag erschiene Buch, ausgezeichnet. Thea Mengeler lebt in Hannover.

In kurzen, vignettenhaften Kapiteln und schnörkellos schönen Sätzen erzählt Mengeler von Leben, denen, weil sie lange nur auf die gewinnbringende Bespaßung von Gästen geeicht waren, ihre vordergründige Bedeutung abhandengekommen ist.

„Nach den Fähren“ ist keine Krisenerzählung, keine Anklage. Der Text beschwört keine wie auch immer geartete Utopie, sondern er schildert, lakonisch und unaufgeregt, Alltage, die sich in kleinen, oft unscheinbaren Verschiebungen einem anderen Ausnahmezustand annähern.

„Innsbruck liest“ 2026 – Wo wird das Buch ab 27. April verteilt?

  • AK Bibliothek
  • Buchhandlung Daffodils
  • IKB Kundencenter
  • IKB Recyclinghof
  • IKB-Bäder (Höttinger Au, O-Dorf, Amraser Straße, Tivoli, Baggersee)
  • Land Tirol, InfoEck der Generationen
  • INNSBOOK-Büchereien
  • Life Radio Tirol
  • SILLPARK (Besucher-Service, 1. OG)
  • Stadtbibliothek Innsbruck
  • Tiroler Tageszeitung
  • Tourismus Information Innsbruck
  • Wagner’sche Buchhandlung
  • 20er Straßenzeitung (im Büro und bei 20er-Verkaufenden)

Selbst für das Rätsel- oder vielleicht Märchenhafte, für das Wundersame also – es trägt den Namen Ada und kommt in Gestalt eines Mädchens – verbietet sich Mengelers Roman jede Aufregung. Gerade das macht den Roman zu einer aufregenden Erfahrung. Der Text stellt Fragen, deutet mögliche Antworten an, legt sie nahe – und drängt sie und sich an keiner Stelle auf.

Eine Jury unter dem Vorsitz der Literaturwissenschaftlerin Ulla Baumgartner hat „Nach den Fähren“ für die diesjährige Auflage von „Innsbruck liest“ ausgewählt.

Die bisherigen „Innsbruck liest“-Bücher

2025 Valerie Fritsch: „Zitronen“

2024 Caroline Wahl: „22 Bahnen“

2023 Elyas Jamalzadeh, Andreas Hepp: „Freitag ist ein guter Tag zum Flüchten“

2022 Thomas Arzt: „Die Gegenstimme“

2020/21 Milena Michiko Flašar: „Herr Katō spielt Familie“

2019 Laura Freudenthaler: „Die Königin schweigt“

2018 Alina Herbing: „Niemand ist bei den Kälbern“

2017 Friederike Gösweiner: „Traurige Freiheit“

2016 Didi Drobna: „Zwischen Schaumstoff“

2015 Jonas Lüscher: „Frühling der Barbaren“, Novelle

2014 Erwin Riess: „Herr Groll im Schatten der Karawanken“

2013 Margit Schreiner: „Die Tiere von Paris“

2012 Judith W. Taschler: „Sommer wie Winter“

2011 Annette Pehnt: „Mobbing“

2010 Anna Kim: „Die gefrorene Zeit“

2009 Rudolf Habringer: „Alles wird gut. Liebesgeschichten“, Erzählband

2008 Sabine Gruber: „Über Nacht“

2007 Anthologie „Innseits“ mit Texten von 15 Innsbrucker Autoren und Autorinnen

2006 Dimitré Dinev: „Ein Licht über dem Kopf“, Erzählungen

2005 Sepp Mall: „Wundränder“

2004 Thomas Glavinic: „Der Kameramörder“

Aus der Jurybegründung: „Die Insel als Andersort, ein fest etablierter literarischer Topos zur Entwicklung von Parallelwelten utopischer oder dystopischer Qualität, wird hier meisterlich in einigen wenigen, treffsicheren Pinselstrichen entworfen. In der Darstellung des Verlusts ist der Roman, im besten Sinn, gelegentlich nostalgisch, ohne jedoch ins Sentimentale abzudriften.“

10.000 Exemplare des Romans werden ab Montag, 27. April, im Rahmen der Leseaktion, die seit 2004 stattfindet, in der Landeshauptstadt verteilt. Das Veranstaltungsprogramm mit Autorin Thea Mengeler findet von 11. bis 13. Mai statt.

Weitere Infos: Innsbruck liest