Den Kriegsherren droht die Luft auszugehen
Europa lockt die Führung in Teheran mit möglichem Abbau von Sanktionen. Die Waffenruhe im Libanon wurde verlängert.
Washington, Teheran – Im Iran-Krieg dauern die diplomatischen Bemühungen für eine friedliche Lösung des Konflikts am Verhandlungstisch an. Irans Außenminister Abbas Araqchi reiste gestern zu Gesprächen nach Pakistan, das neue Friedensgespräche zwischen dem Iran und den USA anstoßen will. Außerdem berieten die EU-Staaten bei einem informellen Gipfeltreffen in Zypern über Schritte zur Beruhigung der Lage. Deutschlands Regierung erklärte, sie sei bereit, mit ihren Partnern schrittweise Sanktionen gegen den Iran zu lockern, wenn es zu einer umfassenden Übereinkunft zur Freigabe der Straße von Hormuz kommen sollte. Die Blockade der für den Ölhandel wichtigen Meerenge hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und setzt die Weltwirtschaft unter Druck.
Hoffnung im Libanon
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag einseitig die Waffenruhe mit dem Iran ohne klares Ende verlängert. Die Waffen sollen demnach schweigen, bis Teheran mit einem geeigneten Vorschlag an den Verhandlungstisch kommt. Zugleich stocken die USA die militärischen Kapazitäten auf. So ist mit der „USS George H.W. Bush“ ein dritter Flugzeugträger auf dem Weg in die Konfliktregion.
Unterdessen gibt es im Libanon leise Hoffnung: Die zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und der schiitischen Hisbollah-Miliz, die am Sonntagabend ausgelaufen wäre, wird um drei Wochen verlängert. Dies kündigte US-Präsident Trump in der Nacht auf Freitag nach einem Treffen von Vertretern Israels und des Libanons im Weißen Haus an.
Beendet ist der Krieg freilich keineswegs. Israel ist nicht bereit, aus dem Süden des Libanon abzuziehen und greift weiter Ziele der Hisbollah an. Und für die libanesische Regierung käme die Entwaffnung der Hisbollah – eine zentrale Forderung Israels – einem gefährlichen Kraftakt mit dem Risiko eines neuen Bürgerkriegs in dem ethnisch und religiös zersplitterten Land gleich.
Netanjahu und Aoun bei Trump
Um auf ein umfassendes Abkommen hinzuarbeiten, will Trump Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun im Weißen Haus empfangen. Die strittigen Punkte werden sich aber nicht so schnell ausräumen lassen. Die wichtigste Frage bleibt, ob und wie die libanesische Armee eine Entwaffnung der Hisbollah durchsetzen kann. Und ob Israel bereit ist, dauerhaft aus dem Südlibanon abzuziehen. Israelische Bodentruppen sind in mehr als 50 Dörfern im südlichen Libanon im Einsatz, berichteten israelische Medien. Zudem hat die Armee vergangene Woche damit begonnen, die „erste Reihe an Dörfern“ im Libanon nahe der Grenze systematisch zu zerstören. Ziel sei es, eine Rückkehr der schiitischen Bewohner zu verhindern.
Das UNO-Menschenrechtsbüro in Genf sieht unterdessen Anzeichen für israelische Kriegsverbrechen im Libanon. Das Büro habe zahlreiche tödliche Angriffe auf Gesundheitspersonal und Journalisten dokumentiert, erklärte ein Sprecher. Israel wirft der Hisbollah vor, Krankenwagen und medizinische Teams als Tarnung zu missbrauchen. (TT, dpa)