Erfolgreiche Renaturierung

„AMooRe“ auf der Paradieswiese: Moorfläche in Kitzbühel wird revitalisiert

Wido Sieberer (Museum Kitzbühel), Hermann Sonntag (sonntagplus), Bürgermeister Klaus Winkler, LR René Zumtobel und Felix Lassacher (v.l.) auf der Paradieswiese.
© Land Tirol/Schallhart

Ziel ist die Wiederherstellung eines ökologisch wertvollen Lebensraums durch Maßnahmen wie das Schließen von Gräben und den Bau von Spundwänden. Begleitend gibt es Bildungsinitiativen und Forschungsprojekte, um die Bedeutung von Mooren zu vermitteln.

Kitzbühel – Die Paradieswiese im Gemeindegebiet von Kitzbühel soll ihrem Namen wieder Ehre machen: Nachdem das Moor im 20. Jahrhundert trockengelegt wurde und der Torf bis in die 1950er Jahre als Heizmaterial für die Stadt Kitzbühel diente, wird der Lebensraum nun auf rund 7,5 Hektar Fläche im Rahmen des österreichweiten Projekts AMooRe (Austrian Moor Restoration) wiederhergestellt. Die Bauarbeiten finden ab Herbst 2026 statt.

Gemeinde als Grundbesitzer

„AMooRe schreibt in Tirol eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt liegen für die kommenden Jahre schon Vorhaben von über 100 Hektar auf dem Tisch und es könnten noch mehr werden. Alleine im Bezirk Kitzbühel sind über 20 Hektar bereits fixiert und teilweise schon umgesetzt“, freut sich Naturschutzlandesrat René Zumtobel und hebt hervor: „Es ist großartig, dass so viele Grundbesitzerinnen und Grundbesitzer von der Bedeutung der Moorflächen überzeugt sind und sich für den Naturschutz engagieren. Hier in Kitzbühel ist die Gemeinde selbst Grundeigentümerin und hat das Projekt von Beginn an konstruktiv unterstützt.“

Das bestätigt auch Bürgermeister Klaus Winkler:„Es ist uns vonseiten der Gemeinde ein großes Anliegen, dieses wunderbare Stück Natur wiederherzustellen. Es freut uns, dass die Fläche nun durch die Expertise zahlreicher Partner unter Federführung des Landes Tirol wieder zu einem funktionsfähigen Moor werden kann.“

Moor soll wieder entstehen

Durch den jahrzehntelangen Torfabbau sind in der Fläche erhebliche Höhenunterschiede entstanden. Zusätzlich entwässern mehrere Gräben das Gebiet, wodurch Wasser kontinuierlich abgeführt wird. Ziel der Revitalisierung ist die Wiederherstellung eines ökologisch funktionalen Hochmoors. Darüber hinaus sollen auch in den Randbereichen die prioritären Moorwälder gestärkt und langfristig gesichert werden. Für die erfolgreiche Umsetzung der Revitalisierung sind umfangreiche Maßnahmen erforderlich.

Die Paradieswiese soll sich durch die im Herbst beginnenden Maßnahmen wieder zum Paradies entwicklen.
© Land Tirol

Felix Lassacher von der Abteilung Umweltschutz des Landes erklärt: „Die durch den historischen Torfstich entstandenen Geländeunterschiede erschweren es, einen gleichmäßigen Wasserstand knapp unterhalb der Vegetationsoberfläche einzustellen. Um den Wasserstand dennoch möglichst flächendeckend anzuheben, werden zahlreiche Spundwände errichtet und bestehende Entwässerungsgräben geschlossen.“ Die geplante Revitalisierung wird von einem Monitoring begleitet, um die gesetzten Maßnahmen laufend zu dokumentieren und deren Wirkung zu bewerten.

Information und Bewusstseinsbildung

Der Bezirk Kitzbühel stellt einen der Schwerpunktbereiche im AMooRe-Projekt dar. Moorflächen in unterschiedlichen Gemeinden, die aktuell trockengelegt sind oder sich in ökologisch schlechtem Zustand befinden, werden verbessert bzw. wiederhergestellt. Begleitet wird der Prozess mit einer umfangreichen Informations- und Bildungsinitiative, für die die Kommunikationsagentur sonntagplus gemeinsam mit dem Verein natopia engagiert wurde.

Hermann Sonntag von sonntagplus erklärt: „Der Lebensraum Moor ist vielen Menschen wenig vertraut. Umso wichtiger ist es, Schülerinnen und Schülern, Landwirtinnen und Landwirten sowie allen Interessierten die ökologische Bedeutung unserer heimischen Moore als Lebensraum und ihre Bedeutung für das regionale Klima zu vermitteln.“ Geplant sind noch in diesem Jahr ein Schulprogramm mit Moorschwerpunkt und Fachexkursionen für LandwirtInnen gemeinsam mit KLAR! regio3. Für die Bevölkerung wird es in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Vorträge und Exkursionen sowie ein „Torf-Fest“ zum Start der Renaturierung geben.

Paradieswiese ist auch Forschungsparadies

Interesse an der Paradieswiese gibt es auch aus unterschiedlichen Forschungsbereichen: Mehrere Masterstudierende der Universität Innsbruck aus verschiedenen Naturwissenschaften beschäftigen sich in ihren Abschlussarbeiten mit dem Moor und tragen damit auch zur erfolgreichen Umsetzung des Projekts bei. Zudem bietet eine bereits entnommene Bodenprobe Einblicke in die klimatischen Veränderungen der letzten rund 10.000 Jahre und wird aktuell am Institut für Geographie (Boden und Landschaftsökologie) und am Institut für Botanik (Paläoökologie) tiefgehend erforscht.

„Das Projekt auf der Paradiesweise zeigt, was durch gute Zusammenarbeit möglich ist. Von der Gemeinde als Grundeigentümerin über die Wissenschaft bis hin zu den zuständigen Waldaufsehern und Waldaufseherinnen sowie weiteren involvierten Partnern – hier ziehen alle an einem Strang. Man sieht, dass Naturschutz in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist“, freut sich LR Zumtobel.

Weitere Projekte im Bezirk

Neben der Paradieswiese werden im Bezirk Kitzbühel auch Moorflächen in den angrenzenden Gemeindegebieten von Oberndorf sowie in der Gemeinde Waidring revitalisiert. Darüber hinaus zeichnen sich im Bezirk weitere geeignete Flächen ab. In ganz Tirol wurden von 2020 bis 2025 bereits rund 16 Hektar Moore renaturiert, bis inklusive 2028 sind mindestens weitere 112 Hektar vorgesehen.

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