Mut für Neues
Die TIWAG ist neuer Partner der gemeinsamen Initiative „MutMacher 2026“. TIWAG-Vorstandsdirektor Michael Kraxner über Mut als persönlichen Antrieb und das Verlassen der eigenen Komfortzone.
Herr Kraxner, wann waren Sie das letzte Mal mutig?
Michael Kraxner: Mich prägt eine positive Grundeinstellung und damit bin ich glücklicherweise nicht von Angst getrieben, sondern habe ich mich in meinem Leben immer wieder neuen Herausforderungen gestellt. Im beruflichen Alltag sind strategische und oft mutige Entscheidungen auf meinem Tagesprogramm – am Ende geht’s ja um die Versorgungssicherheit der Tirolerinnen und Tiroler.
Aber auch in meinen jungen Jahren brauchte ich Mut, als ich zum Beispiel 2010 als junger Uni-Absolvent der TU München in die USA gegangen bin, von heute auf morgen in eine völlig andere Welt. Oder als ich 2014 zum jüngsten Professor am MCI ernannt worden bin oder später mein eigenes Unternehmen gegründet habe. Ich hätte dies weitermachen können, das war aber nicht mein Plan. Ich wollte mich weiteren Herausforderungen stellen und den nächsten Schritt gehen. Und deshalb habe ich mich bei der TIWAG beworben.
Sie sind seit 1. April neuer Vorstand in der TIWAG. Wie war der Umstieg?
Michael Kraxner: Die TIWAG und ich mussten uns erst kennenlernen. Ich habe daher nach der offiziellen Bestellung meinen Resturlaub genutzt, um mich intensiv einzuarbeiten. An dieser Stelle auch ein Dank für den offenen und herzlichen Empfang an alle TIWAG-MitarbeiterInnen. Das ist nicht selbstverständlich, sicher waren einige – aufgrund meines jungen Alters und der breiten Vita – zunächst skeptisch. Fakt ist: Ich bin ein sehr aufwendiges siebenstufiges Auswahlverfahren durchlaufen und habe mich am Ende durchgesetzt. Ganz ohne Freunderlwirtschaft, sondern mit Kompetenz und einer klaren Vision für die TIWAG. Letztendlich war die Entscheidung von Aufsichtsrat und Eigentümer für einen Quereinsteiger aber sicher auch mutig.
Dabei gab es ja schon einige Anknüpfungspunkte?
Michael Kraxner: Absolut! Das Thema Energie ist mir als gelernter Verfahrenstechniker und Strömungsmechaniker grundsätzlich sehr naheliegend. Auch betreibt meine Familie seit vielen Jahrzehnten ein kleines Wasserkraftwerk zur Selbstbewirtschaftung einer Berghütte im Oberland, was auch ein Grundstein für mein „Interesse an Energie“ abbildet. Ganz grundsätzlich sehe ich die Energiewende nicht nur spannend, sondern als große Herausforderung für unsere Gesellschaft und zugleich als Riesenchance, gerade für Tirol. Wir haben mit der Wasserkraft einen enormen Standortvorteil und damit alle Trümpfe in der Hand. Wir müssen sie nur klug ausspielen.
In diesem Zusammenhang plant die TIWAG in den nächsten Jahren milliardenschwere Investitionen?
Michael Kraxner: Natürlich könnten wir auch nichts machen, uns auf dem bestehenden Geschäftsmodell einfach ausruhen. Die TIWAG schreibt laufend gute Ergebnisse. Vor allem mit unseren Speicherkraftwerken sind wir sehr gut aufgestellt, zweifelsohne ein Verdienst unserer Vorgänger. Das ist aber nicht mein Zugang und entspricht gar nicht meinem Naturell. Fakt ist: Die Elektrifizierung – die Umstellung von Systemen und Prozessen, die bisher auf fossilen Brennstoffen beruhen – kommt gewiss, früher oder später. Und hier wollen wir ganz vorne mit dabei sein und die eigenen Stärken weiter ausbauen. Um auch zukünftig eine sichere und leistbare Versorgung für unsere Tiroler Kundinnen und Kunden und die Absicherung des Wirtschaftsstandorts gewährleisten zu können und mit dem Spitzenstrom aus unseren Pumpspeichern das Energiesystem in Europa zu stabilisieren und eine hohe Wertschöpfung für den Standort zu lukrieren.
Die Wasserkraft spielt auch in Zukunft eine Schlüsselrolle. Wie stehen Sie bzw. die TIWAG zu anderen, erneuerbaren Technologien?
Michael Kraxner: Was viele nicht wissen: Wir sind in Tirol einer der größten PV-Anlagenbetreiber, haben in den letzten Jahren stark in diesem Bereich investiert. Seit Anfang des Jahres sind wir auch bei mehreren Windkraftanlagen in Niederösterreich dabei und bewirtschaften diese eigenständig. Windkraft ist winterlastig und passt daher ideal zu unserer Wasserkraft und verbreitert unser Energieportfolio. Wir wollen dabei zunächst einfach mehr über Windkraft lernen und prüfen aktuell weitere Engagements in Norddeutschland. Für mich ist ganz klar: Auch die TIWAG muss mutiger und offener werden. Wir erleben gerade eine Zeit großer Umbrüche. Umso wichtiger ist es, als Unternehmen agil und dynamisch zu bleiben. Ein schöner Spruch in diesem Zusammenhang lautet: „Wir können zwar den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Das muss auch Leitmotiv in der TIWAG sein.
Wohin segelt die TIWAG unter Ihrem Kommando in den nächsten Jahren?
Michael Kraxner: Eigentlich sitzt Tirol mit der TIWAG auf einem Goldschatz. Denn: Wasser wird neben den Daten das neue Öl der Zukunft. Mit unseren Kraftwerksausbauprojekten im Kühtai, in Osttirol und Imst-Haiming haben wir hier ein neues Kapitel eingeschlagen, nachdem Jahrzehnte nichts mehr gebaut wurde. Diese Investitionen kommen unseren Kindern und Kindeskindern zugute. Auch das ist eine wichtige Motivation: Als dreifacher Familienvater möchte ich dazu beitragen, dass unser Land auch für die nächsten Generationen so lebenswert bleibt. Mit der TIWAG und einem starken Team an der Seite können wir hier viel Positives beitragen.
Welchen Beitrag erwarten Sie sich dabei von der MutMacher-Initiative?
Michael Kraxner: Die TIWAG macht heuer erstmals und sehr gerne mit. Wir haben die Patronanz für die Kategorie Energie und Nachhaltigkeit und ermutigen Unternehmerinnen und Unternehmer, gerne auch junge Start-ups, ihre Ideen vorzustellen. Als ehemaliger Wissenschaftler weiß ich, wie viele kluge Köpfe wir in diesem Land haben und wie viel Know-how und Innovationskraft dahintersteckt. Im Rahmen dieser Initiative wollen wir diesen eine Bühne bieten. Ich freue mich schon auf viele tolle Ideen.