Einfach mal den Pauseknopf drücken: Wie Kinder von Yoga profitieren können
Schon die Kleinsten stehen oft unter Stress und leiden unter Unsicherheiten. Yoga kann auch Kindern dabei helfen, zur Ruhe zu kommen, mit Gefühlen umzugehen und Selbstvertrauen aufzubauen.
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Stillsitzen, Meditieren und leise sein. Klingt doch ziemlich langweilig – das stellen sich Kinder unter Yoga vor, wenn sie in ihre Stunde kommen, erzählt Mandy Kondelka. Sie gibt Yogakurse für Kinder und Jugendliche. Als pädagogische Fachkraft einer Kinderkrippe weiß sie, wie sehr schon Kleine oft unter Stress, Unsicherheiten und innerer Unruhe leiden.
Ich selbst erinnere mich zurück, als ich sechs Jahre alt war, hatte ich eine Zeit lang mit Albträumen zu kämpfen. Ich weiß nicht, wie ich dazu kam, aber ich besuchte schließlich einen Yogakurs. Wir lagen auf Matten, machten Fantasiereisen an die tollsten Orte und lauschten mit tiefen Atemzügen der Geschichte von der„Möwe Jonathan“. Denke ich daran zurück, überkommt mich das wohlige und beruhigende Gefühl von damals.
Als Erwachsene habe ich wieder zum Yoga zurückgefunden und mache auch die ein oder andere Übung gerne mit meinen Kindern. Vom herabschauenden Hundüber den Krieger bis hin zum Baum– der ihnen einiges an Konzentratio n und Balance abverlangt – machten sie von klein auf eifrig mit.
„Grundsätzlich können Kinder schon sehr früh mit Yoga in Berührung kommen, oft ganz spielerisch im Alltag. Viele Kinder nehmen intuitiv Bewegungen und Körperhaltungen ein, die an Yoga erinnern, ohne zu wissen, dass es Yoga ist.“
Für gezieltes Kinderyoga empfiehlt Kondelka ein Alter ab etwa 3 Jahren. Im Kindergartenalter wird Yoga spielerisch vermittelt, indem die Bewegung im Vordergrund steht. Im Volksschulalter möchten Kinder schon mehr herausgefordert werden und es entsteht ein Übergang zum „richtigen“ Yoga. Neben der Bewegung wird auch gelernt, wie man sich besser konzentrieren und entspannen kann.
„Ab einem Alter von etwa 12 Jahren möchten die Kids dann schon tiefer in die Yoga-Welt eintauchen“, weiß die Trainerin.
„Im Kinderyoga werden Yogaübungen in Geschichten verpackt, aus denen richtige Abenteuer entstehen können. Achtsamkeit, Yogaübungen und Atemtechniken werden den Kindern spielerisch vermittelt“, erklärt Kondelka. Wie bei den Erwachsenen gibt es feste Routinen im Kinderyoga, um den Kindern Sicherheit zu vermitteln.
Eine Yogastunde endet mit einer ruhigen Entspannungsphase, oft ergänzt mit einem kreativen Teil, um das Erlebte zu vertiefen.
Wie Kinder von Yoga profitieren
- Zur Ruhe kommen: Die kleinen Yogis lernen besser, mit Stress und innerer Unruhe umzugehen. Gerade für Kinder, die schnell überreizt sind und nicht wissen, wie man den Pauseknopf drücken kann, ist das sehr wertvoll.
- Selbstvertrauen stärken: Kinder erleben, dass sie etwas schaffen, und können und lernen dadurch, sich selbst mehr zu vertrauen.
- Konzentration verbessern: Die Kids lernen sich zu fokussieren und die Körperwahrnehmung wird gestärkt.
- Umgang mit Gefühlen: Kinder nehmen ihre Emotionen bewusster wahr und können besser damit umgehen.
- Körperhaltung verbessert sich: Yoga födert auch die Beweglichkeit, die Koordination und eine gesunde, aufrechte Körperhaltung.
Yoga kann auch gut in den Alltag integriert werden. Immer wenn mein kleiner Sohn schlecht einschlafen konnte, habe ich mich im Bettchen dazugelegt und wir haben gemeinsam Atemübungen gemacht. Runterkommen, den Alltag hinter uns lassen und bewusst im Moment sein, das hat geholfen, um müde zu werden und entspannt einzuschlummern– ich häufig zuerst.
„Genau darum geht es auch im Yoga“, sagt die Yoga-Trainierin,„um Achtsamkeit und kleine Rituale“. Die bewusste Atmung hilft Kindern, mit Stress und Angst umzugehen.
Übungen für zuhause
- Kuscheltier-Atmung (für kleine Kinder): Dabei legt sich das Kind ein Kuscheltier auf den Bauch und atmet durch die Nase, ruhig in den Bauch ein und wieder aus. Man muss den Kindern nicht sagen, wir machen jetzt eine Atemübung, sondern: „Lass uns dein Stofftier in den Schlaf schaukeln ...“
- Feder pusten: Bei älteren Kindern kann man die Übungen spielerisch gestalten, indem sie bspw. eine Feder durch den Raum pusten. Klassische Atemübungen (Pranayama) werden im Kinderyoga vereinfacht und altersgerecht unter Anleitung eingesetzt.
- Gezielte Bewegung können Stress und Anspannung abbauen. Dabei helfen einfache Übungen wie Körper schütteln, hüpfen, brüllen wie ein Löwe. Dadurch können Kinder ihre Energie rauslassen, um dann wieder zur Ruhe finden zu können.
- Kleine Achtsamkeitsübungen helfen Kindern, sich wieder zu orientieren. Dabei dürfen alle Sinne angesprochen werden. Zum Beispiel: Was kannst du gerade sehen, hören, riechen, fühlen ...
- Gemeinsame Momente zu schaffen, wirkt oft stärker als jede Übung. Das kann ein gemeinsamer Satz sein wie „Ich bin sicher“, „Ich werde geliebt“, „Ich bin mutig“, „Ich bin gut so wie ich bin“, etc. Die Kinder verinnerlichen diese wertvollen Sätze und können sie jederzeit und überall anwenden.
Diese Übungen können natürlich variieren und an die jeweilige Situation und je nach Alter angepasst werden.„Entscheidend ist, dass Kinder erfahren, ,ich kann etwas tun, wenn es mir nicht gut geht'", so Kondelka.
Weitere Infos
Mehr über Kinderyoga und Angebote gibt es bei Mandy Kondelka unter www.yogakidstirol.at
Im Volksschulalter suchte sich mein Sohn bewusst Momente aus, wo er zur Ruhe kommen wollte. Zwischen Fußball spielen mit Freunden und Action am Spielplatz, kam er zu mir und bat darum, sich eine Folge eines Kinderyoga-Podcasts anhören zu dürfen. Er wollte den Pauseknopf drücken und sich zurückziehen. Wir Erwachsenen nennen das„Me-Time“. Kinder haben dieses Bedürfnis auch.
Ich bin froh, dass der Kleine in diesem Alter so in sich hineinspürte und auf sich achtete. Nach zehn Minuten Auszeit war die Batterie wieder aufgeladen und das Spiel ging fröhlich weiter. Wer weiß, hätte er nicht auf sich gehört, wäre die Folge vielleicht Überforderung oder Wut gewesen.
Podcasts können auch für Eltern eine schöne Möglichkeit sein, um sich inspirieren zu lassen, um neue Impulse für den Alltag mitzunehmen, so Mandy Kondelka. Sie empfiehlt„Kinderyoga für starke Kinder“ und„KidsYogaPlus".
Es gibt auch viele schöne Bücher rund um Kinderyoga, Entspannung und Achtsamkeit. Die Expertin rät zu folgenden:
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