Wer ist Sarah Puntigam? SchülerInnen machen Frauen im Sport sichtbarer
Sie sind beide Käpitäne der Fußball-Nationalmannschaft und trotzdem ist Sarah Puntigam weitaus weniger bekannt als David Alaba. Das wollen die SchülerInnen der MS Kettenbrücke ändern. Mit ihren Projekt „playfair_playequal“ zeigen sie Ungleichheiten in der Sportberichterstattung auf und liefern dafür demnächst auf tt.com auch selbst Berichte.
Innsbruck – David Alaba und Sarah Puntigam haben viel gemein. Eigentlich. Beide sind sie Stars der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft und führen das rotweißrote Team jeweils als Kapitän auf das Spielfeld. Was sie aber grundsätzlich unterscheidet: die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit.
Das wollen die 27 SchülerInnen der 4c-Klasse der Mittelschule Kettenbrücke ändern. „Wir haben uns mit dem Thema Gleichstellung von Männern und Frauen beschäftigt und sind dann auf Unterschiede in der medialen Präsenz von Sportlerinnen gestoßen“, erklärt Klassenvorständin Daniela Gelsi. Vielen Menschen sei dies gar nicht bewusst, sagt Schülerin Flora, „oder sie denken einfach nicht darüber nach“.
Drei bekannte Sportlerinnen aufzählen
Der Idee folgte ein Konzept und mit den Schlagwörtern „playfair_playequal“ auch ein Titel für das Projekt, mit dem man sich zudem für den „Dr. Agnes Larcher Preis“ bewirbt. Es geht den Jugendlichen vor allem darum, aufzurütteln, wie etwa Paulina findet und von Bewusstseinsbildung spricht.
In drei Gruppen aufgeteilt machte sich die Klasse an die Arbeit: Die einen schrieben Fragen für Interviews zusammen, die anderen führten die Gespräche auf der Straße und auch in Vereinen, wiederum andere analysierten, schnitten Videos und erstellten einen Instagram-Account.
In der Innsbrucker Innenstadt zeigten die SchülerInnen dann PassantInnen auf der Straße Fotos, zunächst von David Alaba und dann eben von Sarah Puntigam. „Kaum einer hat Frau Puntigam gekannt“, sagt Florian von der Interviewgruppe. Überraschend sei das aber nicht gewesen, ergänzt Klassenkollegin Mathea: „Ich habe schon öfter davon gehört. Im Fußball sind die Unterschiede besonders groß, aber zumindest einer hat sie erkannt. Das war cool.“
Eigene Geschichten für tt.com verfasst
Silvana und Zoe führten indes gemeinsam mit anderen Interviews mit SportlerInnen, aber auch deren Trainerinnen, etwa im Turnen, im Floorball, im Fußball und vielen anderen Sportarten. „Wir haben uns den Alltag angeschaut, wie sie und wie oft sie trainieren. Einige meinten, ihnen würden oft die weiblichen Vorbilder fehlen“, erzählt Zoe.
Ihre Geschichten haben die Mädchen und Buben von der 4c inzwischen zusammengeschrieben und für tt.com aufbereitet. In den kommenden Wochen, bis zum Schulende im Juli, werden ihre Porträts aus verschiedenen Sportarten nun veröffentlicht. „Ich bin schon gespannt, ob es Reaktionen gibt“, sagt die sichtlich stolze Lehrerin Gelsi.
Aus den Umfragen auf der Straßen sind zudem Kurz-Videos entstanden, die auf der Social-Media-Plattform Instagram veröffentlicht werden, unter dem Account „playfair_playequal“. Am Anfang sei die Arbeit damit ein bisschen herausfordernd gewesen, beschreibt Elisa, „aber wir kamen ziemlich schnell rein“. Auch ins Verfassen der Geschichten, für die Redakteure der Tiroler Tageszeitung und tt.com helfend zur Seite stehen. „Am schwersten fand ich einen guten Anfang, einen Einstieg, zu finden“, gesteht Caroline.
Zum Denken anregen
Hemmungen, Leute auf der Straße anzusprechen, und über Projekt zu reden, hatten die SchülerInnen kaum. „Ich denke, wir haben damit zum Denken angeregt. Das war eines der großen Ziele“, findet Stefan. Wer spontane Interviews ablehnte, bekam einen Flyer mit einem QR-Code, der zu einer anonymen Umfrage führte. Auch schulintern wurde nachgefragt und alle Ergebnisse schließlich analysiert. „Ich fand wirklich krass, wie wenige drei Sportlerinnen aufzählen können. Im Gegensatz dazu werden Frauen aber durchaus als stark wahrgenommen, auch dass sie gleich viel leisten wie Männer“, sagt Projektleiterin Gelsi.
Die Ergebnisse überraschen wenig, wie auch die kürzlich erschienene Studie „Gender Balance in der Sportberichterstattung“ zeigt. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten wurden dabei rund 40.000 Beiträge aus Print, TV, Social Media und Mediatheken quantitativ und qualitativ analysiert. Es zeigt, dass der Frauenanteil in der Sportberichterstattung im Vergleich zu den Vorjahren zwar leicht gestiegen ist, die mediale Darstellung aber weit von einer 50:50-Abbildung und damit von einer Gleichstellung entfernt ist.
In Printmedien fielen etwa nur 15 Prozent der Sportberichterstattung auf Sportlerinnen, ebenso in Mediatheken, während der Anteil auf Social Media nur zwölf Prozent betrage. Im TV reiche indes die Bandbreite von 37 Prozent (ORF) bis lediglich fünf Prozent (ServusTV), erläutert die Studie.
Für die SchülerInnen ist die im April erschienene wissenschaftliche Auswertung der österreichischen Sportberichterstattung jedenfalls ein Beweis dafür, dass es trotz ihres Projekts noch viel Luft nach oben gibt, wie auch Lehrerin Gelsi findet.
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