Täter verhaftet

Nach mutmaßlicher Amokfahrt in Leipzig mit zwei Toten: Viele Fragen weiter offen

Am Montagabend ist ein 33-jähriger Mann mit einem Auto durch die Leipziger Innenstadt gerast und hat dabei mehrere Menschen angefahren. Eine 63-Jährige und ein 77-Jähriger kamen dabei ums Leben.
© JENS SCHLUETER

Nach einer mutmaßlichen Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt mit zwei Todesopfern und drei Schwerverletzten soll der 33-jährige Fahrer am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Polizei geht derzeit nicht von einem politischen oder religiösen Motiv aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen zweifachen Mordes.

Leipzig – Nach der mutmaßlichen Amokfahrt in Leipzig mit zwei Todesopfern und drei Schwerverletzten soll der Fahrer des Autos heute Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden. Der 33-Jährige deutsche Staatsbürger war am Montagabend unmittelbar nach der Tat festgenommen worden. Unklar ist weiterhin, zum einen, in welchem Zustand sich die Schwerverletzten befinden und zum anderen wie viele Verletzte es genau gab. „Das war gestern sehr schwierig. Viele Leute haben den Ort selbstständig verlassen und sich zum Arzt begeben“, sagte der Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, Ricardo Schulz, am Dienstag zur Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Die Polizei geht nach bisherigen Erkenntnissen nicht von einem politischen oder religiösen Motiv des Täters aus. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sagte ebenfalls am Montagabend, bei dem festgenommenen Fahrer handle es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Einzeltäter, einen Amoktäter. Nach dpa-Informationen war der Mann schon vor der Tat polizeibekannt, allerdings nicht einschlägig. Zuvor hatte die Leipziger Volkszeitung darüber berichtet.

Bei der Amokfahrt wurden eine 63-jährige Frau und ein 77-jähriger Mann getötet. Beide waren deutsche Staatsangehörige. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes in zwei Fällen sowie wegen versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.

Amokfahrt in Leipzig: Was wir wissen – und was nicht

Was wir wissen

  • Der mutmaßliche Amokfahrer von Leipzig ist ein 33‑jähriger Deutscher, der bereits polizeibekannt war; offenbar nicht einschlägig, also nicht wegen ähnlicher Taten.
  • Der Täter ist wohnhaft in der Region Leipzig.
  • Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach der Todesfahrt in Leipzig wegen Mordes in zwei Fällen und versuchten Mordes in mindestens zwei Fällen.
  • Bei den beiden Todesopfern handelt es sich laut Polizei um eine 63-jährige Frau und einen 77-jährigen Mann; beide seien deutsche Staatsangehörige gewesen.
  • Eine Staatsanwältin sagte bei einem Pressestatement: „Wir gehen von einer Amoktat aus.“
  • Der mutmaßliche Amokfahrer ließ widerstandslos festnehmen.

Was wir nicht wissen

  • Das Motiv des 33‑jährigen Täters bleibt unbekannt.
  • Es liegen weiterhin keine Informationen über persönliche Hintergründe oder mögliche Auslöser der Tat vor.
  • Der Zustand vieler weiterer Verletzter ist weiterhin unklar; zu deren Verletzungsgraden gibt es keine Angaben.

Täter ließ sich festnehmen

Der Mann war am frühen Abend mit einem weißen Auto vom Augustusplatz kommend über den Marktplatz gefahren und fuhr dabei mehrere Menschen an. Der Täter sei von der Polizei noch im Auto „dingfest gemacht“ worden, hieß es seitens der Polizei. Der Mann habe sich widerstandslos festnehmen lassen, er sei in Deutschland geboren und in der Region Leipzig wohnhaft.

📽️ Video | Auto fährt in Menschengruppe

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) teilte nach dem tödlichen Verbrechen mit: „Das erschüttert mich zutiefst. Ich bin in Gedanken bei den Opfern und ihren Familien.“ Den Verletzten wünsche er Kraft und schnelle Genesung.

Der mutmaßliche Täter soll am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt werden.
© JENS SCHLUETER

In der Leipziger Nikolaikirche und Thomaskirche können Menschen heute der Opfer gedenken. Um 17 Uhr sei eine ökumenische Gedenkandacht in der Nikolaikirche geplant, teilte der Superintendent der evangelisch-lutherischen Kirche, Sebastian Feydt, mit.

Insgesamt rund 80 Menschen betroffen

Auch auf dem nahen Augustusplatz vor Gewandhaus und Oper versammelten sich zahlreiche Menschen. Sie machten Fotos und Videos, informierten sich am Handy über die Lage. Immer wieder fuhren Krankenwagen aus der Grimmaischen Straße heraus. Nach Angaben der Polizei sind insgesamt etwa 80 Menschen betroffen, wie viele von ihnen körperlich verletzt wurden, war zunächst unklar.

Die Grimmaische Straße führt vom zentralen Augustusplatz in die Leipziger Fußgängerzone bis zur Thomaskirche. In der Nähe befinden sich die Universität sowie die Nikolaikirche Leipzig, ein zentraler Ort der Friedlichen Revolution.

Teile der Innenstadt weiter abgesperrt

Die Polizei sichert unterdessen weiter Spuren. Die Grimmaische Straße und der Bereich rund um den Markt bleiben voraussichtlich den gesamten Dienstag über gesperrt. Wie lange die Ermittlungen andauern, ist noch unklar.

Die Stadt Leipzig will zudem die Sicherheitsvorkehrungen in der Innenstadt überprüfen. Nach Angaben eines Sprechers konnte der Tatverdächtige offenbar über den Augustusplatz in die Fußgängerzone einfahren, ohne auf Hindernisse wie Poller zu treffen. Nun solle das gesamte Sicherheitskonzept der Innenstadt auf den Prüfstand gestellt werden. (dpa, APA)

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