Tödliches Virus auf Kreuzfahrtschiff breitet sich aus: Horrortrip für mehr als 200 Menschen
Das Schiff „Hondius“ liegt derzeit vor Kap Verde, doch die Passagiere können nun nicht wie geplant von Bord gehen.
Praia – Auf dem vor Kap Verde festsitzenden Kreuzfahrtschiff "Hondius" hat sich die Zahl der Hantavirus-Fälle weiter erhöht. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden inzwischen sieben bestätigte oder vermutete Infektionen registriert. Darunter sind drei Tote, eine schwer erkrankte Person sowie drei weitere Passagiere mit milden Symptomen. Rund 150 Passagiere – überwiegend aus Großbritannien, den USA und Spanien – harren weiterhin auf dem Schiff aus. Dazu kommen mehr als 60 Besatzungsmitglieder.
Die WHO teilte am Dienstag mit, dass es möglicherweise zu einer Übertragung des Hantavirus von Mensch zu Mensch zwischen Personen mit engem persönlichen Kontakt an Bord des Kreuzfahrtschiffs gekommen sei. „Wir vermuten, dass es bei sehr engem Kontakt eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt“, sagte die WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerhove in Genf. Der erste auf dem Schiff erkrankte Passagier habe sich vermutlich infiziert, bevor er an Bord gegangen sei.
Video | Passagiere harren auf „Hondius“ aus
Der Fokus liege nun auf der Evakuierung zweier erkrankter Passagiere und anschließend darauf, dass das Schiff seine Fahrt zu den Kanarischen Inseln fortsetzt. Das Risiko für die Allgemeinheit sei weiterhin gering.
Die Behörden von Kap Verde hatten das Schiff vorsorglich angewiesen, auf See zu bleiben. Die Atmosphäre an Bord sei ruhig und die Passagiere im Allgemeinen gefasst, teilte der niederländische Betreiber Oceanwide Expeditions mit. Man arbeite daran, die Reisenden untersuchen und von Bord bringen zu lassen. Dafür werde erwogen, nach Las Palmas oder Teneriffa in Spanien weiterzufahren.
Reiseblogger an Bord: Ungewissheit schlimm
Die Stimmung an Bord der "Hondius" sei "ruhig" und die knapp 150 Passagiere seien "insgesamt gefasst", hieß es. Das Schlimmste gerade sei die Unwissenheit, sagte der an Bord befindliche Reiseblogger Jake Rosmarin unter Tränen in einem Video auf TikTok. „Alles, was wir gerade wollen, ist uns sicher zu fühlen, Klarheit zu haben und nach Hause zu können."
Drei Passagiere gestorben
Das Kreuzfahrtschiff hatte sich vor einigen Wochen auf den Weg von Argentinien nach Kap Verde gemacht. Unterwegs kam es dann zu mehreren Todesfällen. Bisher sind drei Passagiere der "Hondius" gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und ein Deutscher. Bei der verstorbenen Niederländerin wurde das Hantavirus nachgewiesen, wie die Reederei unter Berufung auf die WHO erklärte.
Ein weiterer Passagier ist laborbestätigt am Hantavirus erkrankt und wird auf einer Intensivstation in Südafrika behandelt. Zudem gibt es an Bord Hantavirus-Verdachtsfälle. Zwei Besatzungsmitglieder seien erkrankt, teilte die Reederei mit.
Infektion in der Regel über Kot von Nagetieren
Das Hantavirus kann bei Menschen zu Fieber und schweren Atemwegserkrankungen führen. Auch die Nieren nehmen häufig Schaden. Zu Infektionen kann es beim Kontakt mit den Ausscheidungen von Nagetieren kommen. In seltenen Fällen wird der Erreger laut WHO auch von Mensch zu Mensch übertragen. Infizierte Nagetiere scheiden das Virus mit ihrem Kot, Urin oder Speichel aus. Menschen stecken sich üblicherweise durch aufgewirbelten Staub – etwa beim Aufräumen eines staubigen Schuppens oder Dachbodens – oder durch Bisse an. Ein Ausbruch auf einem Schiff ist ungewöhnlich.
Die WHO sieht jedenfalls kein größeres Risiko für die breite Öffentlichkeit. Die Organisation unterstützt nach eigenen Angaben die Passagiere und die Crew. Eine detaillierte epidemiologische Untersuchung sei im Gange. (APA/dpa)