Zwischen Spagat und Hausaufgaben: Wie eine 13-Jährige die Turnwelt erobern will
Die 13-Jährige Linda Prader aus Mils brennt seit ihrem siebten Lebensjahr für das Kunstturnen. Mittlerweile trainiert sie sogar im Tiroler Leistungszentrum. Das Porträt über sie entstand im Rahmen des Projekts „playfair_playequal“ von SchülerInnen der MS Kettenbrücke, die weibliche Sportlerinnen aus Tirol in den Fokus rücken wollen.
Interview geführt von Sarah Malaun und Zoe Mair, Text verfasst von Emma Schwamberger, Caroline Astl, Mathea Fankhauser
Innsbruck, Mils – Ihr Zeitplan ist genauso straff durchgetaktet wie ihre akrobatischen Elemente auf der Matte: Vier- bis fünfmal pro Woche trainiert Linda Prader (13), halb Tschechien, halb Österreicherin, für zweieinhalb bis drei Stunden im Leistungssportzentrum Innsbruck. Obwohl die Kombination aus Schule und Leistungssport oft stressig ist, schafft Linda es mit Disziplin, alles unter einen Hut zu bekommen. Bevor sie zum Kunstturnen wechselte, startete sie im Programm „Turn 10“, ein Wettkampfprogramm im Gerätturnen, das ab 2010 auch im Schulsport aufgenommen wurde. Dort räumte sie ordentlich ab und wurde insgesamt viermal österreichische Meisterin – einmal mit dem Team und dreimal im Einzel.
📽️ Video | Linda Prader in Aktion
SchülerInnen machen Frauen im Sport zusammen mit der TT sichtbarer
Mit ihren Projekt „playfair_playequal“ zeigen die 27 SchülerInnen der 4c-Klasse der Mittelschule Kettenbrücke die Ungleichheiten in der Sportberichterstattung auf und liefern dafür auch selbst recherchierte und verfasste Berichte für die Tiroler Tageszeitung. In den kommenden Wochen, bis zum Schulende im Juli, werden ihre Porträts aus verschiedenen Sportarten nun veröffentlicht. Mehr über ihr Projekt auf Instagram
Die Kooperation entstand im Rahmen des Tages des Lokaljournalismus, der am 5. Mai von zahlreichen Verlagen im deutschsprachigen Raum auf die Bedeutung der Berichterstattung vor Ort hingewiesen hat. Lokales ist nah, relevant und unverzichtbar und wir wollen Geschichten erzählen mit vielen Menschen vor Ort, die unsere Städte und Gemeinden lebendig machen.
„Als ich das erste Mal Österreichische Staatsmeisterin geworden bin, wurde in der Zeitung darüber berichtet“, erinnert sie sich.
Linda blickt auch kritisch auf die Sportwelt – ihrer Meinung nach sei es nicht fair, dass in den Medien hauptsächlich über Männersport berichtet wird. Männer und Frauen sollten gleich viel Aufmerksamkeit und Anerkennung für dieselben Leistungen bekommen.
Obwohl sie sich noch nicht so viel mit dem Thema beschäftigt hat, fiel ihr auch auf, dass Frauen deutlich weniger Sendezeit erhalten. Deshalb fehlen ihrer Meinung nach für junge Mädchen Vorbilder, die sie im Sport motivieren können. Für sie waren bekannte Turnerinnen immer eine Inspiration: „Als ich klein war, habe ich auch sehr viele Turnerinnen im Fernsehen gesehen und habe mir gedacht: ,Ich will auch mal so gut werden!‘ Das war dann auch eine Motivation für mich, und es motiviert mich jetzt eigentlich noch immer!“, berichtet sie.
Interessanterweise ist das in ihrer eigenen Sportart oft anders: Beim Kunstturnen stehen Frauen meistens sogar mehr im Rampenlicht als die Männer.
Die US-Kunstturnerin und Rekord-Olympiasiegerin Simone Biles hat fast 12 Millionen Follower auf Instagram und verdient laut Schätzungen durch Werbeverträge 10 Millionen Dollar pro Jahr. Über das Einkommen von Shinnosuke Oka, aktuellem Olympiasieger aus Japan, liegen die Schätzungen zwischen 300.000 und 800.000 Euro, er hat auch „nur“ 82.900 Follower auf Instagram.
Linda Prader ist nicht nur eine ehrgeizige Sportlerin mit großen Zielen, sondern auch eine junge Frau mit einer klaren Haltung, die auf mehr Gerechtigkeit in der Sportberichterstattung auch abseits der großen Stars hofft.
Projekt im Schulunterricht
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