Hantavirus-Ausbruch: Erste Kreuzfahrschiff-Passagiere von Teneriffa ausgeflogen
An Bord befinden sich knapp 150 Menschen, alle Passagiere und ein Teil der Besatzung sollen die „Hondius“ schrittweise verlassen und in ihre Heimatländer gebracht werden.
Adeje – Die ersten Passagiere und Crewmitglieder haben am Sonntag das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ auf Teneriffa verlassen, auf dem das Hantavirus ausgebrochen ist. Sie zeigten keine Symptome und wurden in ihre Heimatländer ausgeflogen. Mit Militärbussen wurden sie zuvor zum Flughafen der Kanaren-Insel gebracht, wie spanische Regierungsvertreter sagten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfahl ab Sonntag eine Quarantäne von 42 Tagen.
Das Schiff war in der Früh vor der Küste der zu Spanien gehörenden Insel eingetroffen. Die Flugzeuge für spanische und französische Staatsbürger flogen am späten Vormittag ab. Die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia erklärte, als Nächstes würden unter anderem Kanada, die Niederlande, Großbritannien und die USA ihre Bürger ausfliegen. Das niederländische Flugzeug solle zudem Deutsche, Belgier und Griechen an Bord nehmen.
Auch die Ankunft der beiden irischen Passagiere in ihrem Heimatland wird laut dem irischen Infrastrukturminister Jack Chambers für den Abend erwartet. Ein australisches Flugzeug, das unter anderem Australier und Neuseeländer ausfliegen soll, sollte am Montag eintreffen. Die Passagiere dürfen das Schiff spanischen Behörden zufolge erst verlassen, wenn ihr jeweiliges Evakuierungsflugzeug eingetroffen ist. 30 Besatzungsmitglieder bleiben an Bord und sollen das Schiff zur Desinfektion in die Niederlande steuern.
Hantavirus-Einsatz auch im Südatlantik
Das britische Militär schickte zudem per Fallschirm Helfer auf die abgelegene Insel Tristan da Cunha im Südatlantik, um einen Briten zu behandeln, der möglicherweise infiziert ist. Sechs Soldaten und zwei Mediziner seien am Samstag zusammen mit Sauerstoff und weiteren Hilfsgütern über der Insel im Südatlantik abgesprungen, teilte das Verteidigungsministerium in London mit.
Es sei das erste Mal, dass die Streitkräfte medizinisches Personal für einen humanitären Einsatz per Fallschirm absetzten. Die Verdachtsperson war Passagier des Schiffes und lebt auf der Insel, die britisches Überseegebiet ist und keinen Flughafen hat. Vier Patienten befinden sich zudem in Krankenhäusern in Südafrika, den Niederlanden und der Schweiz.
WHO: Risiko für Allgemeinheit gering
Bei dem Ausbruch auf der „Hondius“ waren nach Angaben der WHO acht Menschen erkrankt, sechs davon nachweislich an dem Hantavirus. Drei Erkrankte starben, ein niederländisches Paar und eine Deutsche. Die europäische Gesundheitsbehörde stufte vorsorglich alle Passagiere als Hochrisikokontakte ein. Für die Allgemeinheit schätzt die WHO das Risiko einer Ansteckung als gering ein, für die Menschen an Bord jedoch als moderat.
Das Hantavirus wird in der Regel durch Nagetiere übertragen, kann in seltenen Fällen jedoch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Das spanische Gesundheitsministerium schrieb in einem Bericht, auf dem Schiff seien keine Nagetiere entdeckt worden. Die WHO geht davon aus, dass sich die erste betroffene Person vor dem Betreten des Schiffes, möglicherweise während einer Reise in Argentinien und Chile, infiziert hat.
Die „Hondius“ hatte am Mittwoch die Küste der Kapverden in Richtung Teneriffa verlassen. Am 2. Mai war das Virus entdeckt worden, nachdem die südafrikanischen Behörden einen Briten getestet hatten, der auf der Intensivstation behandelt wurde. 21 Tage zuvor war der erste Passagier gestorben. (APA, Reuters, dpa, TT.com)
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