Instagram, YouTube und Co

„Welt ohne Wahrheit“: Warum soziale Plattformen die Demokratie bedrohen

Clemens Pig, geboren 1974 in Innsbruck, ist seit 2016 geschäftsführender Vorstand der Austria Presse Agentur.
© APA/Lechner

APA-Geschäftsführer Clemens Pig fordert ein Gegenmodell zu YouTube, Instagram & Co. Seine Chancen auf den Chefposten im ORF kommentiert er nicht.

Clemens Pig kann keinen Zeitplan nennen. Der Chef der Austria Presse Agentur weiß auch noch nicht, wie eine redaktionell getriebene Ergänzung und Konkurrenz zu den Social Media-Plattformen aussehen könnte. Die Alternative brauche es aber. Andernfalls sei die Demokratie in Gefahr. Warum das so ist, wie es dazu kam und was dagegen getan werden kann, schreibt der Tiroler in einem neuen Buch.

Sicher kein Wahrheitsministerium

Im Zentrum seiner Überlegungen steht die „Wahrheit“, unter die Räder der sozialen Plattformen zu kommen drohe. Aber was ist die Wahrheit? „Es darf kein Wahrheitsministerium geben darf, weder in öffentlicher noch in privater Hand“, betont Pig im Gespräch mit der TT. Das „Wahrheitsministerium“ ist in George Orwells Dystopie „1984“ die Behörde, die festlegt, was richtig und was falsch ist.

Pig setzt daher auf die bestmögliche Annäherung an die Wahrheit, mit journalistischen und wissenschaftlichen Methoden. Das Problem sei, dass oft nicht einmal Einigkeit über die Fakten bestehe, aufgrund derer sich Menschen ihre Meinung bilden. Eine „atomisierte Gesellschaft“ ohne gemeinsame Basis sei aber Nährboden für politische Manipulation.

„Den digitalen Raum nicht den Plattformen überlassen“

Hier setzt Pig an. Von den sozialen Plattformen und ihren Algorithmen erwartet er keine Hilfe. Er fordert eine europäische Antwort. „Wir dürfen den digitalen Raum nicht nur den Plattformen überlassen“, betont er. Dazu gehörten Regulierung und das Social Media-Verbot für Jugendliche, wenn die Plattformen nicht selbst Schranken aufstellen.

Pig ist Medienmanager. Als solcher setzt er auch auf eine Kooperation der klassischen Medien, um eine journalistische getriebene Plattform aufzustellen, die nicht mit Empörung, sondern mit Fakten lockt.

Kein Kommentar zum ORF

Ein Partner dabei wäre auch der ORF. Pig gilt als Anwärter auf den Chefposten im gebeutelten Unternehmen. Was sagt er dazu? „Kein Kommentar.“

Buchtipp

Clemens Pig, Welt ohne Wahrheit, Demokratie verteidigen in der neuen Welt- und Kommunikationsordnung, Brandstätter Verlag, 216 Seiten, 25 Euro.