ENTGELTLICHE EINSCHALTUNG

Es komme, wer staunen möchte

„Il pomo d‘oro“, der goldene Apfel, ist mythologischer Ursprung um den Kampf um Helena und Troja.
© Amir Kaufmann

Die Festoper „Il pomo d’oro“ steht symbolisch für den Fokus, den die Innsbrucker Festwochen seit einem halben Jahrhundert verfolgen: Musik wieder erklingen zu lassen, die schon vor hunderten von Jahren Menschen berührte.

1688, am Wiener Hof: Münder blieben offen und manch einer traute seinen Augen nicht. Die Festoper „Il pomo d’oro“ mit Balletten, Chor, 47 Rollen und einem damals eigens gebauten Theater war bereits zur Premiere ein gigantisches Unterfangen. Der Wiener Hof ließ es sich nicht nehmen, alle Dimensionen des Genres zu sprengen. Man hatte eine Festoper der Superlative verlangt, der Komponist lieferte genau dies: Pietro Antonio Cesti zeigte, wie man Emotion in Töne gießt, wie man mit Musik Geschichte schreibt.

Drei Jahrhunderte später

2026, das Jubiläum der Innsbrucker Festwochen: Ein Team nimmt sich der Herausforderung an, diese Oper, die inzwischen als „unaufführbar“ in die Annalen eingegangen ist, wieder auf die Bühne zu bringen. Sie wollen die Welt mit diesem monumentalen Werk erneut in Staunen versetzen. Der Musikalische Leiter Ottavio Dantone hat die Musik zweier verlorener Akte aus anderen Werken Cestis rekonstruiert. Regisseur Fabio Ceresa träumt seit seiner Jugend von den einzelnen Szenen und lässt diesen Traum nun real werden. Nach der Vorstellung des Grazers Nikolaus Webern entstehen Bühnenbilder, nach den Ideen Giuseppe Palellas die Kostüme.

Der Mythos

Die schönste Göttin sollte den goldenen Apfel bekommen – welche den Preis für sich beanspruchen durfte, das musste Paris entscheiden. Damit nahm eine Urteilsfindung ihren Anfang, die Cestis Oper über zwei Abende hinweg prägt: Intrigen, Rivalitäten und Liebesverstrickungen entfalten sich in funkelnden Szenen, während hinter all dem Prunk bereits der Schatten der kommenden Katastrophe sichtbar wird – des Trojanischen Krieges.

20 Solist*innen

Am 7. und 8. August hebt sich der Vorhang zu „Il pomo d’oro“ das erste Mal in der Moderne wieder: Mit 20 Solist*innen,

Ballett und Chor gibt es drei Mal an je zwei aufeinanderfolgenden Abenden im August die Gelegenheit mitzuerleben, wie das Gesamtwerk wieder zu neuem Leben erwacht.

„Il pomo d’oro“ wird nicht als Ereignis aus dem Archiv oder Museum zurückkehren, sondern als vielschichtiges Musiktheater, dass seine Wirkung im Hier und Jetzt entfaltet. Es darf gestaunt werden: wie damals, aber im Heute.

Termine

Fr., 7. & Sa., 8. August, 18.30 Uhr

Di., 11. & Mi., 12. August, 18.30 Uhr

Sa., 15. & So., 16. August, 16 Uhr

Wenn die Zeit stehenbleibt

Gilt nicht umsonst als Weltstar: Jean Rondeau.
© Shura Rusanova

Zwischen schwarzen und weißen Tasten entstehen hunderte von Klangfarben – so vielgestaltig wie die Familie der Tasteninstrumente selbst.

Die Königin der Instrumente, die Orgel, und das Cembalo, das schon ohne einen einzigen Ton ein Kunstwerk für sich ist, bekommen bei den Festwochen einen besonderen Platz: mit Solorezitalen, auf denen junge und doch schon erfahrene Finger tanzen werden – von leise bis laut, von tief bis hoch, von melancholisch bis fast schon jauchzend.

Cembalo in der Hofburg

Am 20. August sitzt Jean Rondeau am Cembalo und füllt den Riesensaal mit Tönen. Wer ihn kennt, weiß um jenen Moment des Stehenbleibens der Zeit, den er vom ersten bis zum letzten Ton erzeugt. Wer diesen „jungen Wilden“ noch nie erlebt hat, sei hiermit eingeladen, sich auf eine Reise in die Klanggewaltigkeit zu begeben, die Rondeau erschaffen kann.

Orgel in der Hofkirche

Zwei Tage später erklingt in der Innsbrucker Hofkirche eine der ältesten Orgeln Innsbrucks unter den Händen von Josef Laming, Gewinner des internationalen Paul-Hofhaimer-Preises 2025. Sein Programm ist so alt wie die Ebert-Orgel selbst: Es erklingt Musik aus den Jahrzehnten rund um ihren Bau. Diese ersten gedruckten Noten stammen aus einer Zeit, als Komponierende gerade erst begannen, ihre Klänge für die Nachwelt festzuhalten.

Pauken und Trompeten zu den 50. Festwochen

© Friedrichs

Von 24. Juli bis 30. August gibt es über 60 Veranstaltungen an mehr als 20 Spielstätten in und um Innsbruck.

Ein Highlight dabei: Das Fest „Wir feiern!“ am 9. August im Hofgarten. Die Festwochen schenken ihrem Publikum einen Nachmittag voller Musik im Pavillon und abends eine Oper unter Sternen. Bringen Sie Ihre Picknickdecke, Zeit und Freude mit!

Alle Infos auf altemusik.at

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