Tiroler Jugend setzt auf duale Ausbildung
Die Lehre hat in Tirol einen deutlich höheren Stellenwert als im Rest Österreichs.
Wer glaubt, „die Jugendlichen von heute“ hätten keine Lust auf Leistung und Zukunft, der liegt daneben. Ein Blick auf die aktuelle „Tiroler Jugendstudie 2026“ zeigt ein ganz anderes Bild: Junge Menschen in Tirol wollen etwas erreichen. Sie sind motiviert, denken früh über ihren Weg nach und treffen ihre Entscheidungen bewusster als in anderen Bundesländern.
Klare Vorstellungen
Die Jugendstudie zeigt ein gemischtes Bild der jungen Generation in Tirol. Obwohl die 600 befragten Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren optimistisch in ihre persönliche Zukunft blicken, sind sie gleichzeitig besorgt über gesellschaftliche und globale Probleme. In dieser Gemengelage haben Jugendliche klare Vorstellungen von ihrem Job: An erster Stelle stehen eine gute Arbeitsatmosphäre, Jobsicherheit und eine sinnvolle Arbeit, gefolgt von einem fairen Einkommen. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die hohe Wertschätzung für die Fachberufsausbildung: 40 % der 13- bis 15-Jährigen in Tirol betrachten eine Lehre als die beste Option für ihre Zukunft. Dieser Wert liegt weit über dem österreichweiten Durchschnitt von nur 12 Prozent.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass für die Jugendlichen in Tirol eine Lehre kein „Plan B“, sondern ein anerkannter und vielversprechender Karriereweg ist. Die Gründe dafür sind vielfältig und auch eine direkte Antwort auf die Zukunftsängste der Jugendlichen: frühe finanzielle Unabhängigkeit, hohe Jobsicherheit und ein gutes Image (68 % Zustimmung in Tirol versus 49 % im Österreichschnitt).
Zu wenig Informationen
Allerdings fühlen sich Jugendliche – trotz der frühen Auseinandersetzung mit der Zukunft – im entscheidenden Moment alleingelassen. Sie fordern mehr Orientierung und Sicherheit. So geben 57 % der befragten Jugendlichen an, dass an der Schule allgemein zu wenig über die Möglichkeiten einer Lehre informiert werde.
Der passende Weg
Auffällig ist auch: Die typischen Vorbehalte gegenüber der Lehre sind in Tirol deutlich schwächer als in anderen Bundesländern. Fragen zum Einkommen oder zur Sicherheit stehen weniger im Vordergrund. Gleichzeitig ist der Druck, automatisch einen schulisch-akademischen Weg einzuschlagen, geringer. „Das zeigt, dass wir bei einem wichtigen Punkt weiter sind als viele andere: Es geht nicht um ein Entweder-Oder, sondern um den passenden Weg für jeden Einzelnen“, so WK-Tirol-Fachgruppenkoordinator David Narr.
Zusammengefasst zeigt die Studie, dass die Lehre in Tirol auf einem sehr guten Weg ist und als Ausbildung mit vielversprechenden Zukunftsaussichten gilt.
Tiroler Jugendstudie 2026
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der ersten Tiroler Jugendstudie hinsichtlich der Fachberufslehre bzw. der dualen Ausbildung?
David Narr: Die Studie zeigt sehr klar: Die Lehre hat in Tirol ein deutlich stärkeres Standing als im restlichen Österreich. Während bundesweit nur rund 12 Prozent der 13- bis 15-Jährigen die Lehre als beste Zukunftsoption sehen, sind es in Tirol 40 Prozent. Das ist ein sehr starkes Signal. Gleichzeitig sehen wir, warum das so ist. Jugendliche erleben die Lehre hierzulande als realen, greifbaren Weg. Sie können Berufe ausprobieren, Betriebe kennen lernen und bekommen konkrete Einblicke in die Praxis. Auffällig ist auch, dass Vorbehalte deutlich schwächer ausgeprägt sind als im Österreichschnitt. Zweifel am Einkommen oder am Übergang von der Schule in die Lehre spielen eine geringere Rolle. Insgesamt zeigt sich: Die Lehre wird in Tirol nicht als „Plan B“ gesehen, sondern als eigenständiger Bildungsweg mit echten Chancen.
Was kann man sich als Jugendlicher von einer Fachberufslehre erwarten, hinsichtlich der Ausbildung, aber auch der Zukunft?
Narr: Die Lehre bietet vor allem eines: einen direkten, praxisnahen Einstieg ins Berufsleben mit sehr guten Perspektiven. Jugendliche können früh eigenes Geld verdienen, sammeln von Beginn an echte Berufserfahrung und entwickeln sich persönlich weiter – indem sie Verantwortung übernehmen, im Team arbeiten, Probleme lösen. Gleichzeitig eröffnet eine Fachberufslehre langfristig sehr viele Wege: vom Fach-arbeiter über Meister- und Unternehmerlaufbahnen bis hin zu weiterführenden Qualifikationen. Die duale Ausbildung ist kein Endpunkt, sondern ein sehr solides Fundament für unterschiedlichste Karrieren.
Wie können Jugendliche ihre Interessen und Fähigkeiten mit Berufsbildern abgleichen und wie könnte dies noch besser gelingen?
Narr: Der entscheidende Punkt ist: Jugendliche entscheiden sich für das, was sie kennen. Deshalb sind reale Einblicke so wichtig. Schnuppern, Praktika, berufspraktische Tage – all das hilft, ein Gefühl dafür zu bekommen, welcher Beruf zu einem passt. Hier machen unsere Betriebe viel richtig. Die Tiroler Studie zeigt aber auch, dass Orientierung oft zu spät oder nicht ausreichend stattfindet. Deshalb brauchen wir eine flächendeckende, früh ansetzende Berufsorientierung in allen Schultypen. Die Polytechnischen Schulen spielen hier eine Schlüsselrolle und müssen entsprechend gestärkt werden. Gleichzeitig geht es um eine gezieltere Verteilung von Fördermitteln: mehr Ressourcen dorthin, wo Orientierung und Praxisbezug stattfinden.
Was sind die notwendigen Aufgaben, um die Fachberufslehre zu stärken bzw. weiterzuentwickeln?
Narr: Wir haben in Tirol eine sehr gute Ausgangslage – aber darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Für die Betriebe heißt das: noch früher in Kontakt mit Jugendlichen kommen, Einblicke ermöglichen und klar zeigen, was ein Beruf bietet. Für Eltern und Schulen bedeutet es, die Lehre als gleichwertigen Bildungsweg zu vermitteln und offen über unterschiedliche Wege zu sprechen. Und für die Politik ist entscheidend, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen – vor allem durch eine stärkere finanzielle Unterstützung der berufspraktischen Bildung und der Berufsorientierung. Wenn alle hier an einem Strang ziehen, können wir die Lehre weiter stärken und jungen Menschen die besten Chancen für ihre Zukunft bieten.
Welchen Einfluss hat KI in der Fachberufslehre?
Narr: Künstliche Intelligenz ist kein Feind des Handwerks, sondern ein Werkzeug. KI kann nicht auf die Baustelle springen, keinen Wasserhahn reparieren oder Dämmplatten an der Fassade montieren. Aber in vielen Betrieben helfen digitale Planungs- und Kalkulationstools, Abläufe zu beschleunigen oder Angebote schneller zu erstellen. Auch Lehrbetriebe nutzen heute Tablet-Pläne, präzise Materiallisten und digitale Messdaten – doch die Umsetzung vor Ort bleibt Handwerkssache. Die Lehrlinge von heute erhalten das Rüstzeug, um digitale Werkzeuge in ihrem Beruf bestmöglich einzusetzen.
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