Russischer Frachter mit brisanter Ladung soll gezielt versenkt worden sein
Die „Ursa Major“ sollte angeblich Nukleartechnologie nach Nordkorea liefern. Jetzt ruht sie in 2500 Metern Tiefe.
Die Geschichte klingt wie aus einem Agenten-Thriller. Aber nach Recherchen des US-Senders CNN und von anderen Medien könnte sie tatsächlich passiert sein.
Im Zentrum steht der russische Frachter „Ursa Major“, der im Dezember 2024 vor der spanischen Mittelmeerküste gesunken ist. Offiziell sollte das Schiff harmlose Container und Kräne von St. Petersburg nach Wladiwostok im Fernen Osten Russlands transportieren. In Wahrheit soll die Ladung weltpolitisch brisant gewesen sein, und sie war angeblich für Nordkorea gedacht.
Bericht unter Verschluss
Der Frachter kam nie am Ziel an. Heute liegt die „Ursa Major“ 62 Kilometer vor Murcia in 2500 Metern Tiefe. Die Geschichte legt zumindest nahe, dass sie von einem NATO-Staat beschossen und dann von Russland gezielt versenkt wurde.
Viele Details der Geschichte stammen aus einer spanischen Untersuchung des See-Zwischenfalls, die bisher nicht öffentlich vorliegt. CNN beruft sich auf eine Quelle, die mit dieser Untersuchung vertraut sein soll.
Kriegsschiff tauchte auf
Demnach wurde der Frachter nach der Straße von Gibraltar plötzlich langsamer und bekam Schlagseite. Einen Tag später soll es im Bereich des Maschinenraums drei Explosionen gegeben haben, durch die zwei der Seeleute starben. Der Rest der Crew, darunter der Kapitän, setzte einen Hilferuf ab und wurde von der spanischen Marine vorübergehend nach Spanien gebracht.
Dann tauchte ein russisches Kriegsschiff am Ort des Geschehens auf, die „Ivan Gren“. Es wies die Spanier an, mindestens zwei Kilometer Abstand zu halten. Am Abend des 23. Dezember 2024 schoss die „Ivan Gren“ Leuchtraketen über dem havarierten Frachter ab – möglicherweise, um Infrarot-Satellitenbilder zu stören. Es folgten vier schwere Explosionen, und dann ging die „Ursa Major“ auf Grund.
Wrack gezielt zerstört
Eine Woche später verharrte das russische Spionageschiff „Yantar“ mehrere Tage über der Stelle, wo der Frachter gesunken war, und spanische Seismologen registrierten vier weitere Explosionen am Meeresgrund.
Es sieht also danach aus, dass das russische Militär einen eigenen Frachter versenkt und das Wrack zerstört hat. Aber was hatte die „Ursa Major“ manövrierunfähig gemacht? Und was hatte sie wirklich geladen?
Loch in der Außenhülle
Der Frachter soll, als er in Seenot geriet, ein 50 mal 50 Zentimeter großes Loch in der Außenhülle gehabt haben, wobei das gebogene Metall nach innen zeigte. Die spanischen Ermittler gehen laut CNN davon aus, dass das Loch von einem Hochgeschwindigkeits-Torpedo verursacht wurde. Das würde auch erklären, warum das Schiff langsamer wurde.
Aber nur eine Handvoll NATO-Staaten, Russland selbst und der Iran verfügen über solche Torpedos. Warum sollte ein westlicher Staat heimlich einen russischen Frachter ins Visier nehmen? Eine Antwort darauf gab möglicherweise der Kapitän der „Ursa Major“.
Nordkorea schickte Soldaten
Als spanische Ermittler Druck auf ihn ausübten, soll er eingeräumt haben, dass er Nuklearreaktoren für U-Boote geladen hatte. Er erwartete, dass er kurzfristig angewiesen werde, sie nach Nordkorea zu bringen.
Als Hinweis auf eine nukleare Spur kann auch gelten, dass sich die Amerikaner für die Stelle interessierten, an der die „Ursa Major“ gesunken ist. Sie schickten einige Zeit nach dem Untergang des Frachters ein Spezialflugzeug, einen sogenannten „Schnüffler“, der darauf spezialisiert ist, nuklearen Abfall aufzuspüren.
Weltpolitisch heikel
Die Weitergabe von Nukleartechnologie – noch dazu an einen Staat, der unter Verstoß gegen das Völkerrecht atomar aufrüstet – wäre extrem heikel. Aber es würde zur neuen Partnerschaft zwischen Russland und Nordkorea passen.
Wenige Wochen vor der Fahrt der „Ursa Major“ hatte Nordkoreas Diktator Kim Jong-un 10.000 Soldaten geschickt, um Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine zu unterstützen.
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