Vertrauen verloren: Chefin des Vorarlberger Landestheaters dienstfrei gestellt
Bregenz – Die Intendantin des Vorarlberger Landestheaters, Stephanie Gräve, ist am Dienstag per sofort von ihren Aufgaben entbunden worden. Das gab Monika Wagner, Geschäftsführerin der Vorarlberger Kulturhäuser-Betriebsgesellschaft (KuGes), bei einer Pressekonferenz bekannt. Nach einer Anzeige gegen Wagner wegen Urkundenfälschung, die von Gräve erstattet wurde, sei die „notwendige Vertrauensbasis für eine weitere professionelle Zusammenarbeit“ nicht mehr gegeben, hieß es.
Vertrag läuft noch zwei Jahre
Der Vertrag von Gräve, sie hatte die Theater-Agenden in Bregenz im August 2018 übernommen, läuft noch bis 31. Juli 2028. Aktuell sei sie bei vollen Bezügen von ihrer Arbeit als Intendantin entbunden, sagten Wagner und Claudia Voit (Stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der KuGes). Über die weitere Vorgangsweise werde man nach Abschluss des Verfahrens gegen Wagner entscheiden.
Zum Vorwurf der Urkundenfälschung – Wagner soll bei einer Vertragserstellung unerlaubterweise die digitale Unterschrift von Gräve verwendet haben – sagte Voit, „dass Monika Wagner nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt hat“. Ihr wurde das ausdrückliche Vertrauen ausgesprochen.
Suche nach Interims-Lösung
Wer die Intendanz interimistisch übernehmen soll, stand vorerst noch nicht fest. Das Verhältnis zwischen Gräve und der KuGes galt spätestens seit März als zerrüttet. Damals wurde bekanntgegeben, dass Gräves Vertrag nicht verlängert werden wird. Die 1968 geborene Deutsche hätte bis 2030 weitermachen wollen.
„Uns war bewusst, dass die Entscheidung (im März, Anm.) emotional aufgenommen werden würde“, sagte Voit. Dem war auch so: Die Vorarlberger Kulturszene und auch die IntendantInnen der österreichischen Landes- und Städtetheater waren irritiert, enttäuscht und kritisierten insbesondere die Art der Kommunikation.
Erklärungsversuche
Weitere Erklärungen seitens der Verantwortlichen führten nicht zu einer Beruhigung der Situation, sondern zum Gegenteil. „Für eine weitere Verlängerung ohne Ausschreibung über eine zehnjährige Zusammenarbeit hinaus wäre aus Sicht des Aufsichtsrats eine in jeder Hinsicht außergewöhnlich positive Gesamtbeurteilung erforderlich gewesen. Diese lag in der Gesamtschau jedoch nicht vor“, hieß es etwa seitens der KuGes.
Lobende Erwähnungen
Umgekehrt hatte Gräve zuvor in den KuGes-Geschäftsberichten Lob für Preisnominierungen, die Kinder- und Jugendarbeit, ein breites Programmspektrum, Uraufführungen von Vorarlberger Stoffen und für wachsende Publikumszahlen erhalten.
Beobachter sahen vor allem Gräves Einsatz für eine ausreichend dotierte Sanierung des Kornmarkttheaters, eine bessere Finanzierung und den Erhalt der Möglichkeiten für das Theater als Hintergrund für die Nicht-Verlängerung.
Erneute Freistellung
Mit der Freistellung in Bregenz wiederholt sich für Gräve eine Erfahrung, die sie schon vor ihrer Zeit in Bregenz in Bern gemacht hatte. Dort wurde sie nach wenigen Monaten nach Differenzen mit dem Intendanten als Schauspieldirektorin freigestellt. Für die Verantwortlichen in Vorarlberg war das kein Grund gewesen, sie nicht zu engagieren. Zum damaligen Geschehen sagte Gräve: „Die Erfahrung war nicht so, dass ich plane, es zu wiederholen.“ (APA)
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