Russland als Juniorpartner

Globale Verschiebung: China wurde zum Machtzentrum in der neuen Welt

Chinas nahezu allmächtiger Staats- und Parteichef Xi Jinping ist zur zentralen Figur in der großen Weltpolitik aufgestiegen: Nach US-Präsident Donald Trump besucht nun Russlands Präsident Wladimir Putin Peking.
© AFP/Pardo

Kurz nach dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump empfängt Chinas starker Mann Xi Jinping nun auch Kremlchef Wladimir Putin.

Wenige Tage nach US-Präsident Donald Trump pilgert nun auch Russlands Präsident Wladimir Putin nach Peking. Der Kremlchef macht Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping heute seine Aufwartung. Auf der Agenda des Treffens steht nicht nur der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen. Am Mittwoch sollen bei einer informellen Tee-Zeremonie im engsten Kreis auch der Iran-Krieg und Russlands Krieg gegen die Ukraine im Fokus stehen.

Der Kreml betont, dass Putins Reise in keinem Zusammenhang mit Trumps Visite stehe. Doch eines ist augenscheinlich: China ist in der neuen Welt-Unordnung stärker und mächtiger denn je. Die Selbstverstümmelung der USA als Weltmacht unter Präsident Trump spielt Peking in die Karten. Und der Irankrieg hat die Position der USA auch in Ostasien weiter geschwächt.

China spielt die erste Geige

Im Wettstreit mit den USA macht China Boden gut und rückt immer mehr in die Rolle einer internationalen Ordnungsmacht. In den Beziehungen zwischen Peking und Moskau ist klar, wer die erste Geige spielt. Russland hängt vor allem als Folge seines Angriffskriegs gegen die Ukraine wirtschaftlich am Tropf Chinas. Das weiß auch Kremlchef Wladimir Putin, der von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet wird. In China dabei ist etwa auch der Chef des staatlichen Gaskonzerns Gazprom, Alexej Miller.

„Peking ist zum Zentrum der internationalen Diplomatie geworden“, weiß Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck. Und China übt sich in einer Art Doppelspiel. „Auf der einen Seite will man die guten Beziehungen zu den USA nicht belasten, auf der anderen Seite will man sich das enge Bündnis mit Russland nicht auseinanderdividieren lassen“, so Mangott. Wirtschaftlich ist die Abhängigkeit Russlands laut Mangott jedenfalls groß. So benötigt Russland den großen Nachbarn China als Absatzmarkt für sein Gas und Öl – bis spätestens Ende 2027 soll ja kein Tropfen russisches Öl und Gas mehr in die EU-Staaten fließen.

Putin will in Peking über den Bau der neuen Gaspipeline „Sila Sibirii 2“ sprechen, die über die Mongolei nach China führen soll. Russland will seine bisher schon massiven Gaslieferungen noch deutlich ausbauen. China gehört auch zu Russlands wichtigsten Ölkunden. „Und Russland ist auf Investitionen aus China angewiesen“, wie Mangott betont. Im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sieht Moskau die Führung in Peking auf seiner Seite. China betont freilich seine neutrale Rolle. Aber: „China spielt für Russland im Hinblick auf Dual-Use-Technologien (Produkte mit zivilem und militärischem Nutzen, Anm.) eine zentrale Rolle“, so Mangott – etwa in der Mikroelektronik. „Wobei Russlands Vorstoß in der Ukraine weitgehend gestoppt wurde. Der Ukraine ist es gelungen, mit ihren Drohnen den Krieg nach Russland zu tragen und die russische Gas- und Ölinfrastruktur empfindlich zu treffen“, erklärt Mangott.