Warum sich nun 21 Tiroler Energieversorger um das Wasser der Sanna bemühen
Die Energie West, der Zusammenschluss der kleineren Tiroler Energieversorger, will das Regionalkraftwerk Sanna errichten. Es könnte 22.000 Haushalte mit Strom versorgen und Sicherheit bringen.
Landeck – Das Wasser der Sanna, dem Zusammenfluss von Trisanna und Rosanna, ist begehrt. Ein Kraftwerksprojekt der ILF (Ingenieur- und Beratungsunternehmen) stieß in den letzten Jahren auf viel Widerstand. Nun versucht es die Energie West, ein Zusammenschluss der 21 „kleineren“ Tiroler Energieversorger. Im Mittelpunkt stehen die regionale Versorgung sowie Maßnahmen wie der Schutz vor dem „roten Drachen“, dem Lattenbach in Pians, der immer wieder Muren auslöst. Noch im Mai soll die Vorprüfung der Umweltverträglichkeitsprüfung eingereicht werden.
Strom für 22.000 Haushalte
Die Energie West verfolge „sinnvolle und machbare Projekte“, wie EnergieWest-Geschäftsführer Artur Egger ausführt. Das Regionalkraftwerk Sanna wäre so eines. Mit einem Regelarbeitsvermögen von jährlich 76,5 Gigawattstunden könnten 22.000 Haushalte versorgt werden. „Das macht Sinn“, so der Direktor der Imster Stadtwerke, Thomas Huber: „Unsere 21 Mitglieder in der Energie West haben 25 Prozent der Tiroler Haushalte als Kunden.“ Um das Ziel, Tirol bis 2050 energieautark zu machen, zu erreichen, müsse man neue Projekte angehen.
„Zwei Jahre Hirnschmalz“
Seit 2024 arbeitet Planer Marco Pallhuber am Projekt. Vorgesehen ist eine Wasserfassung 150 Meter unterhalb des Kraftwerkes Wiesberg. 27 Kubikmeter Wasser sollten pro Sekunde durch einen Stollen zum Krafthaus an der Mündung der Sanna in den Inn geleitet werden.
Dabei seien zwei Jahre Hirnschmalz investiert worden, so Huber. Die Werber sprechen von „massivem Klimaschutz“ (32.600 Tonnen CO₂ sollten eingespart werden), regionaler Versorgung, einem Wirtschaftsimpuls durch das 140-Millionen-Euro-Projekt, jährlichen Entschädigungszahlungen an die sechs Standortgemeinden sowie vielen Begleitmaßnahmen.
Zähmung des „roten Drachens“
Dazu gehören etwa die Renaturierung der Sanna auf einigen Abschnitten, was auch der Sicherheit diene. Ein besonderes Vorhaben betrifft den Lattenbach, im Pianner Wappen als „Roter Drache“ abgebildet: Durch ein „redundantes System“, gekoppelt mit Wetterstationen der Geosphere Austria, könnte im Murfall sofort reagiert werden. „Dann würde die Wasserfassung gestoppt, damit die Sanna mit der gesamten Wassermenge den Mündungsbereich von Geröll des Lattenbaches befreit“, so Huber. Zusätzlich ist ein „Gartenschlauch“ vom Triebwasserstollen geplant, mit dem Material aus dem Bett des Lattenbaches gespült wird.
Die Energie West braucht dazu einen langen Atem. Die Vorprüfung dürfte ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen, die Umweltverträglichkeitsprüfung noch einmal drei bis fünf Jahre. Sollte diese positiv sein, dann würde die Bauphase etwa vier Jahre betragen. Somit stünde das Regionalkraftwerk frühestens 2034 zur Verfügung.
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