Neues Konzept für Büchsenhausen

Ausstellung der vorläufig letzten Fellows: Momente des Aufbegehrens

Olia Sosnovskaya entführt in ihrer Installation in den an der Grenze zwischen Belarus und Polen liegenden letzten Urwald Europas.
© Daniel Jarosch

Nach 23 Jahren soll das Künstlerhaus Büchsenhausen neu positioniert werden. Die letzten vier Fellows der Ära Siclodi zeigen im Innsbrucker Kunstpavillon ihre subversiv-widerständigen „Landschaften der Unruhe“.

Innsbruck – Je weiter man vom Künstlerhaus Büchsenhausen entfernt ist, umso besser kenne man dieses „Leuchtturmprojekt“ der Künstler*innen Vereinigung Tirol, sagt Barbara Mahlknecht. Die in Wien lebende Südtiroler Kulturarbeiterin ist nach dem plötzlichen Tod von Andrei Siclodi im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Tiroler Johannes Reisigl für das Büchsenhausener Fellowship-Programm sowie die hier eingerichteten KünstlerInnenateliers verantwortlich.

Günstige Ateliers

Dass es nach mehr als 20 Jahren, in denen Siclodi der „Hausherr“ in Büchsenhausen war, eine Neupositionierung geben muss, liegt auf der Hand. Dafür geben sich Mahlknecht und Reisigl ein Jahr Zeit, in dem es keine neuen Fellows geben wird. Nichts ändern wird sich bei den jeweils für fünf Jahre an Tiroler bzw. in Tirol lebende KünstlerInnen zu äußerst günstigen Konditionen vergebenen Ateliers.

Barbara Mahlknecht und Johannes Reisigl, Leiter des Künstlerhauses Büchsenhausen.
© Verena Nagl

Den Elfenbeinturm verlassen

Eine Öffnung des Künstlerhauses zur Stadt und zur Region ist Mahlknecht und Reisigl jedenfalls sehr wichtig. Das Verlassen eines nicht mehr in die Zeit passenden theorielastigen elfenbeinernen Turms. Zugunsten einer breiteren Verankerung in der Region, eines Nachfühlens, was diese braucht. Vorerst sei man aber mit der Bestandsaufnahme beschäftigt, dem Kennenlernen dieses „wunderbaren Orts“, dem Ausloten von dessen Potenzial. Mit den 350.000 Euro, die man jährlich von Bund, Land und Stadt bekomme, auszukommen, verlange allerdings viel an Kreativität, so Mahlknecht.

Ausstellung „Landschaften der Unruhe“

Rennweg 8a, Innsbruck; bis 1. August, Mi–Fr 12–18 Uhr, Sa 11–15 Uhr. Informationen finden Sie hier.

Jeweils vier KünstlerInnen wurden in den vergangenen 23 Jahren von einer Jury ausgewählt, neun Monate in Büchsenhausen zu leben und ein Projekt zu entwickeln. Versüßt durch je 5000 Euro. Abgeschlossen wurde die Residency jährlich mit einer gemeinsamen Ausstellung im Kunstpavillon. So auch heuer, wo Bita Bell, Kandis Friesen, Jeanna Kolesova und Olia Sosnovskaya ihre Projekte präsentieren. Die trotz ihrer prinzipiellen Andersartigkeit sehr viel miteinander zu tun haben.

„Landschaften in Unruhe: Körper, Erinnerungen, Aufstand“ heißt der Titel der von Barbara Mahlknecht kuratierten Schau, in der die vier Fellows performativ, installativ, skulptural oder medial kunstvoll-hintergründig im Landschaftlichen Schichten von Geschichte freilegen.

Genaues Hinschauen gefragt

Festgemacht an Momenten des Widerstands, des kollektiven oder individuellen Aufbegehrens. Inszeniert als Arbeiten, die ein ganz genaues Hinschauen bzw. Hinhören voraussetzen. Eingebettet in ein umfassendes Rahmenprogramm.

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