Entführung der Block-Kinder

Zeugin im Block-Prozess: „Wir wurden falsch beraten“

Die deutsche Gastronomin Christina Block (rechts) neben ihrem Anwalt Ingo Bott beim Gerichtstermin am Freitag.
© GEORG WENDT

Eine mutmaßliche Beteiligte spricht von falscher Beratung, die Verteidigung hält ihr grausame Details der Silvesternacht entgegen: Im Hamburger Block-Prozess prallen die Darstellungen über die Verantwortung für die Entführung der Kinder weiter aufeinander.

Hamburg – Im Prozess um die Entführung der Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block hat eine mutmaßlich Beteiligte schwere Vorwürfe gegen den mitangeklagten Familienanwalt Andreas Costard erhoben. Die 51-jährige Frau aus Israel, die in Hamburg unter dem Aliasnamen „Olga“ auftrat, sagte vor Gericht, Costard habe dem Team erklärt, es werde keine rechtlichen Konsequenzen geben, wenn die Kinder wieder in Deutschland seien. „Alles war falsch“, sagte die Zeugin.

Die Frau war Mitarbeiterin einer israelischen Sicherheitsfirma, die laut Anklage für die Entführung der Kinder in der Silvesternacht 2023/24 verantwortlich gewesen sein soll. Die Kinder waren damals vom Wohnort ihres Vaters in Dänemark nach Deutschland gebracht worden. Vorausgegangen war ein jahrelanger Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel.

Costards Verteidiger Marko Voß stellte die Darstellung der Zeugin infrage. Er fragte sie, ob Costard jemals erklärt habe, es werde folgenlos bleiben, den Vater der Kinder zu Boden zu bringen, die Kinder zu fesseln, sie in den Fußraum eines Autos zu drücken, Klebeband um den Kopf zu wickeln oder ein Kind nachts durch einen Wald zu tragen. Die Zeugin beantwortete jede dieser Fragen mit „Nein“.

Der Anwalt argumentierte daraufhin, sein Mandant könne kaum falsch beraten haben, wenn über diese konkreten Handlungen vorher gar nicht gesprochen worden sei.

Familienanwalt zählt zu den Hauptangeklagten

Neben Christina Block und einem 36-jährigen Israeli gehört Costard zu den Hauptangeklagten in dem Verfahren. Dem 64-Jährigen wird vorgeworfen, gemeinsam mit Block den Auftrag zur Entführung der Kinder erteilt zu haben. Die Anklage lautet unter anderem auf gemeinschaftliche schwere Entziehung Minderjähriger, gefährliche Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Costard selbst hat sich in der Verhandlung bislang nicht eingelassen.

Die Zeugin wurde insgesamt an vier Verhandlungstagen befragt. Laut Anklage war sie die „rechte Hand“ des Chefs der israelischen Sicherheitsfirma. Sie hatte sich erst während des laufenden Prozesses aus Israel gemeldet und für ihre Aussage sicheres Geleit erhalten.

Verteidigung sieht Widersprüche

Auch die Verteidigung von Christina Block versuchte, Widersprüche in der Aussage der Zeugin aufzuzeigen. Blocks Anwalt Ingo Bott verwies darauf, dass mehrere mutmaßlich Beteiligte unterschiedliche Angaben zu einem angeblichen Treffen mit seiner Mandantin Ende Dezember 2023 in einem Hotel gemacht hätten. Auch Aussagen zu einem angeblichen Codewort „Happy new year“ seien nach seiner Darstellung nicht belastbar.

Bott sagte am Rande der Verhandlung, die Aussage der Zeugin habe deutlich gemacht, dass seine Mandantin nicht gewusst habe, was in der Silvesternacht geschehen werde.

Anders bewertet dies die Nebenklage. Philip von der Meden, Anwalt von Blocks Ex-Mann Stephan Hensel, erklärte, die israelischen Zeugen und Beschuldigten hätten deutlich gemacht, dass die Entführung so stattgefunden habe, wie sie angeklagt sei.

„Es dürfe keine Gewalt geben“

Die Zeugin schilderte vor Gericht auch, nach welchen Kriterien das Team ausgewählt worden sei. Es hätten „keine Verbrecher“ sein sollen, sagte sie. Außerdem sei immer betont worden, es dürfe keine Gewalt geben.

Inzwischen soll ein weiterer Zeuge aus Israel aussagen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde einem Mann namens Jonathan C. sicheres Geleit für die Dauer seiner Zeugenaussage gewährt. Er hatte sich bereits im Frühjahr in Interviews zu Wort gemeldet und erklärt, ihm sei vor der Aktion gesagt worden, die Rückholung der Kinder sei rechtmäßig. Nach Angaben anderer Beteiligter soll er kurzfristig ins Team geholt worden sein, weil er Deutsch sprach und mit den Kindern kommunizieren sollte.

Der Prozess wird am 11. Juni fortgesetzt. (dpa, TT)