Chinas Städte verbinden Aufbruch und Historie
350 km/h schnelle Züge, landesübliches bargeldloses Bezahlen, verbreitete Elektromobilität – und jede Menge altes Gemäuer.
Das erste chinesische Reiseziel kennt praktisch jeder, das zweite kaum einer, nicht einmal die Einheimischen scheinen sich darüber im Klaren zu sein. Wer in Beijing (alte Schreibweise: Peking) erklärt, als Nächstes stünde das knapp 1000 Kilometer entfernte Wuhu als Destination an, erntet schlechtestenfalls Schulterzucken, bestenfalls den Hinweis, dabei handle es sich um eine "Small City", also eine Kleinstadt. Besagte Kleinstadt hat, nur so nebenbei angemerkt, gut 3,7 Millionen Einwohner. Für einen gelernten Österreicher ist das viel, in einem 1,4-Milliarden-Einwohner-Staat aber eben nicht.
Münzt man die Relationen auf österreichische Verhältnisse um, dann würden wir über Bruck an der Mur, Leoben oder Lustenau (mit jeweils knapp 25.000 Einwohnern) sprechen. Aber bleiben wir bei Wuhu, das westlich von Shanghai (diese Metropole dürfte international wiederum bekannter sein) am größten Fluss Chinas liegt, nämlich am Jangtsekiang. Der wird in Wuhu von gepflegten Promenaden gesäumt – und von unzähligen Wolkenkratzern. Von denen gibt es in Wuhu keinen Mangel, nicht alle sind bewohnt, auch wenn sie fertig aussehen. Es sind die Überbleibsel einer anhaltenden Immobilienkrise, die nicht nur in Wuhu bauliche Spuren hinterlassen hat. Mehr Charme haben allerdings die Altstadt mit ihren engen Gässchen und ihren historischen Gebäuden, die zum Teil auf die jahrtausendalte Geschichte der verkehrsmäßig günstig gelegenen Stadt hinweisen.
Elegante Hochbahnen, noble Hotels, gediegene Restaurants und größere Fabriken an den Stadträndern deuten an, dass Wuhu nach westlichem Denkmuster alles andere als ein verschlafenes Provinznest ist. Das belegen die Menschenmassen im Zentrum und der rege Straßenverkehr, der weniger Lärm erzeugt als erwartet. Das wiederum lässt sich auf den stets wachsenden Anteil an Elektrofahrzeugen (bevorzugt von chinesischen Marken) zurückführen. Aber: Ganz so ruhig ist es dann doch nicht, denn ein beliebtes Kommunikationsmittel in China sind, neben den immer präsenten Smartphones, die Hupen. Wer fährt, der hupt.
So zügig geht es voran: 1000 Kilometer in 4 1/2 Stunden
Wer nicht hupt, aber dennoch fährt, ist womöglich Passagier im Fuxing. Dieser Hochgeschwindigkeitszug verbindet die "Small City" mit Chinas Hauptstadt Beijing, die knapp 22 Millionen Einwohner zählt. Bis zu 350 km/h schnell fährt die Bahn hier, die rund 1000 Kilometer lange Strecke ist nach 4 1/2 Stunden bewältigt.
Nicht so flott geht es dann in Beijing voran, das Straßennetz ist schnell überlastet. Auch hier sind Wolkenkratzer anzutreffen, aber die Publikumsmagneten sind älteren Baujahres – etwa die Verbotene Staat (der Kaiserpalast) im Zentrum. Einheimische wie Auswärtige zieht es in Massen zum weitläufigen Areal, das mit großen Hallen, noch größeren Plätzen und detailliert herausgearbeiteten Skulpturen jede Besucherin und jeden Besucher Respekt abverlangt. So groß die Gebäude und die Parks rundherum sind, so klein muten die Räumlichkeiten an, die frühere Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien samt ihrem Gefolge für sich in Anspruch nahmen.
Wer sich aber wirklich klein fühlen möchte, dem sei der Besuch der Chinesischen Mauer etwas nördlich von Beijing angeraten. Das mehrere tausend Kilometer lange Bauwerk schlängelt sich durch die Hügel- und Bergwelt der nördlichen Chinas, ist mit unzähligen Türmen versehen, verlangt Trittsicherheit und Kondition von seinen Besuchern – auch wenn Gondel- und Sesselbahnen den Zugang zum Gemäuer anfangs erleichtern.
Bevor der Genuss einer landestypisch angerichteten Peking-Ente den Beijing-Trip abrundet, bietet sich ein gemütlicher Spaziergang durch die kaiserliche Sommerresidenz an, verbunden mit einer Bootstour auf dem großen, künstlich angelegten Kunmingsee.
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