Mit dem Rad von Strand zur Oase
Da werden Kindheitserinnerungen wach: Auf Sonne, Sand und Meer ist in Bibione Verlass. Doch es gibt auch Unerwartetes zu entdecken: Gleiche mehrere Naturoasen sind hier ganz familientauglich mit dem Fahrrad zu erreichen.
Jesolo mag sich das „Little Miami“ der oberen Adria nennen, das kulturhistorisch reiche Caorle ein „Mini-Venedig“ sein. Bibione, der daran angrenzende Badeort, ist weder mondän noch geschichtsträchtig, doch in puncto Massentourismus steht er den beiden anderen Orten in nichts nach. Sonne, Sand und Meer gibt es auch hier reichlich. Das wissen vor allem Familien zu schätzen. Der flach ins türkise Meer abfallende Sandstrand ist feinkörnig, groß – 300 Meter breit –, und weit – acht Kilometer lang.
Von Mai bis September kann hier angenehm geplanscht werden, im Sommer gar bei badewannenähnlichen Temperaturen um die 24 Grad. Seit geraumer Zeit wird in Bibione an einem Imagewandel Richtung Gesundheit gefeilt, die 1996 eröffnete Therme ist wohl das wichtigste Argument dafür. Am ersten rauchfreien Strand Italiens (seit 2019 ) reihen sich Liegen an Liegen und wer nach Sandburgen, Pizza, Pasta und Spaghetti-Eis noch etwas für die Gesundheit tun will, kann beim Bibione Olistic Festival (20. bis 21. Juni) einchecken. Das größte „ganzheitliche Event an der Oberen Adria“ lädt dort, wo sonst am Strand Beachvolleyball gespielt wird, zu Yoga und Meditation, zu „Wellness für Köper und Geist“, wie der Veranstalter wirbt.
Was auf den ersten Blick so gar nicht zu den streng symmetrisch angeordneten Liegen und Sonnenschirmen passen will, macht mehr Sinn, wenn man sich ein wenig abseits von Bettenburgen und Campingplätzen auf die Suche nach unberührter Natur macht. Und davon gibt es mehr, als sich das gestresste Eltern, die aus pragmatischen Gründen den Bibione-Urlaub gebucht haben, erträumt hätten. Dank ebener Wege lassen sich mit dem Rad mit den Kleinen schöne Ausflüge machen. Denn nach einigen Tagen Strand und noch viel mehr Sand in den Panini erwacht mitunter auch im genügsamsten Sprössling der Entdeckergeist. Da bietet sich zum Beispiel eine kleine Tour zum Leuchtturm von Punta Tagliamento an. Auf Schotterstraßen geht es, vorbei an duftenden Pinien, an einem schönen, freien Strand entlang. Und wer, einmal angekommen, gleich wieder weiter möchte, fährt bis zur Fähre, die – sehr zur Gaudi der Kinder – in nur wenigen Augenblicken nach Lignano übersetzt.
Ein Ausflug in die andere Richtung führt zum Naturschutzgebiet Vallevecchia, wo der herrliche – einmal abgesehen von unzähligen Badegästen – unberührte Strand von Brussa nicht nur Vogelliebhaber begeistert. Die Lagunenlandschaft mit den traditionellen Casoni, historischen Fischerhütten aus Schilf und Holz, wird auch in Ernest Hemingways Roman „Über den Fluss und in die Wälder“ gewürdigt. Die Insel Vallevecchia kann zu Fuß, mit Rad, Boot oder Kajak erkundet werden. So auch das Naturjuwel Valgrande, das von Bibione Pineda, der Westspitze der Halbinsel Bibione, mit dem Rad in wenigen Minuten erreicht wird. Die 300 Hektar große Naturoase Valgrande, für deren Erhalt Eintritt kassiert wird, bietet mehrere Fuß- und Fahrradwege, wie etwa zur größten natürlichen Düne der oberen Adria. Mit etwas Glück entdeckt man in den Brackwasserseen auch rosafarbene Flamingos. Ein Fest für die ganze Familie – das, zurück am Strand, mit Gelati gefeiert werden darf.
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