Bekannte Stimmen zu hören

„Liebe und andere Gefahren“: Literaturfestival „Lesezeichen“ in Hall erlebt zweite Auflage

Zuhören lohnt sich: Schauspieler Johannes Silberschneider ist als meisterhafter Vortragender bekannt.
© Silberschneider

Die Freitagabende im Juni gehören in Hall ganz der Literatur: Bei der zweiten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Lesezeichen“ tragen namhafte SchauspielerInnen wie Johannes Silberschneider und Martina Spitzer ausgewählte Texte vor. Als Ersatz für das abgewanderte „Sprachsalz“-Festival ist die Reihe dezidiert nicht gedacht.

Hall – Namhafte SchauspielerInnen tragen ausgewählte literarische Texte vor: Das ist das grundlegende Konzept der neuen Veranstaltungsreihe „Lesezeichen“ in Hall, die heuer zum zweiten Mal in Szene geht. Diesmal, am 5., 12., 19. und 26. Juni (jeweils freitags), lautet das Thema „Liebe und andere Gefahren“, wie der für Kultur zuständige Stadtrat Christoph Sailer erklärt.

Martin Sailer, langjähriger Leiter der Abteilung Literatur und Hörspiel im ORF-Landesstudio Tirol, hat über Monate hinweg eine breit gestreute Textauswahl erarbeitet. Dabei dürfte es auch recht vergnüglich zugehen, wenn etwa Briefe des ebenso genialen wie schwierigen Humoristen Karl Valentin zu hören sind. Vorgetragen werden unter anderem auch Korrespondenzen von Maria Theresia, Briefe von Alain Delon an Romy Schneider – oder aber empörte Schreiben, die seinerzeit anlässlich der Uraufführung von Thomas Bernhards „Heldenplatz“ eingingen.

Vier Abende, vier SchauspielerInnen

Obwohl gerade im Juni bei vielen KünstlerInnen der Terminkalender prall gefüllt ist, habe man wieder namhafte KünstlerInnen für „Lesezeichen“ gewinnen können, freut sich Christoph Sailer: Zum Auftakt am 5. Juni liest der bekannte Bühnen- und Filmschauspieler Johannes Silberschneider, am 12. Juni ist Stefan Riedl zu erleben, seit dem Jahr 2000 festes Ensemblemitglied am Tiroler Landestheater.

Günter Lieder beschließt den Lesungsreigen am 26. Juni.
© Lieder

Schauspielerin Martina Spitzer, die mit renommierten RegisseurInnen wie Barbara Albert, Susanne Derflinger, Ulrich Seidl oder David Schalko gearbeitet hat, kommt am 19. Juni nach Hall. Zum Finale am 26. Juni wird dann Günter Lieder die ausgewählten Texte mit seiner sonoren Stimme zum Leben erwecken.

Was Christoph Sailer hervorhebt: Erneut findet „Lesezeichen“ bei freiem Eintritt statt – und es fließe „kein einziger Cent“ an städtischen Kultursubventionen. Stattdessen habe er sich wieder um eine Reihe von SponsorInnen bemüht. Eine weitere Besonderheit ist, dass Haller Musikschulensembles und Chöre die Abende musikalisch begleiten: Am 5. Juni sind das Karin Vavrekova (Gesang), Marlen Noelle Ebenbichler und Sara Bürgler (Piano), am 12. Juni ist der Chor „Stimmpfeffer“ zu hören. Am 19. Juni erhebt der Kolpingchor „vocHall“ die Stimme, am 26. Juni der Chor Stimmsalz.

„Keine Konkurrenz zu Sprachsalz“

Mit dem 2024 von Hall nach Kufstein abgewanderten internationalen Literaturfestival „Sprachsalz“ hat „Lesezeichen“ nichts zu tun, stellt Sailer klar, „wir sind weder Ersatz noch Ergänzung oder Konkurrenz“. Zudem sei das Konzept ein ganz anderes: So tragen bei „Sprachsalz“ in der Regel die internationalen AutorInnen selbst ihre Texte vor.

Alle Lesungen, organisiert in Kooperation mit der Stubengesellschaft Hall, beginnen um 20.15 Uhr und finden am Reinischplatz auf der Südseite der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus statt. Neu ist: „Bei Regenwetter stellt Pfarrer Jakob Patsch diesmal die Pfarrkirche selbst als Ausweichquartier bereit“, freut sich Sailer.