Journalistin will „Weißfunk“

Fischler und Petritsch: ORF-Generalskandidatin Sonja Sagmeister hat prominente Unterstützer

Sonja Sagmeister hat bei ihrer Bewerbung für den ORF-Chefposten ein „Anti-Privilegien“-Programm vorgelegt.
© Sonja Sagmeister

Um ins Hearing der Bestgereihten für den ORF-Chefposten zu kommen, braucht es die Stimme von zumindest einem Stiftungsrat. Die Journalistin Sonja Sagmeister geht als unabhängige Kandidatin ins Rennen und hat unter anderem die Unterstützung von Ex-EU-Kommissar Franz Fischler.

Sie gilt als Außenseiterkandidatin für den ORF-Generalsposten: Sonja Sagmeister, ehemalige ORF-Korrespondentin in Brüssel und langjährige Wirtschaftsredakteurin. Die Journalistin wurde vor mehreren Jahren vom ORF gekündigt und ging daraufhin gegen das öffentlich-rechtliche Medienhaus vor. Im Vorjahr stellte das Oberlandesgericht Wien (OLG) fest, dass die Kündigung unrechtmäßig erfolgte, es ist aber noch ein weiterer Prozess zwischen der Journalistin und ihrem ehemaligen Arbeitgeber anhängig.

Nominierungsprozess in vollem Gange

In wenigen Tagen steht fest, wer den ORF ab 2027 führen wird. Um am Wahltag am 11. Juni zu einem Hearing eingeladen zu werden, ist eine Nominierung durch einen ORF-Stiftungsrat oder eine -Stiftungsrätin nötig. Heinz Lederer hat Lisa Totzauer, Clemens Pig, Johannes Larcher und Markus Breitenecker nominiert. Von anderer Seite wurden auch Kathrin Zierhut-Kunz, Eva Schütz und Robert Altenburger nominiert.

Auf eine Nominierung hofft auch Sagmeister, die laut eigenen Angaben mit ihrem „Weißfunk“-Programm für Unabhängigkeit im Journalismus Unterstützung aus der Zivilgesellschaft erhalten hat. Die gebürtige Kärntnerin setzt auf ein Anti-Privilegien-Programm, würde auf Dienstwagen und Chauffeur verzichten und diese Vorgabe auch den anderen ORF-Direktoren machen.

Pro-europäische Ausrichtung

Zu ihren Unterstützern gehört unter anderem der ehemalige EU-Agrarkommissar Franz Fischler: „Ich unterstütze Sonja Sagmeister, weil sie lange in Brüssel war und sich in der EU-Materie gut auskennt. Der ORF muss europäischer werden“, so Fischler.

Damit will der ehemalige EU-Kommissar aber nicht sagen, dass Sagmeister für ihn die ausschließliche Wahl wäre, wie er gegenüber der TT erklärte. Das Bewerberfeld für den ORF-Chef ist groß, mit dem bisherigen APA-CEO Clemens Pig ist ein Tiroler erklärter Favorit für den Posten. „Clemens Pig halte ich auch für einen guten Kandidaten. Es gibt mehrere gute KandidatInnen“, meint Fischler.

EU-Themen sollten im ORF häufiger vorkommen
Franz Fischler, EU-Agrarkommissar a.D.

Er ist der Meinung, man müsse die Neubesetzung an der ORF-Spitze als Chance sehen, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk inhaltlich neu auszurichten. „EU-Themen sollten häufiger vorkommen“, so Fischler, deshalb seine Unterstützung für Sagmeister – die aber nicht so weit gehen würde, als dass er bei einem Mitglied des Stiftungsrates um ihre Nominierung bitten würde. „Interventionen sind nicht das meine“, stellt der ehemalige EU-Politiker klar. Man solle aber Sagmeisters Bewerbung ernsthaft prüfen, so Fischler im TT-Gespräch.

Für transparente Vorgehensweise

Ähnlich argumentiert der langjährige Spitzendiplomat Wolfgang Petritsch. Der frühere EU-Sonderbeaufragte und Hohe Repräsentant der Vereinten Nationen für Bosnien und Herzegowina spricht sich gegenüber der TT für eine echte ORF-Reform aus, die auch das Prozedere der Bestellung zum ORF-Chef inkludiert. „Es bräuchte eine sehr transparente Vorgehensweise. Mir ist ein Dorn im Auge, dass qualifizierte KandidatInnen für das Hearing zusätzlich nominiert werden müssen“, so Petritsch gegenüber der TT. Denn damit setze sich parteipolitisches Denken fort. „Sonja Sagmeister ist offensichtlich eine qualifizierte Kandidatin, könnte aber trotzdem an einer formalen Hürde scheitern“, kritisiert Petritsch.

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