Neuer Film

„Becoming Taylor Swift“: Doku über erfolgreichsten Popstar aller Zeiten hat ein Manko

Swift in Toronto während der Eras-Tour, die alle Rekorde brechen sollte.
© IMAGO/Chris Young

Taylor Swift ist vor den Augen der Welt erwachsen geworden. Seit dem Ende ihrer großen „Eras Tour“ sind mittlerweile eineinhalb Jahre vergangen. Die zweiteilige Dokumentation „Becoming Taylor Swift“ zeichnet den Weg der US-Sängerin hin zu Erfolg.

Wie erzählt man die unglaubliche Karriere eines der erfolgreichsten Popstars aller Zeiten? Regisseur Guy King beginnt dazu bei Swifts Anfängen. Er taucht in die Country-Szene von Nashville ein und lässt frühe Weggefährten, Journalisten sowie Fans zu Wort kommen. Entstanden sind zwei Filme, die im ZDF-Streaming-Portal zu finden sind. Im linearen Fernsehen wird die erste Folge am 12. Juni (0.45 Uhr, ZDF) ausgestrahlt.

Der Plattenvertrag war nicht geschenkt

Anhand von Archivbildern, Tonaufnahmen und Lied-Zitaten beleuchtet die Doku Swifts außergewöhnliche Karriere. King geht dabei weitgehend chronologisch vor: Er zeigt, wie Swift schon als Kind erste Songs schreibt, wie sie sich mit viel Beharrlichkeit, Schreibtalent und der Unterstützung wohlwollender Eltern einen Plattenvertrag erarbeitet. Wie sie ihren Sound von Album zu Album immer weiterentwickelt, schließlich das Country-Genre ganz hinter sich lässt und sich als Popstar neu erfindet.

Noch mit Locken und Country Music: Swift 2009 beim CMA Musikfestival in Nashville.
© IMAGO/Aaron Crisler

Dass sie bewusst ein junges, weibliches Publikum anspricht und statt auf viel Haut auf große Gefühle setzt, unterscheidet sie den Experten zufolge in den 2000er- und 2010er-Jahren von anderen. „Sie bedient eine bis dahin unterrepräsentierte Zielgruppe“, sagt die Journalistin Zing Tsjeng: „Junge Frauen und Mädchen, die jemanden suchen, der ihre Gefühle widerspiegelt – mit Songs, die sich anfühlen, als wären sie über ihr Leben geschrieben worden.

Zuerst der Rückzug und dann das Comeback

Spannende Einblicke in diese frühen Jahre von Swifts Karriere liefern unter anderem ihr früherer Manager Rick Barker und die Journalistin Vanessa Grigoriadis, die Swift 2009 lange interviewte. Auszüge aus den Tonaufnahmen zeigen, wie viele Gedanken sich die damals 19-Jährige bereits um ihre Musik machte. Begleitend dazu erzählen langjährige „Swifties“, wie sie mit den Liedern aufgewachsen sind und welche Parallelen sie zwischen ihrem und Swifts Leben ziehen.

Treue Fans: Die „Swifties“ kamen in Scharen zu ihren Konzerten.
© IMAGO/Chris Young

Der erste Teil endet mit einer Folge von Ereignissen, die Swift selbst in Liedern und Interviews oft als prägend bezeichnet hat: Ihre öffentliche Fehde mit dem Rapper Kanye West und dessen damaliger Frau Kim Kardashian im Jahr 2016 und ihren darauffolgenden Rückzug aus der Öffentlichkeit. Nach einem Jahr abseits des Scheinwerferlichts meldet sich die Sängerin 2017 mit dem Album „Reputation“ zurück.

Kein neues Interview mit Swift

„Becoming Taylor Swift“ ist kein Musikfilm, und so werden weitere Alben in der zweiten Folge nur noch angerissen. Stattdessen geht es um ihre Versuche, eine politische Stimme zu finden, und den Kampf um die Rechte an ihren ersten sechs Alben. Als die Doku beim Start der „Eras Tour“ und damit im Jahr 2023 ankommt, greift sie auf den Skandal mit Kanye West zurück: Es gebe für eine Frau keinen besseren Konter als kommerziellen Erfolg, sagt die Journalistin Tsjeng.

In Rot auf der „Eras-Tour“: das Showprogramm war für seine vielen Kostümwechsel berühmt.
© IMAGO/Matias J. Ocner

Die Tour brach alle Rekorde und ging als umsatzstärkste Konzerttournee der Geschichte in die Musikgeschichte ein. Sie ist die erste Tournee überhaupt, die die Marke von einer Milliarde US-Dollar sowie später die Schwelle von zwei Milliarden US-Dollar an Gesamteinnahmen überschritt.

Taylor Swift und ihr Partner Travis Kelce bei einem Basketball-Spiel im Mai in New York.
© IMAGO/AARON JOSEFCZYK

An diesem Punkt wird in der Doku jedoch eine große Schwäche der zwei Filme deutlich: Sie legt die Deutungshoheit über Swifts Beweggründe und Gefühle überwiegend in die Hände von Dritten. Die Musikerin kommt nur in Archivmaterial zu Wort – und dieses ist in weiten Teilen bekannt, etwa aus der Netflix-Doku „Miss Americana“ (2020).

Kurzweiliger Überblick

Dass Swift dieses Mal nicht selbst spricht, fällt umso stärker auf, weil die 36-Jährige Interviews im vergangenen Jahr nicht gerade gescheut hat. Sie sprach zwei Stunden lang im Podcast ihres Partners Travis Kelce, gab zahlreiche Interviews rund um ihr neues Album „The Life of a Showgirl“ und trat in Late-Night-Shows auf. Ende 2025 erschien bei Disney+ eine sechsteilige Dokureihe über die „Eras Tour“. Und zuletzt veröffentlichte die „New York Times“ ein langes Video-Interview über ihr Songwriting.

Wer diese Stoffe kennt, dürfte in „Becoming Taylor Swift“ wenig Neues entdecken. Wer aber ohne viel Hintergrundwissen einsteigt, dem bietet Kings Doku einen kurzweiligen Überblick über Swifts Leben. (APA, TT)