Luchsin von Auto erfasst

Erstmals Luchs auf Autobahn in Italien getötet, Tierart in Österreich akut gefährdet

Dank in den 1970er-Jahren begonnener Wiederansiedlungsprojekte ist der Eurasische Luchs erneut in den Alpen beheimatet. Die Bestände in Italien und Österreich sind nach wie vor klein und zerstückelt.
© IMAGO/imageBROKER/David & Micha Sheldo

Der nach seiner Ausrottung in den 1970er-Jahren wieder angesiedelte Luchs ist im Alpenraum erneut akut bedroht. In Norditalien wurde ein junges Tier von einem Auto erfasst und getötet.

Chiusaforte – In Norditalien ist erstmals ein Luchs auf einer Autobahn von einem Fahrzeug erfasst und getötet worden. Das Tier sei auf der Autobahn A23 nahe Chiusaforte in Friaul-Julisch Venetien verunglückt, teilten an Schutzprojekten beteiligte Forschende mit. Der Kadaver wurde nach dem Unfall geborgen und anschließend von Expert:innen der Universität Udine untersucht. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich um ein etwa einjähriges weibliches Tier in gutem Gesundheitszustand.

Die junge Luchsin war den Angaben zufolge bisher nicht im laufenden Monitoring in Italien erfasst worden. Anhand ihres Fellmusters konnte sie jedoch identifiziert werden. Demnach wurde sie 2025 im slowenischen Triglav-Nationalpark geboren.

Tier auf Suche nach eigenem Revier

Nach Einschätzung der Fachleute befand sich das Tier auf der Suche nach einem eigenen Revier. Der Unfall ereignete sich in einem Grenzgebiet zwischen den Julischen und Karnischen Alpen, das als wichtiges Ausbreitungsgebiet der Luchsbevölkerung in den Südostalpen gilt.

Naturschützer:innen bezeichneten den Verlust als schwerwiegend, da insbesondere junge Weibchen für das Wachstum kleiner Populationen von großer Bedeutung seien. Zugleich werteten sie den Nachweis der Luchsin in einem bisher nicht besiedelten Gebiet als Zeichen dafür, dass die Wiederansiedlungs- und Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre Wirkung zeigen. Die Tiere breiteten sich zunehmend in neue Lebensräume aus.

Nur mehr rund 30 Luchse in Österreich

Anlässlich des Tags des Luchses am 11. Juni warnt die Tierschutzorganisation WWF indes vor einer „dramatischen Zuspitzung“ der Situation für diese Tierart in Österreich. Laut Monitoring-Daten sei der Bestand auf nur mehr rund 30 Tiere gesunken. Sie leben in kleinen, voneinander isolierten Populationen. Ihr Lebensraum wird massiv zerschnitten, daher gibt es kaum Nachwuchs. Zugleich zeigt der aktuelle FFH-Bericht Österreichs (Infos siehe Factbox) an die Europäische Kommission, dass sich nun auch die bisher größte Teilpopulation im Mühl- und Waldviertel verschlechtert hat, hieß es in einer Aussendung am Dienstag.

FFH-Bericht zu geschützten Arten

Alle sechs Jahre berichten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union über den Zustand der nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) geschützten Arten und Lebensräume. Für den Luchs zeichnet der kürzlich aktualisierte Bericht für den Zeitraum 2018 bis 2024 ein alarmierendes Bild. Die alpine Population verharrt weiterhin in einem schlechten Erhaltungszustand. Insgesamt bleibt der Luchs damit in Österreich akut gefährdet.

„Ohne rasche Gegenmaßnahmen droht Österreich den Luchs binnen weniger Jahre regional dauerhaft zu verlieren. Wir müssen die verbleibenden Bestände stützen, Lebensräume besser vernetzen und Wildtierkriminalität konsequent bekämpfen“, forderte Magdalena Erich vom WWF.

Ohne rasche Gegenmaßnahmen droht Österreich den Luchs binnen weniger Jahre regional dauerhaft zu verlieren.
Magdalena Erich, WWF

Im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich ist laut den Angaben von den vier nachgewiesenen Tieren nur der dreijährige Luchs Janus noch jung, und somit der Bestand in Gefahr. Der WWF fordert daher eine umfassende, fachlich fundierte Bestandsstützung, ein entschlossenes Vorgehen gegen Wildtierkriminalität sowie eine Raumplanung, die bestehende Lebensräume sichert und besser miteinander verbindet. (APA, TT.com)