„Momentaufnahme“

Antimuslimischer Rassismus: Doku-Stelle verzeichnete 2025 einen Höchstwert

Antimuslimischer Rassismus: Das Kopftuchverbot an Schulen für Unter 14-Jährige wirft Schatten voraus.
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„Kein Einzelfall, sondern System“: Dokumentationsstelle sieht mit 1684 Fällen eine „besorgniserregende Entwicklung“. Häufig geschieht Rassismus in den Medien oder in der Sphäre der Politik.

1684 Fälle: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dokumentationsstelle Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus registrierten im Vorjahr einen Höchstwert an eingebrachten und bestätigten Meldungen. Von der Politik fordert die Stelle anlässlich der Präsentation ihres Jahresberichts 2025 einen Aktionsplan gegen Rassismus.

Überschrieben ist der Bericht mit „Kein Einzelfall, sondern System“. Die Autorinnen des Berichts gehen davon aus, dass die Zahlen nur eine Momentaufnahme seien und die Dunkelziffer weitaus höher liege. Jedenfalls aber erkennen sie einen Zusammenhang zwischen politischen Debatten und gemeldeten Fällen. Im Vorjahr etwa sei die Zahl gegen Jahresende markant gestiegen. Die Psychologin Rumeysa Dür-Kwiede führt dies auf die Ankündigung des Kopftuchverbots für unter 14-jährige Mädchen in der Schule und die „Null-Toleranz-Politik“ der Bundesregierung zurück.

Viele Betroffene seien Opfer von Mehrfachdiskriminierung, besonders vulnerabel seien Frauen. Hüseyin Günes von der Gleichbehandlungsanwaltschaft sieht einen „dringenden Auftrag“ an staatliche Stellen, ihre Bediensteten zu sensibilisieren. Günes schilderte Vorfälle, bei denen Schülerinnen vom Lehrpersonal aufgefordert wurden, ihr Kopftuch abzunehmen, obwohl das Verbot noch gar nicht in Kraft ist. Andere hätten die Klasse abstimmen lassen, ob das Mädchen das Kopftuch tragen darf oder nicht.

63 Prozent der registrierten Fälle fanden im Internet statt. Der Großteil der anderen Fälle betraf „Verbreitung von Hass“ oder Beleidigungen. Körperliche Übergriffe sind deutlich seltener. Dennoch markiere das Jahr 2025 eine „besonders besorgniserregende Entwicklung“, sagte Dür-Kwieder. Bei einer Moschee in Niederösterreich fielen Schüsse. Und in Wien äußerte ein verurteilter Mörder antimuslimische Beschimpfungen.

Die Dokustelle ordnet die Fälle einzelnen Kategorien zu. Mit 33 Prozent stehen Beiträge in Medien an der Spitze. 27 Prozent ordnet die Meldestelle dem Bereich „politische Stimmungsmache“ zu. Antimuslimischer Rassismus geht zu mehr als 70 Prozent von Männern aus. (APA)