Der tiefe Fall des Royal-Sohns: Mette-Marits Sohn soll vier Jahre ins Gefängnis
Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, ist zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Oslo befand den 29-Jährigen am Montag wegen zwei der vier ihm zur Last gelegten Vergewaltigungen und anderer Vergehen schuldig.
Oslo – Es war der vorerst letzte Akt in einem monatelangen Schauspiel, wie Norwegen es selten erlebt hat. Das Gerichtsurteil wird um 8.30 Uhr verkündet. Vier Jahre Haft für Marius Borg Høiby, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. Ein Mitglied der Königsfamilie, ein verurteilter Verbrecher. Nach norwegischem Recht sogar: Vergewaltiger. In zwei Fällen von Vergewaltigung hält das Gericht ihn für schuldig - da war er mit dem Finger in die Frauen eingedrungen. Vom schwersten Vorwurf, der Vergewaltigung mit Penetration mit dem Penis, spricht das Gericht ihn frei, genau wie von einem vierten Vergewaltigungsvorwurf. Verurteilt wird er in insgesamt 34 Anklagepunkten.
📽️ Video | Høiby legt Berufung gegen Urteil ein
Wie Høiby auf das Urteil reagiert, bleibt der Öffentlichkeit verborgen. Denn er sitzt in dem Moment, der über seine Zukunft entscheidet, nicht in Saal 250 des Osloer Gerichts, in dem über viele Wochen gegen ihn verhandelt wurde. Die Entscheidung verfolgt er aus gesundheitlichen Gründen per Video aus dem Gefängnis, wie es heißt. Dort wird er nun lange bleiben, wenn es nach den Richtern geht. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht. Høibys Verteidiger kündigte nach einem Besuch im Gefängnis an, sein Mandant werde in Berufung gehen – gegen die Verurteilung für die beiden Vergewaltigungen sowie die wegen Missbrauchs in der Beziehung zu einer Ex-Freundin.
Ein Schock ist das Urteil aber schon jetzt, nicht nur für Høiby, sondern auch für das norwegische Königshaus. Der Hof kommentiert das Urteil gegen den Ziehsohn von Kronprinz Haakon auf Anfrage nicht. Es kommt zum schlechtesten Zeitpunkt. Denn Høibys Mutter Mette-Marit ist schwer lungenkrank, ihr Zustand hat sich zuletzt laut dem norwegischen Hof dramatisch verschlechtert. So sehr, dass sie jetzt auf die Warteliste für eine neue Lunge gekommen ist. Das Drama um ihren Sohn belastet sie zusätzlich.
Im Rausch ausgerastet, Möbel zerstört, Ex-Freundin geschlagen
Auf die Beziehung zu der Frau, die norwegische Medien nach dem Osloer Stadtteil, in dem sie gewohnt hat, „Frogner“-Frau nennen, hatten sich 20 der ursprünglich 40 Anklagepunkte bezogen. In fast allen dieser Punkte wurde Høiby nun verurteilt. Zugegeben hatte er, im Rausch ausgerastet zu sein, Möbel zerstört zu haben und der Frau gegenüber gewalttätig geworden zu sein. Auch einige Verstöße gegen Kontaktverbote hatte er eingeräumt.
Die Vergewaltigungen hatte Marius Borg Høiby aber stets bestritten. Um vier Vorfälle mit vier Frauen ging es, fast alles One-Night-Stands, bei denen er zuvor einvernehmlichen Sex mit den Betroffenen hatte. Dann aber soll er sie laut Anklage sexuell missbraucht haben, während die Frauen schliefen, und dabei gefilmt haben.
Freispruch in zwei Fällen von Vergewaltigung
Einer der Vergewaltigungs-Fälle, in denen die Richter Høiby für schuldig halten, spielte sich am Sitz der Kronprinzenfamilie ab. „Es wurde Videomaterial in dem Fall vorgelegt. Die Aufnahmen zeigen sexuelle Handlungen und das Eindringen mit dem Finger", sagte der Vorsitzende Richter laut der Zeitung „Verdens Gang“. „Die Geschädigte liegt völlig still da, es sind keine Geräusche zu hören.“ Deshalb sehe das Gericht es als erwiesen an, dass sie während der Aufnahmen geschlafen habe. Auch für einen ähnlichen Vorfall in der Wohnung einer Frau, die Høiby bei einem Fest kennengelernt hatte, wurde er verurteilt.
Dass er im Surfurlaub auf den Lofoten eine Bekanntschaft vergewaltigt hatte, sahen die Richter dagegen nicht als bewiesen an. „Das Gericht ist zu dem Schluss gekommen, dass begründete Zweifel bestehen“, zitierte die Zeitung „Verdens Gang“ den Vorsitzenden Richter. Es war der einzige Fall, in dem Høiby laut Anklage mit dem Penis in die Vagina einer Frau eingedrungen sein sollte, während diese schlief. In einem anderen Fall, in dem Høiby eine Frau in einem Hotel in Oslo nach norwegischem Recht vergewaltigt haben sollte, wurde er ebenfalls freigesprochen. Verurteilt wurde er aber wie in anderen Fällen dafür, dass er die Frau ohne ihr Wissen gefilmt hatte.
Außerdem sah das Gericht es als erwiesen an, dass der Norweger eine andere Ex-Freundin – eine Influencerin – in der Beziehung der beiden missbraucht hatte. „Es liegen mehrere Gewalttaten vor“, sagte der Vorsitzende Richter laut „Verdens Gang“. „Aber im Mittelpunkt steht besonders die psychische Misshandlung.“ Auch Verkehrsdelikte sowie der Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana verlängerten das Strafmaß.
Berufung angekündigt
Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft für Høiby gefordert. Seine Verteidiger verlangten dagegen Freispruch bei den am schwersten wiegenden Anklagepunkten. Sie sprachen sich für eine Strafe von eineinhalb Jahren Haft für die weniger schweren Straftaten aus. Høiby hatte in dem Prozess den Transport von 3,5 Kilogramm Marihuana sowie körperliche Übergriffe und Drohungen eingeräumt.
Nach einem Besuch bei Høiby im Gefängnis kündigte sein Anwaltsteam am Montag an, gegen dessen Verurteilung wegen Vergewaltigung und Gewalt gegen eine seiner Ex-Freundinnen in Berufung zu gehen. Staatsanwalt Sturla Henriksbö bezeichnete das Urteil hingegen als „lang und ernst“, aber „der Schwere der Vergehen angemessen“. Das Urteil sei „ein Sieg für unser Rechtssystem, das zeigt, dass niemand über dem Gesetz steht, egal wer man ist und zu welcher Familie man gehört“, sagte der Staatsanwalt.
Høiby fühlt sich verfolgt von der Presse
Unter Tränen hatte Høiby die Presse beschuldigt, ihn seit seiner frühen Kindheit verfolgt zu haben. Sich selbst hatte er als „Monster“ in der öffentlichen Wahrnehmung und „Hassobjekt von ganz Norwegen“ bezeichnet. Høiby war noch ein Kleinkind, als seine Mutter Mette-Marit den norwegischen Kronprinzen kennenlernte. Zunächst war ganz Norwegen verzückt von Haakons hellblondem Ziehsohn. Doch als junger Erwachsener geriet Høiby auf Abwege, kämpfte mit Drogensucht und psychischen Problemen.
Im August 2024 nahm die Polizei ihn nach einem Vorfall in der Wohnung der „Frogner“-Frau zum ersten Mal fest. Im Laufe der Ermittlungen kamen immer mehr Vorwürfe ans Licht. Kurz vor dem Prozess griff die Polizei Høiby erneut auf. Ob der 29-Jährige in U-Haft bleibt, bis er seine Strafe antritt, hängt nun davon ab, ob Høibys neuer Antrag auf Freilassung Erfolg hat. Der Grund diesmal wie beim letzten Mal: sein Wunsch, bei seiner schwer kranken Mutter zu sein. (dpa/APA/AFP)
Urteil für Montag erwartet
Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby muss in U-Haft bleiben
Prozess gegen Mette-Marit-Sohn
Kein Royal-Bonus: Marius Borg Høiby scheitert vor dem Obersten Gericht
Junger Royal vor Gericht
Kommentare