Projekt läuft seit 2004

Lange umstrittenes Kraftwerk am Tauernbach geht in Probebetrieb

Die Wasserfassung für das neue Kraftwerk entstand im Bereich der Matreier Schildalmen. Hier der Projektstand im Jahr 2025.
© Tiwag

Der Matreier Tauernbach ist schon lange im Visier der Tiwag. Nach einem gescheiterten Projekt, mehreren Umplanungen und vielen Protesten kann die Tiwag einen Erfolg vermelden: Das neue Ausleitungskraftwerk ist im Fertigwerden. Es liefert Strom für etwa 20.000 Haushalte.

Matrei i. O. – Noch vor dem Sommer soll es soweit sein, gibt die Tiwag in einer Aussendung bekannt: Das früher umstrittene Kraftwerksprojekt am Tauernbach, das im Bereich des Felbertauern in Matrei entsteht, kann endlich in den Probebetrieb gehen. „Aktuell erfolgen die letzten Arbeiten im Krafthaus sowie an der Wasserfassung. Die Tiwag investiert insgesamt rund 180 Millionen Euro in das regionale Leuchtturmprojekt.“

Beitrag zur Energie-Autonomie

Mit der Fertigstellung des neuen Ausleitungskraftwerks zählt nun auch der Osttiroler Tauernbach zu den Energielieferanten in Tirol. „Mit einer jährlichen Erzeugung von rund 85 Millionen Kilowattstunden leistet das neue Kraftwerk nicht nur einen wichtigen Beitrag für die Versorgungssicherheit im Bezirk, sondern auch für die Tiroler Energieautonomie“, freut sich Vorstandsdirektor Alexander Speckle. Der Strombedarf für rund 20.000 Haushalte kann damit abgedeckt werden.

Das Krafthaus im Matreier Ortsteil Gruben ist fast fertig.
© Tiwag

Der Weg dorthin war weit. Schon Anfang der 2000er-Jahre wollte die Tiroler Wasserkraft unter dem damaligen Leiter Bruno Wallnöfer das Wasser des Tauernbachs nutzen. Damals war ein Pumpspeicherkraftwerk im Gespräch. Das hätte einen enormen Eingriff in die Natur mitten im Nationalpark Hohe Tauern bedeutet. Vor allem der geplante 90 Meter hohe Staudamm sorgte für Empörung. Viele MatreierInnen leisteten erbitterten Widerstand, der Gemeinderat lehnte das Projekt letztlich ab.

Umweltverbände protestierten

Das Land bzw. die Tiwag wollte nicht aufgeben. Ein neuer Anlauf im Jahr 2006 scheiterte, doch der Tauernbach blieb im Fokus der Stromgesellschaft. 2012 wurde im Matreier Gemeinderat eine geschrumpfte Version präsentiert. Bis 2019 musste die Tiwag auf die positive Erledigung der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) warten, denn der Gegenwind war kräftig. Umweltanwaltschaft, WWF, der Alpenverein Matrei, der Verein Erholungslandschaft Osttirol, der Umweltdachverband und andere Organisationen protestieren gegen die Pläne. Erst 2023 kam es zum Spatenstich.

Umweltschutzverbände erhoben mehrmals Einspruch: Gerhard Egger vom WWF, Wolfgang Retter vom Verein Erholungslandschaft Osttirol, Reinhold Bacher vom Alpenverein Matrei und Paul Kunico vom Umweltdachverband (v. l.). im Jahr 2019.
© Oblasser

Jetzt kann wohl nichts mehr schiefgehen. Wenn der Probebetrieb gut läuft, wird das Kraftwerk am 8. September offiziell in Betrieb genommen. Die Arbeiten am 8,5 Kilometer langen Triebwasserweg wurden bereits im Vorjahr abgeschlossen. Aktuell finden die finalen Montagearbeiten im Krafthaus statt, berichtet Projektleiter Martin Riedl. Auch bei der Wasserfassung ist inzwischen die Wehrklappe montiert, Entsander und Rechenreinigungsanlage sind betriebsbereit.

Ein besonderer Fokus wurde im Zuge der Umsetzung auf die Naturverträglichkeit gelegt, so die Tiwag: Umfassende Renaturierungs- und Ausgleichsmaßnahmen wurden dazu vor Ort umgesetzt.

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