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Trump: Zweite Phase der Iran-Verhandlungen beginnt

Trump bei seiner Ankunft in Genf für das G7-Treffen
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Laut US-Präsident Donald Trump gehen die Verhandlungen mit dem Iran in eine zweite Phase. Diese Phase werde laut Trump einfacher. Die USA würden jedoch kein Geld im Iran investieren, sagt Trump am Rande des G7-Gipfels in Frankreich vor Journalisten. "Wir haben unsere Vereinbarung mit dem Iran getroffen, und sie sollte erfolgreich sein." Der iranische Außenminister Abbas Araqchi sprach bei einer Pressekonferenz in Teheran von einer neuen Verhandlungsrunde ab Freitag.

Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran soll nun in einem Luxushotel am Vierwaldstättersee unterzeichnet werden und nicht wie ursprünglich angekündigt in Genf. Das Schweizer Außenministerium bestätigte der dpa, dass dafür das Hotel auf dem Bürgenstock vorgesehen ist. Dort fand 2024 eine Ukraine-Konferenz statt. Zuerst hatten Schweizer Medien über den Ort für die Unterzeichnung berichtet. Der Vermittler Pakistan hatte als Ort dafür bisher Genf genannt.

Von iranischer Seite nehme Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf an den Gesprächen am Freitag Teil, sagte der stellvertretende iranische Außenminister Majid Tacht-Rawantshi. Von US-Seite soll Vizepräsident James Vance vor Ort sein, hatte US-Präsident Donald Trump gesagt.

Die USA und der Iran hatten sich zuvor auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs geeinigt und nach US-Angaben bereits digital unterzeichnet. Der iranische Außenminister erklärte, dass das Ziel der neuen Verhandlungen sei, nach dem offiziellen Inkrafttreten eines Interimsabkommens eine endgültige Einigung zu erzielen, sagt Araqchi. Zunächst habe man sich auf eine Beendigung des Kriegs, die Öffnung der Straße von Hormuz, die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und den Wiederaufbau konzentriert, sagte Araqchi. Trump betonte, der Iran werde niemals über eine Atombombe verfügen.

Araqchi warnte zudem, dass jeder israelische Angriff auf den Libanon oder eine anhaltende militärische Präsenz auf libanesischem Gebiet ab jetzt einen Verstoß gegen die Rahmenvereinbarung mit den USA darstelle." Aus unserer Sicht sind die beiden Parteien dieses Memorandums die USA und Israel auf der einen Seite sowie der Iran und die Hisbollah auf der anderen Seite", sagte der iranische Außenminister.

Die Hisbollah-Miliz hat dabei vom Iran nach eigener Darstellung Zusagen zu einem Abzug der israelischen Armee aus dem Libanon erhalten. Der Iran habe der Hisbollah "sehr klar" zugesichert, dass man ein Abkommen mit den USA nur unterzeichne, wenn dieses einen Abzug Israels aus dem Libanon enthalte. Das sagte ein ranghoher Funktionär der Hisbollah der dpa. Die Frage sei eine der "obersten Prioritäten" für den Iran - dem wichtigsten Unterstützer der Hisbollah. Wobei der Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, bei dieser Zusage des Irans an die Hisbollah gehe es um die nächste Phase der Verhandlungen mit den USA. Ein Abzug Israels aus dem Nachbarland werde zur Bedingung für die Gespräche gemacht - "nicht unbedingt für die erste Phase, aber als ein Endpunkt".

Auch israelische Beobachter mutmaßten, bei der Zusage gehe es um ein mögliches endgültiges Abkommen zwischen den USA und dem Iran und nicht um das Rahmenabkommen, das am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll. Unterdessen gab es am Dienstagabend libanesische Berichte, wonach bei neuerlichen israelischen Drohnenangriffen im Süden des Libanon mehrere Menschen getötet wurden.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte am Montag erklärt, Truppen seines Landes würden vorerst und so lange wie nötig in der "Sicherheitszone" im Libanon bleiben. Israel geht im Libanon gegen die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz vor.

Die weiteren Gespräche sollten innerhalb von 60 Tagen abgeschlossen werden. Diese Frist gilt als knapp zur Verhandlung eines umfassenden Abkommens zu Irans Atomprogramm. Ähnliche Gespräche über das bisher letzte große Abkommen mit dem Iran, dem in Wien geschlossenen Atomdeal von 2015, dauerten fast zwei Jahre. Vance hatte zuletzt von möglichen Sanktionserleichterungen gesprochen.

Im Rahmen des geplanten Abkommens ist Insiderangaben zufolge ein privater Investitionsfonds von 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Landes vorgesehen. Mehr als die Hälfte dieser Summe sei bereits zugesagt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Der Fonds solle beiden Seiten einen wirtschaftlichen Anreiz bieten, ein endgültiges Abkommen zu schließen.

Bei dem geplanten "Fonds für Wiederaufbau und Entwicklung" handelt es sich dem Insider zufolge um ein privates Investitionsinstrument ohne staatliche Gelder oder Zuschüsse. Zusagen lägen von Unternehmen aus den USA, den Golfstaaten, Asien, Südamerika und Afrika vor, hieß es. Die Investitionen sollen in die Bereiche Energie, Logistik, Industrie und Transport fließen. Demnach werde der Fonds erst nach dem Abschluss eines endgültigen Abkommens aktiv.

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian hat das Rahmenabkommen mit den USA, das am Freitag in der Schweiz unterzeichnet werden soll, als einen diplomatischen Sieg für sein Land bezeichnet. "Dementsprechend sollte man diese Chance, die das Land aus der aktuellen Lage herausführen könnte, nicht ungenutzt verstreichen lassen", sagte Pezeshkian laut der Nachrichtenagentur Isna. Solche Gelegenheiten seien begrenzt und würden sich nicht jederzeit erneut bieten, so der Präsident. Der als moderat geltende Pezeshkian hat sich stets für diplomatische Optionen stark gemacht.

Am Rande des G7-Gipfels erklärte Trump auch, dass sein Fokus beim Iran nicht auf einen Machtwechsel gelegen habe. Das sei ihm nicht wichtig gewesen, sagte Trump nach einem Gespräch mit Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani zu Journalisten. Dennoch habe sich dieser aus seiner Sicht vollzogen.

Zu Beginn des Krieges am 28. Februar hatte Trump die Iraner aufgerufen, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung", hatte er auf Truth Social geschrieben. Die US-Regierung sprach später dann immer wieder davon, dass mit der Tötung von zahlreichen hochrangigen Mitgliedern der Führungsebene sich quasi personell ein Wechsel der Führung des Landes vollzogen habe.

Trump äußerte sich auf dem Gipfel ähnlich: Die "erste" und "zweite Gruppe" seien tot und auch ein Teil der "dritten Gruppe". Die Leute, mit denen man verhandele, seien rationale Leute. Sie seien nicht radikalisiert und seien bestrebt, ihrem Land zu helfen. Trump sagte aber auch: "Ich habe Regimewechsel über Jahre beobachtet. Es hat nicht funktioniert."

Internationale Atominspektoren werden nach Angaben von Vance im Rahmen des Abkommens USA-Iran zur Beendigung des Krieges in die Islamische Republik zurückkehren. Dies werde "absolut" der Fall sein, sagte Vance dem Sender NBC News in einem Interview. Ein Kernbestandteil der Vereinbarung sei, dass die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und die USA dem Land dabei helfen würden, seine Bestände an hochangereichertem Uran zu vernichten.

Dies sei in einer bereits vereinbarten Absichtserklärung zwischen Washington und Teheran klar festgeschrieben, erklärte er weiter. Das Abkommen mit dem Iran sei "ein sehr allgemeines Dokument", sagte Vance zum Sender CNN. Die Absichtserklärung sei etwa eineinhalb Seiten lang. "Bei einer Reihe von Themen müssen wir diese Dinge erst in der Phase der technischen Verhandlungen klären."

Weiters meinte Vance, das "Coolste an den Fortschritten der vergangenen Wochen" sei, dass es innerhalb der politischen und militärischen Führung des Irans Anzeichen für einen Sinneswandel gebe. Sogar bei Vertretern der mächtigen Revolutionsgarden, der Elitestreitmacht des Iran, höre man Stimmen, die sagten, "wir erkennen, dass die Art, wie wir seit 47 Jahren mit den USA umgegangen sind, ein Fehler war. Lasst uns etwas anderes versuchen."

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte indes nach Zustandekommen des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran vor Schadenfreude gegenüber US-Präsident Donald Trump. Auch wenn die USA mit dem Krieg "eigentlich erstrebenswerte Ziele" nicht erreicht hätten, sei "jede Schadenfreude abwegig und falsch" sagte Ischinger im RBB-Inforadio. "Dem Iran die Möglichkeit zu nehmen, eine militärische Nuklearfähigkeit aufzubauen, dieses Ziel teilen wir natürlich mit den USA", sagte Ischinger.

"Also bitte nicht ein Tag der Schadenfreude, sondern ein Tag möglicher Sorge, dass die USA mit diesem Krieg leider anscheinend weniger erreicht haben als wünschenswert gewesen wäre", so der deutsche Diplomat weiter. Er sei skeptisch, ob das vereinbarte Rahmenabkommen Stabilität und Frieden für die Region sowie eine Einhegung des Iran bringen werde.

Die Kriege gegen den Iran an der Seite der USA haben nach Darstellung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu eine unmittelbar drohende Bewaffnung Teherans mit Nuklearwaffen verhindert. "Wir haben den Staat Israel vor der Bedrohung einer atomaren Auslöschung gerettet", sagte Netanyahu am Montag. Der Iran sei vor dem Krieg im Juni vergangenen Jahres in Richtung einer atomaren Aufrüstung "galoppiert". Ohne die massiven Angriffe gemeinsam mit den USA "hätte der Iran schon Atombomben".

Millionen von Israelis hätten sich in einem solchen Fall in tödlicher Gefahr befunden. Diese Bedrohung sei "um Jahre" aufgeschoben worden. Teheran hat immer wieder betont, keine Atomwaffen anzustreben, sein Nuklearprogramm diene nur zivilen Zwecken. Netanyahu bekräftigte, er werde eine nukleare Aufrüstung Teherans niemals dulden. "Mit Abkommen oder ohne Abkommen - der Iran wird keine Atomwaffen haben", sagte er.

Unterdessen nahmen am Dienstag ungeachtet einer Seeblockade durch die USA einem Medienbericht zufolge drei iranische Tanker und zwei Frachtschiffe am Dienstag Kurs auf den Iran. Die Schiffe mit lebenswichtigen Gütern an Bord seien vom Indischen Ozean aus auf dem Weg zu Häfen im Süden des Landes, berichtete das iranische Staatsfernsehen.

Das US-Militär hatte am Montag in einem Sicherheitshinweis mitgeteilt, dass eine Blockade der iranischen Häfen noch bis Freitag in Kraft bleibe.