Streit der Parteigranden

„Furchtbarer Fehler“: Hillary Clinton rechnet mit Joe Biden ab

Joe Biden in den letzten Tagen seiner Präsidentschaft mit Hillary Clinton im Weißen Haus. Hinter der herzlichen Fassade waren die beiden Konkurrenten.
© AFP/Kleponis

Wie konnte es passieren, dass Donald Trump gleich zweimal ins Weiße Haus einzieht? Die US-Demokraten lecken ihre Wunden und dabei werden auch Konflikte zwischen den Parteigranden sichtbar.

Washington – Die Entscheidung von US-Präsident Joe Biden, 2024 zur Wiederwahl anzutreten, sei ein „schrecklicher Fehler“ gewesen. Er habe die Demokraten die Präsidentschaft gekostet und damit Donald Trump zum zweiten Mal ins Weiße Haus gebracht. Das sagte niemand geringerer als Hillary Clinton, selbst gescheiterte Präsidentschaftskandidatin sowie frühere Senatorin, Außenministerin und First Lady.

Clinton sagte, Biden hätte verzichten und stattdessen eine offene parteiinterne Vorwahl ermöglichen sollen. „Ich glaube, wer auch immer aus diesem Wettstreit hervorgegangen wäre, hätte Donald Trump geschlagen“, zitierten sie die New York Times und der Guardian. Die Bemerkungen fielen demnach bei einer Veranstaltung in Manhattan.

Desaströse TV-Debatte

Biden war 2021 bei seinem Amtsantritt 78 Jahre alt. Er hatte im Wahlkampf und danach signalisiert, dass er nur eine Amtszeit anstrebt. Doch dann trat er überraschend wieder an und zwang eine murrende Partei hinter sich, obwohl aus Umfragen hervorging, dass die Amerikaner ihn für zu alt halten und unzufrieden sind.

Erst nach einer desaströsen ersten TV-Debatte gegen Trump räumte er das Feld und schickte stattdessen seine Vizepräsidentin Kamala Harris ins Rennen. Dieser blieben aber nur drei Monate bis zur Wahl, und sie konnte sich kaum vom unpopulären Präsidenten distanzieren. Am Ende gewann Trump in allen Swing States.

Vermächtnis beschädigt

Biden habe „einen schrecklichen Fehler begangen – für sich selbst, für sein Vermächtnis und für das Land“, kritisierte Clinton nun. Die 78-Jährige befeuerte damit wenige Monate vor der Kongresswahl die parteiinterne Debatte über die Niederlage.

Viele Demokraten machen Biden verantwortlich, aber die Parteielite hatte sich bisher zurückgehalten. In diversen Analysen kommen auch andere Faktoren zur Sprache. Dazu gehören die Wechselstimmung im Land, der mediale Vorsprung der Republikaner, Protestbewegungen (etwa gegen den Gaza-Krieg), die die Partei gespalten haben – sowie die Frage, ob Harris tatsächlich die richtige Ersatzkandidatin war.

Retourkutsche für 2016?

Clintons Bemerkungen zeigen zugleich ihr gespanntes Verhältnis zu Biden, mit dem sie einst gemeinsam in der Obama-Administration diente, sie selbst als Chefdiplomatin und Biden als außenpolitisch engagierter Vizepräsident. Nach außen hin hatten sie einander stets unterstützt, aber hinter den Kulissen waren sie durchaus Konkurrenten.

2016 wollten eigentlich beide zur Wahl um die Nachfolge von Barack Obama antreten. Obama favorisierte Clinton, während Biden damals den Krebstod seines Sohnes Beau verarbeitete und verzichtete. Als Clinton überraschend gegen Trump verlor, haderte Biden öffentlich mit seinem Verzicht und erklärte, er hätte gewonnen.