Höchste Auszeichnung der Republik

Clemens J. Setz erhält den Großen Österreichischen Staatspreis

2023 wurde Clemens J. Setz mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Bereits 2021 erhielt er den Georg-Büchner-Preis, die bedeutendste Literaturauszeichnung des deutschen Sprachraums.
© APA

Der Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz wird mit dem Großen Österreichischen Staatspreis 2026 ausgezeichnet. Der Kunstsenat würdigt ihn als Autor, der den deutschen Sprachraum „wie kaum ein anderer“ erweitert habe.

Wien – Clemens J. Setz erhält den Großen Österreichischen Staatspreis 2026 – und damit die höchste künstlerische Auszeichnung der Republik. Die Auszeichnung ist mit 30.000 Euro dotiert und wird auf Empfehlung des Österreichischen Kunstsenats vergeben.

Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) würdigte Setz als eine der „bedeutendsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur“. Er beschreite „in jedem seiner Werke neue, unerwartete Wege“.

Der 1982 in Graz geborene Schriftsteller gehört zu den eigensinnigsten und zugleich hellhörigsten Stimmen seiner Generation. Setz studierte Mathematik und Germanistik in Graz, lebt heute in Wien und hat sich früh als Autor etabliert, der die Wirklichkeit nicht einfach abbildet, sondern ihre Risse, Störungen und sonderbaren Nebengeräusche sichtbar macht.

„Dann und wann an James Joyce erinnernd“

Auch der Kunstsenat hebt in seiner Begründung diese Sonderstellung hervor. Setz sei „nicht nur in der jüngeren Generation“ derzeit einer der bedeutendsten Schriftsteller deutscher Sprache, der trotz seines vergleichsweise jungen Alters bereits ein umfangreiches literarisches Werk vorzuweisen habe. In seinen Romanen beschäftige er sich mit menschlichen Grenzbereichen und gesellschaftlichen Außenseitern. Mit seinen außergewöhnlichen literarischen Formen und seinen „dann und wann an James Joyce erinnernden poetischen und sprachschöpferischen Imaginationen“ erweitere Setz seit eineinhalb Jahrzehnten „als Dichter der literarischen Avantgarde wie kaum ein anderer den deutschen Sprachraum“.

Sein Debüt „Söhne und Planeten“ erschien 2007, der Durchbruch folgte 2009 mit „Die Frequenzen“, das für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Mit dem Erzählband „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“ gewann Setz 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse. Spätestens mit „Indigo“ wurde deutlich, worin seine besondere Kunst liegt: im präzisen Blick auf das Unheimliche im Alltäglichen, auf Menschen, die aus sozialen, sprachlichen oder psychischen Ordnungen herausfallen.

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Zu seinen zentralen Werken zählen außerdem der große Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“, ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, der Erzählband „Der Trost runder Dinge“, das luzide Buch „Die Bienen und das Unsichtbare“ über Plansprachen sowie „Monde vor der Landung“, sein Roman über den Hohlwelt-Theoretiker Peter Bender. Für diesen erhielt Setz 2023 den Österreichischen Buchpreis.

Ausgezeichnet wurde Setz vielfach: unter anderem mit dem Bremer Literaturpreis, dem Preis der Leipziger Buchmesse, dem Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft, dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis, dem Kleist-Preis und 2021 mit dem Georg-Büchner-Preis, der wohl renommiertesten Literaturauszeichnung im deutschen Sprachraum.

Kleine Risse, große Literatur

Setz’ Literatur ist verspielt, aber nie beliebig; hochintelligent, aber nicht kühl; komisch, wo es unheimlich wird, und unheimlich, wo andere bloß die Pointe suchen würden. Er schreibt über Außenseiter, Obsessionen, seltsame Systeme und beschädigte Wahrnehmungen – und zeigt dabei, dass die Welt selten dort am merkwürdigsten ist, wo sie sich ausdrücklich als fantastisch ausgibt. Oft genügt ein kleiner Riss in der Oberfläche. Bei Setz wird daraus große Literatur.

Der Große Österreichische Staatspreis wird jährlich vergeben; ein fixes Rotationsprinzip zwischen den Sparten Architektur, Bildende Kunst, Literatur und Musik gibt es nicht. Zuletzt wurden der Maler Herbert Brandl (2025), der Architekt Hermann Czech (2024) und der Komponist Gerd Kühr (2023) ausgezeichnet. Die zuletzt ausgezeichnete Literatin war im Jahr 2022 Anna Baar.

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