De la Espriella gewinnt Kolumbiens Präsidentschaftswahl
In Kolumbien kommt es zum politischen Richtungswechsel. Der rechtsgerichtete Abelardo de la Espriella gewann die Stichwahl um das Präsidentschaftsamt in Kolumbien. Der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Politik-Neuling (47) setzte sich gegen den linken Senator Iván Cepeda durch, wie aus offiziellen Wahlergebnissen hervorging. De la Espriella kam nach Auszählung fast aller Stimmen auf 49,7 Prozent, Cepeda auf 48,7 Prozent.
Gewählt wurde der Nachfolger des am 7. August aus dem Amt scheidenden Gustavo Petro, dem ersten linksgerichteten Staatschef in der Geschichte des südamerikanischen Landes. Zwischen beiden Kandidaten lagen rund 250.000 Stimmen. Rund 41 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zu dem Urnengang aufgerufen.
Während De la Espriella schon von seiner "großen Verantwortung" in der kommenden Amtszeit sprach, verwies Cepeda wegen des engen Rennens auf die noch ausstehende amtliche Überprüfung aller Wahlprotokolle und erklärte, das endgültige Ergebnis erst nach Abschluss dieses Verfahrens anzuerkennen. Nach Angaben seines Wahlkampfteams werden Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen angefochten.
De la Espriella rief am Wahlabend vor tausenden Anhängern in Barranquilla den Beginn einer "neuen Ära" aus. "Für diejenigen, die all die Jahre Gewalt, Terror, Drogenhandel und Korruption gesät haben, ist die Zeit abgelaufen!" Er versprach in seiner Siegesrede zugleich, er wolle "Präsident für alle Kolumbianer" sein - auch für diejenigen, "die sich für einen anderen Kandidaten entschieden haben". Er werde Demokratie, Freiheit und die Verfassungsordnung schützen und versprach, alle ethnischen Gruppen, Religionen und politischen Richtungen zu respektieren.
In Kolumbiens drittgrößter Stadt Cali kam es zu zum Teil gewaltsamen Protesten: Demonstranten setzten am Sonntagabend US-Fahnen in Brand und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein, einige Demonstranten warfen Steine. In der Hauptstadt Bogotá gab es ebenfalls Proteste. Vor der Nationaluniversität demonstrierten hunderte Studenten.
Überschattet wurde auch der Wahlkampf von der schlimmsten Gewaltwelle in Kolumbien seit einem Jahrzehnt. So wurden mehrere Anschläge mit Autobomben und Drohnen verübt. Zehn Jahre nach dem historischen Friedensschluss zwischen der Regierung und der vormals mächtigen Guerillaorganisation FARC sind in Kolumbien weiterhin viele bewaffnete Gruppen aktiv.
Der 47-jährige Anwalt De la Espriella von der Bewegung Defensores de la Patria (Verteidiger des Vaterlandes) will bewaffnete Gruppen mit militärischer Gewalt bekämpfen und setzt in der Wirtschaftspolitik auf Deregulierungen. Der Rechtsaußenkandidat, der sich selbst "El Tigre" ("Der Tiger") nennt, will ins Drogengeschäft verwickelte Guerillagruppen auch mit Luftangriffen bekämpfen.
Cepeda vom Regierungsbündnis Pacto Histórico (Historischer Pakt) versprach, zentrale Projekte der Petro-Regierung fortzuführen. Anhänger des Regierungslagers verwiesen auf Fortschritte wie mehr finanzielle Unterstützung für sozial Schwächere und eine gesunkene Armut während Petros Amtszeit. Die rund 41 Millionen Wahlberechtigte überzeugte das nicht.
Trump hatte de la Espriella zuletzt wiederholt öffentlich unterstützt und dessen Wahlsieg als wichtig für die Beziehungen zwischen beiden Ländern bezeichnet. Kolumbien war lange Zeit der wichtigste Partner der USA in Südamerika, wurde im vergangenen Jahr aber von der Trump-Regierung als Land eingestuft, das seine internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen illegale Drogen nicht erfülle. Die US-Führungsriege gehörte De la Espriella zufolge dann auch zu den ersten Gratulanten.
Nach dem Wahlsieg pries Trump das Ergebnis mit den Worten: "Er hat gewonnen, und zwar groß!" Auch US-Außenminister Marco Rubio gratulierte dem Anwalt und Geschäftsmann auf X zu seinem Wahlsieg. Die Trump-Regierung freue sich, mit der künftigen kolumbianischen Regierung zusammenzuarbeiten, "um die illegale Einwanderung in die USA zu beenden und unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu stärken".
Für den US-Präsidenten bedeutet der Richtungswechsel, dass er neben anderen rechtspopulistischen Präsidenten wie dem Argentinier Javier Milei und dem Salvadorianer Nayib Bukele einen weiteren engen Verbündeten auf dem amerikanischen Kontinent bekommt. Und so wie einst der Immobilienmogul aus New York, der als Anti-Establishment-Kandidat in die Politik einstieg, präsentierte sich auch De la Espriella als ungehobelt auftretender Mann, der das politische System umkrempeln will. Auch er setzt auf knallharte und aggressive Rhetorik.
Angesichts der im Land herrschenden Sehnsucht nach Sicherheit fand De la Espriella mit seinen Ankündigungen einer rigorosen Sicherheitspolitik viel Zuspruch. Der vierfache Familienvater verkündete, er habe "die Eier", um das Land "mit harter Hand" zu regieren. Im Wahlkampf tönte er, er wolle eine 90-tägige Militärkampagne gegen in das Drogengeschäft verwickelte Banden führen. Dafür will er sich militärische Unterstützung von den USA und Israel besorgen. Wie der Präsident von El Salvador will De la Espriella auch Megagefängnisse bauen, in denen die Häftlinge von "Wasser und Brot" leben sollen. Die Wirtschaft will er deregulieren, den Staatsapparat massiv verkleinern.
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