Große Auszeichnung

Hopfgartner Mediathek erhält österreichweiten Förderpreis für Inklusionsprojekt

Das Team der Mediathek Hopfgarten und der Integrativen Beschäftigung freute sich über die Urkunden. An der Preisverleihung in Graz nahm das Team digital teil – so konnten alle mitfeiern.
© Diakoniewerk/Katrin Pancheri

Die Mediathek Hopfgarten und die Integrative Beschäftigung des Diakoniewerks sind für ihr gemeinsames Inklusionsprojekt mit dem Förderpreis 2026 der Heilpädagogischen Gesellschaft Österreich ausgezeichnet worden.

Hopfgarten im Brixental – „Es war so eine kleine Idee und daraus ist etwas Wunderbares gewachsen. Ich meine damit nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch das freundschaftliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung“, erzählt Angelika Fohringer, Leiterin der Mediathek in Hopfgarten. Vor über zwei Jahren starteten sie und Katrin Pancheri, Jobcoach im Diakoniewerk, das gemeinsame Projekt. Die Bibliothekarin plante damals zusätzliche Öffnungstage in der örtlichen Bücherei. „Ich war wie stets auf der Suche nach Einsatzbereichen für Menschen mit Behinderung“, erklärt Pancheri. Warum es also nicht miteinander versuchen?

Gesagt. Getan. Zunächst half das Team der Integrativen Beschäftigung jeden Montag mit und räumte die Bücher, Spiele und CDs weg, die sonntags davor zurückgegeben wurden. Die Aufgabe machte den begleiteten Menschen mit Behinderung Freude und schnell zeigte sich: Da geht noch mehr. Die Unterstützung wurde auf den Mittwoch ausgedehnt und das Team des Diakoniewerks hilft inzwischen beim Ein- und Ausbuchen der Bücher am PC mit. „Das Bibliotheksteam spart sich Zeit und wir können dadurch einen zusätzlichen Tag pro Woche aufmachen“, freut sich Angelika Fohringer.

Hilfsmittel für selbstständiges Arbeiten

Seitens der Mediathek gab es keine Vorgaben, wie die Arbeitsabläufe gestaltet werden sollen. Für das Team der Integrativen Beschäftigung war das optimal. Alle begleiteten Menschen mit Behinderung erledigen die übertragenen Arbeiten im Rahmen ihrer individuellen Möglichkeiten und in leicht abgeänderter Form. Da einige Mitglieder aus dem Team der Integrativen Beschäftigung nicht lesen können, werden verschiedene Hilfsmittel wie Unterstützte Kommunikation und leichte Sprache eingesetzt. So haben sie sich eigene Buchstabenschilder vorbereitet, um sich das Ablagesystem zu erleichtern.

Ganz nebenbei bietet die Arbeit in der Mediathek ein ideales Umfeld für Therapieeinheiten. Einmal pro Monat begleitet eine Therapeutin eine Nutzerin in die Bibliothek. Dort setzen sie logo- und ergotherapeutische Übungen gleich in die Praxis um.

Große Auszeichnung für kleine Ideen

Rund 100 bis 150 Menschen leihen jede Woche etwas in der Mediathek in Hopfgarten aus. Für sie ist es normal, dass ein inklusives Team mithilft. Dass die Zusammenarbeit so gut klappt und mittlerweile fest verankert ist, freut alle. „Menschen mit Behinderung wollen sich aktiv in das soziale Leben im Ort einbringen und hier gelingt es richtig gut“, schildert Katrin Pancheri. Menschen mit Behinderung erleben sich selbst als jemand, der Unterstützung anbieten kann. Dass dieses Angebot auch angenommen wird, zeigt, wie gut sich Barrieren im Alltag abbauen lassen.

Nach der Auszeichnung mit dem Bildungsinnovationspreis des Landes Tirol im Vorjahr, erhielt das Projekt nun auch den Förderpreis 2026 der Heilpädagogischen Gesellschaft Österreich. Diese neue Auszeichnung bestärkt die Bücherei-Mitarbeiter:innen genauso wie das Team des Diakoniewerks. „Wir haben uns sehr gefreut, dass unser kleines Projekt diese Auszeichnungen bekommen hat und damit das Engagement im ländlichen Raum sichtbar wird“, freut sich Angelika Fohringer.